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Hamburg, meine Perle

Halterns erster Hamburger SV-Fanclub gegründet

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte müssen die Fußballer des Hamburger SV in der 2. Liga antreten. Einige Halterner stehen jetzt jedoch erst Recht zu ihrem Verein und gründen den ersten HSV-Fanclub der Stadt.

Haltern

, 05.06.2018
Hamburg, meine Perle

Patrick Trost und Sascha Wanner halten beim Kolpingtreff die Fahne für den Hamburger SV hoch. © Patrick Radtke

Rein sportlich gesehen haben Anhänger des Hamburger SV schon einmal bessere Zeiten erlebt. Denn am letzten Spieltag der zurückliegenden Saison war klar, was sich seit Jahren bereits angedeutet hatte und dennoch undenkbar schien: Der HSV stieg zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die 2. Bundesliga ab. Doch gerade jetzt, in der schwärzesten Stunde, hat sich mit den „Red Short’s 1887“ der erste Halterner Fanclub des Vereins aus der Hafenstadt gegründet.

„Die Idee kam mir im April nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg, das wir 3:1 gewonnen haben. Danach dachte ich mir: Jetzt machst du etwas“, sagt Initiator Patrick Trost. Dieses Etwas ist in dem Fanclub gemündet. Über verschiedene Facebook-Gruppen und Internet-Foren suchte Trost nach Mitstreitern und war erfolgreich: Acht Mitglieder haben die „Red Short‘s“ schon. Zum ersten Stammtisch am Samstag (9. Juni) um 18 Uhr im Kolpingtreff haben sich bereits zwölf Personen angemeldet. Künftig soll er monatlich stattfinden. Zudem soll es gemeinsame Spielfahrten geben und es sollen die Partien in dem noch gesuchten Klubraum geschaut werden. „Wir wollen es vernünftig aufziehen und haben viele Ideen. Es soll aber natürlich kein Zwang sein“, so Trost. Die Entscheidung für den Kolpingtreff war nicht schwer: Denn als Rolf Eltrop noch der Pächter des Lokals war, brachte er seine fußballerische Liebe durch eine große HSV-Fahne zum Ausdruck.

Mitglieder gesucht

Zunächst geht es für die „Red Short’s“ nun darum, mehr Mitglieder zu bekommen. „Wir sind jeden Tag dran, neu zu rekrutieren. HSV-Fans gibt es überall, ich bin selbst überrascht, wen man alles so trifft. Mitglied werden kann grundsätzlich jeder, der sich mit dem HSV verbunden fühlt“, sagt Trost. Einer seiner ersten Mitstreiter war Sascha Wanner. „Ich bin von klein auf HSV-Fan. Mein Stiefvater hat es mir in die Wiege gelegt“, berichtet er. Da lag die Mitgliedschaft im Fanclub nahe. Eine reine Männerveranstaltung soll dieser übrigens nicht werden. „Zwei Mädels aus Haltern haben auch schon Interesse bekundet“, so Wanner.

Doch warum wurde der Fanclub gerade jetzt ins Leben gerufen? Zum ersten Mal seit der Gründung der Bundesliga wird der HSV in der kommenden Saison nicht zu den besten 18 Mannschaften des Landes gehören. Die vergangenen fünf Jahre, in denen die Hamburger stets gegen den Abstieg kämpften, haben Spuren hinterlassen.

„Du musst als HSV-Fan eine dicke Haut haben. Da ist keiner dabei, der Erfolgsfan ist“, sagt Trost und Wanner pflichtet ihm bei: „Ich bin in den vergangenen Jahren um 20 Jahre gealtert. Der Abstieg ist der Misswirtschaft dieser fünf Jahre geschuldet. Wenn ich in Haltern mit dem HSV-Trikot rumlaufe, ernte ich mehr Mitleid als Häme“. Dennoch sei ein Aufbruch zu spüren, hat die Mannschaft doch in den letzten Saisonspielen, seit Christian Titz das Traineramt übernommen hat, einen Aufwärtstrend gezeigt. „Ein Umbruch steht an. Der kann reinigend sein“, hofft Wanner und Trost redet von einer „Trotzreaktion nach dem Motto: Jetzt erst recht“. Die Stimmung sei in den letzten Jahren noch nie so gut gewesen.

Dies drückt sich in den aktuellen Zahlen des Sportvereins aus. Insgesamt hat der HSV aktuell knapp 82.000 Mitglieder. Das ist nach dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach der sechsthöchste Wert bei den deutschen Fußballvereinen.

Seit dem Abstieg sind 4.000 Mitglieder neu hinzugekommen. 25.000 Menschen sind in 953 Fanclubs organisiert. Diese verteilen sich auf der ganzen Welt, reichen von Namibia über Sri Lanka bis Argentinien. Zehn Neugründungen gab es seit dem Abstieg – unter anderem einen in Haltern.

Bewusster Schreibfehler

Wer der englischen Sprache mächtig ist, wird bereits erkannt haben, dass der Name des Fanclubs einen Schreibfehler beinhaltet. Statt „Red Shorts“ (Deutsch: Rote Hosen, da ein Spitzname des Hamburger SV auch „Rothosen“ ist) heißt es „Red Short‘s“ (Deutsch: Rote Kurze). Doch das wurde bewusst gemacht. „Die erste Reaktion meiner Schwiegermutter war es, mich auf den Rechtschreibfehler aufmerksam zu machen“, sagt Trost lachend. „Natürlich soll es auf die Rothosen anspielen. Aber wir haben den Namen bewusst mit ‚s‘ gewählt, auch wenn es eigentlich ohne Apostroph geschrieben wird. Zum einen sieht es optisch einfach besser aus, zum anderen steht das ‚s‘ in Shorts für die Mehrzahl, also für das Miteinander und die Gruppe. Deshalb wollten wir es einfach hervorheben“, sagt Wanner.

Obwohl die Saison gerade erst vorbei ist und in der Transferphase auch ständig Spannung herrscht, wie denn der Kader in der neuen Spielzeit aussehen wird, ist die Enttäuschung über den Abstieg der Vorfreude auf die neue Saison gewichen. Denn dann steht unter anderem auch das Spiel gegen den FC. Sankt Pauli an, den Verein vom Hamburger Kiez. Das Stadtduell hat es seit dem Jahre 2011 nicht mehr gegeben. Damals gewann St. Pauli mit 3:1 und feierte den ersten Derbysieg seit 1977. Da hat der HSV also noch eine Rechnung offen. Und die „Red Short‘s 1887“ werden mit Eifer dabei sein.

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