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Zehn Jahre Halterner Suppenküche

Ehrenamt

HALTERN Acht Kilo Kartoffeln schälen? Für Andrea Neuhaus kein Problem. „Das mache ich doch gerne“, sagt die 46-Jährige lächelnd. Zwei Stunden später wird aus den Knollen eine Suppe. Nicht für ihre Familie etwa. Sondern für bedürftige Halterner.

von Von Inga Tawadrous

, 16.04.2010

Es ist viel los am Dienstagmittag in der Gaststätte „Flöz Q“. Zwei riesige Töpfe deftiger Kartoffelsuppe müssen aufgewärmt, der Kaffee gekocht und die Tische gedeckt werden. Doch das sechsköpfige Suppenküche-Team, das heute Dienst hat, ist die Ruhe selbst. Schließlich sind einige der 40 freiwilligen Helfer bereits seit mehreren Jahren dabei. Am Dienstag (13. 4.) feierte die Halterner Suppenküche ihr zehnjähriges Bestehen. „Die Seele ernährt sich von dem, an dem sie sich erfreut“, eine kleine Karte mit dieser Aufschrift legt Ilona Badberger auf einen Tisch. Die 63-Jährige habe die bunten Tischkarten selbst gebastelt. „Die Sprüche, die ich darauf schreibe, wähle ich sehr sorgfältig aus“, sagt Badberger. Schließlich brauche der Mensch nicht nur Nahrung, sondern auch „etwas für die Seele“.

Ihre Kolleginnen decken indes liebevoll die Tische. Heute für 25 Personen. „Mal kommen mehr Gäste, mal weniger“, erklärt Christel Greving (50). Die Vermutung, dass besonders am Monatsende mehr Halterner auf eine günstige Mahlzeit der Suppenküche angewiesen sind, habe sich nicht bestätigt. Es sei schon mal vorgekommen, dass Wohlhabende sich in der Suppenküche verirrt haben. „Weil das hier eine Gaststätte ist, kamen einst Angestellte rein, setzten sich und aßen mit“, erinnert sich Greving. Als sie dann erfuhren, dass es eigentlich eine Armen-Mahlzeit ist, hätten sie für das Essen mehr bezahlt als nur einen Euro.Das Team hat noch eine Viertelstunde Zeit, um alles vorzubereiten. Doch dann geht die Tür auf und eine 93-Jährige bricht in Tränen aus. Ob sie den Eintopf heute ausnahmsweise mitnehmen könne, will die Dame, die sich an ihrem Rollator fest hält, wissen: „In meinem Bad sind gerade Handwerker, ich möchte sie nicht alleine lassen.“

Wenige Minuten später ist die Suppe heiß genug. Und nahezu alle Plätze besetzt. Gertrud (82), Herbert (78) und Anneliese (71) sind Stammgäste. „Wir sitzen immer am Fenster“, sagt Herbert und legt einen Euro auf den Tisch. Sowohl der Herr als auch die Damen sind vornehm angezogen. „Man geht ja sonst nicht mehr aus“, seufzt Gertrud. Nicht allein wegen des leckeren Essen seien sie zur Suppenküche gekommen. „Wir alle sind alleinstehend, da tut einem die Gesellschaft gut“, ergänzt Herbert und greift nach dem Löffel. Satt und zufrieden verlassen die Gäste nach und nach das Lokal. Für die Helfer heißt es noch spülen und aufräumen. Doch sie tuen es stets bestens gelaunt: „Wir sind eben ein gut eingespieltes Team.“ Würden sich noch mehr freiwillige Helfer melden, so könnte man ein warmes Essen eventuell öfter anbieten als nur zwei Mal die Woche, überlegen sie sich.

  • Freiwillige, die mithelfen möchten, können sich melden bei Christel Greving unter Tel. 02364/16213.