Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Hardy Krüger liebt das Leben und ignoriert den Tod

Hamburg. Zumeist lebt er mit seiner Frau an der amerikanischen Westküste. Doch anlässlich seines neuen Buchs und seines runden Geburtstags ist Hardy Krüger nach Hamburg gekommen. Dort spricht er mit der Deutschen Presseagentur über sein an Abenteuern reiches Leben.

Hardy Krüger liebt das Leben und ignoriert den Tod

Ein Leben voller Abenteuer: Hardy Krüger wird 90. Foto: Axel Heimken

Er machte Karriere in Hollywood, besaß eine Farm in Afrika und begeisterte viele Fernsehzuschauer mit seiner Reportagenreihe „Weltenbummler“. Am Donnerstag (12. April) wird Hardy Krüger, der mit seiner Frau Anita in Kalifornien und Hamburg lebt, 90 Jahre alt.

Gerade hat der Schauspieler sein 18. Buch veröffentlicht. In sein Verlagshaus Hoffmann und Campe kommt der bescheiden auftretende Künstler mit den unverkennbar blauen Augen und dem nun ergrauten Strubbelhaar zu Fuß, um mit der Deutschen Presse-Agentur über sein Leben zu sprechen, das sich auch im neuen Band „Ein Buch von Tod und Leben“ spiegelt.

Frage: Herr Krüger, mit Ihren Kriegserinnerungen „Was das Leben sich erlaubt“ haben Sie Ende 2016 einen großen Erfolg errungen. Wie kam es zum neuen Werk mit dem Titel „Ein Buch von Tod und Liebe“?

Antwort: Auch dieses Buch spiegelt, obwohl es literarische Erzählungen sind, direkt mein Leben. Ich bin mit 16 Jahren an die Front gekommen und habe eine Frau kennengelernt, im Schwarzwald, die hatte das ungeheure Anliegen, mir zu sagen, du darfst dich im Krieg nicht zum Helden machen lassen. Diese Frau hat mir imponiert. Ihretwegen habe ich die erste Geschichte des Buchs schon ganz früh geschrieben. In der zweiten geht es um den Tod einer jungen Geliebten im Bombenhagel. In einer anderen beschreibe ich einen Flug zum Kilimandscharo. Alle Erzählungen waren bereits gedruckt worden. Ich habe sie neu ausgewählt, weil ich jüngeren Menschen zeigen möchte, dass das Leben eigentlich wunderschön ist - dass wir aber mit politischer Wachsamkeit dafür sorgen müssen, dass es das bleibt.

Frage: Apropos Frauen und Liebe. Im Buch von 2016 beschreiben Sie, wie Ihnen der Ufa-Star Hans Söhnker die Augen für die Nazi-Verbrechen öffnete. Zugleich habe er Ihnen aber auch eine richtige Haltung gegenüber Frauen beigebracht. Was haben Sie denn da gelernt?

Antwort: Söhnker hat mir vieles vorgelebt - eigentlich eine Art Vaterstelle eingenommen. Er hat mich auch mit Mädchen zusammengebracht. Ich war ganz schüchtern, aber das hat er mir abgewöhnt. Wir beide sind mit sechs, sieben Mädchen ins Kino gegangen, und ich habe dabei gelernt, dass sie oft liebenswert sind. Dass man sich ihnen gegenüber aber auch respektvoll verhalten muss. Söhnker hat mir vor allem gesagt, dass ich darauf achten soll, dass die Mädchen, mit denen ich in Zukunft zusammen sein würde, es auch wert seien. Ich habe dann sicher meine Fehler gemacht. Habe daraus aber so viel gelernt, dass ich jetzt mit der selben Frau 42 Jahre lang zusammen bin.

Frage: Zweites Titelthema ist der Tod. Wie denken Sie über ihn?

Antwort: Ich bin mit dem Tod aufgewachsen. Heute denke ich über den Tod erst gar nicht nach. Der kommt irgendwann. Ich habe keine Angst, will aber auch nicht darüber reden.

Frage: Ihre Lebensträume waren einmal das Schreiben und die Fliegerei. In die Schauspielerei sind Sie dann durch den Ufa-Kriegsfilm „Junge Adler“ zufällig gekommen. War es also eher ein Brotberuf für Sie?

Antwort: Tatsächlich wollte mich erst keiner drucken - und von irgendetwas musste ich ja meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich habe die Schauspielerei dann von der Pike auf am Theater in Hamburg und Hannover gelernt. Für eine Schule hatte ich kein Geld. Einen Vertrag als Ungelernter bekam ich als „Jugendlicher Komiker und Naturbursche“. Von hervorragenden Regisseuren wie Helmut Käutner habe ich mein Handwerk gelernt, denen bin ich ewig dankbar. So bin ich wirklich gerne Schauspieler mit Leib und Seele geworden.

Frage: Was tun Sie heute, um Ihre bemerkenswerte Fitness und Schaffenskraft zu erhalten?

Antwort: Ich treibe jeden Morgen Sport. Wenn ich meine Bücher in Kalifornien schreibe, gehe ich früh ins Bett und stehe früh gegen sechs Uhr auf. Wir schwimmen dann viel und ich mache lange Spaziergänge mit Tempo. Und ich boxe, wenn auch nicht mehr so schnell wie früher. Das ist das einzige, was ich - neben der Leidenschaft für die Fliegerei - aus meiner Zeit als Adolf-Hitler-Schüler für mein Leben mitgenommen habe. Außerdem habe ich eine Frau, die sehr gut kocht und sehr sorgfältig unsere Lebensmittel aussucht.

Frage: Planen Sie bereits ein weiteres Buch?

Antwort: Ich stecke voller Geschichten. Aber ich muss immer erst einmal überlegen, welche davon eigentlich erzählenswert ist.

ZUR PERSON: Hardy Krüger wurde am 12. April 1928 als Sohn eines Ingenieurs in Berlin geboren. Seine erste Rolle spielte der damals auf der NS-Ordensburg Sonthofen erzogene Adolf-Hitler-Schüler 1943 im Ufa-Propagandafilm „Junge Adler“. Nach dem Krieg machte Krüger als einer von ganz wenigen Deutschen eine internationale Kinokarriere („Hatari!“ mit John Wayne, 1962). Politisch engagiert seit Ende der 50er Jahre, gründete er etwa 2013 mit der Initiative „Exit Deutschland“ und anderen Prominenten das Projekt „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“. Krüger ist Ritter der französischen Ehrenlegion und erhielt 2009 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Anzeige
Anzeige