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„Wir wollen die Mülltrennung vereinfachen“

Pläne für Gelbe Tonne und Elektro-Chip in Haltern

Die Stadt Haltern geht neue Wege bei der Müllentsorgung. So soll die Gelbe Wertstofftonne den Gelben Sack schlucken. Das planen die Kreisstädte und hoffen, dass die Kommunalpolitiker mitziehen. Deckel auf, Bratpfanne rein: Die Tonne ist „gefräßiger“ als der Sack. Zudem führt die Stadt ein „Behälter-Ident-System“ ein: Mithilfe eines Transponders kann jede Tonne einem Grundstück zugeordnet und die Leerung automatisch erfasst werden. Schummeln ist nicht mehr möglich.

HALTERN

, 30.05.2018
„Wir wollen die Mülltrennung vereinfachen“

Ziel der Kreisstädte ist, Leichtverpackungen und Wertstoffe in einem Behälter, der künftigen Gelben Tonne, zu sammeln. © Foto: dpa

Neun Städte des Kreises bereiten die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Abfallentsorgung vor. Möglichst zum 1. Januar 2019 wollen sie in Kooperation mit dem Dualen System Deutschland (Grüner Punkt) einheitlich die Gelben Säcke gegen Gelbe (Wertstoff-)Tonnen tauschen. Die Verwaltungen haben eine Strategie entworfen, die im Laufe der nächsten Wochen in den kommunalen Gremien diskutiert wird. Sammlung und Transport soll die Stadt Recklinghausen übernehmen, die Tonnen schafft das Duale System Deutschland an.

Blumentöpfe, Spielzeug, Aluschalen und DVDs

„Wir wollen die Mülltrennung vereinfachen“, erklärte Christian Hovenjürgen, Fachbereichsleiter der städtischen Wirtschaftsbetriebe in Haltern am See. Seine Stellvertreterin Beate Schittek zählt auf, wie das in Zukunft aussehen kann: „Während bisher nur Verkaufsverpackungen in die Gelben Säcke gehören, sollen künftig auch alle Haushaltsabfälle aus Kunststoff und Metall in einer Gelben Tonne gesammelt werden.“ Das wären dann beispielsweise Blumentöpfe, Spielzeug, Aluschalen, Siebe, Besteck, Eimer oder auch DVDs. Diese werden nicht mehr mit dem Restmüll verbrannt, sondern wiederverwertet.

Hintergrund der Überlegungen ist die Neufassung des Verpackungsgesetzes zum 1. Januar 2019. Danach müssen sich Städte darum kümmern, dass stoffgleiche Nichtverpackungen, die nicht über den grünen Punkt abgedeckt sind, organisiert gesammelt und zur Wiederverwertung entsorgt werden.

Acht Euro pro Jahr

„Im Sinne einer wirtschaftlich sinnvollen Wertstoffsammlung streben wir eine interkommunale Zusammenarbeit an“, erklärt Christian Hovenjürgen. Das geht nicht ohne die Dualen Betreiber, die das für den Bürger kostenlose System Gelbe Säcke organisieren und finanzieren. Dieser Müll macht 80 Prozent der Gelben Wertstofftonne aus. Die Betreiber haben laut Hovenjürgen grundsätzlich ihr Interesse erklärt.

Das einheitliche Sammelsystem hat für die Bürger Vorteile. Einerseits sind sie die dünnen, leicht reißenden Plastiksäcke los, andererseits entstehen ihnen außer für die Sammlung von Wertstoffen keine Kosten. „Nach derzeitigen Kalkulationen würde die gesetzlich vorgeschriebene Wertstoffsammlung eine Mehrbelastung von etwa acht Euro pro Jahr für den durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt bedeuten“, rechnet Beate Schittek vor. Der Ausschuss Bauen und Verkehr befasst sich Dienstag (5. Juni) mit der Thematik.

Transponder für 17.000 Tonnen

Zudem sollen Restmüll- und Grüne Tonnen mit elektronischen Chips ausgerüstet werden. Gerade geleerte Tonnen noch einmal schnell befüllen und dem Müllwagen an der anderen Straßenseite oder in der Nachbarschaft ein weiteres Mal schnell „unterschieben“ – das geht dann nicht mehr. Denn der elektronische Chip zählt die Leerung von Restmüllgefäßen und Grünen Tonnen.  Ab dem 18. Juni rüstet dafür der von der Firma RE-Entsorgung Coesfeld beauftragte Dienstleister c-trace etwa 17.000 Tonnen in Haltern mit Transpondern auf. Das sind Kunststoffpucks so groß wie eine Zwei-Euro-Münze, die unter der vorderen Griffleiste des Behälters angebracht werden. Außerdem bekommt jede Tonne ein Etikett.

Jede Tonne kann einem Grundstück zugeordnet werden

Dieses sogenannte „Behälter-Ident-System“ erleichtert die logistischen Abläufe: Jede Tonne hat eine Nummer, kann einem Grundstück eindeutig zugeordnet werden und wird bei jeder Leerung am Müllfahrzeug automatisch registriert. Die Abfallsammelfahrzeuge sind dafür mit einem speziellen Lesegerät ausgestattet.

Gerechte Gebühren

Beim Einhängen des Behälters in die Schüttvorrichtung werden die Identifikationsnummer automatisch ausgelesen und die Daten anschließend im Behälterverwaltungsprogramm gespeichert. Tonnen ohne Transponder bleiben am Straßenrand stehen. Missbrauch, wie die Nutzung unangemeldeter Tonnen, wird ebenso wie einer Mehrfachleerung an einem Tag damit ein Riegel vorgeschoben.

Keine höheren Kosten für die Müllabfuhr zu erwarten

Der Bürger bezahlt deshalb nicht mehr Geld für die Müllabfuhr. „Aber das Ident-System führt im Interesse aller Nutzer zu einer fairen Verteilung der Kosten und somit zu mehr Gebührengerechtigkeit“, erklärt die Presseabteilung der Stadt zu den Vorteilen. Und betont zugleich: „Ein Wiegen der Inhalte ist nicht geplant.“ Wichtig ist auch der Hinweis, dass auf dem Transponder keine persönlichen Daten gespeichert sind. Die Stadt verschickt in der kommenden Woche an alle Grundstücks- und Wohnungseigentümer Briefe mit Klebeetiketten und einer genauen Anleitung, was wann zu tun ist und wie die Montage vonstattengeht.