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Erinnerung fließt in Strömen

Heek "Der schönste Platz ist immer an der Theke", hallt es mehrstimmig - zumeist im Sopran. An der Theke sitzt allerdings niemand von den Sängerinnen und Sängern, sondern an gedeckten Tischen - nicht etwa mit Bier und Wein, sondern mit Kaffee und Kuchen.

11.10.2007

Trotzdem floss am Mittwochnachmittag in der Seniorenbegegnungsstätte an der Kirche das Hochprozentige in Strömen - thematisch zumindest. "Alte Heeker Gaststätten erzählen" lautete schließlich das Thema des Seniorennachmittags, der seinen Anfang nahm mit der Feier einer Messe.

Kirch- und Kneipengang

Kirchgang und Kneipenbesuch - dass das durchaus zusammen gehört, zeigten die zahlreichen Anekdoten, die die Senioren in der gemütlichen Runde zum Besten gaben. Zum Beispiel bei Thüner-Dirks, eine der zwölf Kneipen, die einst allein in Ortsteil Heek zu finden waren: Früher habe es manche Männer schon vor Beginn des Sonntagsgottesdienstes an den Tresen gezogen, wusste Elisabeth Böckers launig zu berichten: "Damals waren die Schnapsgläser größer als heute. Man trank es halb aus und rauchte eine Zigarre halb auf. Beides wurde auf den Boosen gelegt bis nach der Messe - dann ging es weiter".

Dass die Senioren mehr über die Trinkgewohnheiten der Männer (Bier und Schnaps) als über die der Frauen (nie Bier, manchmal ein Aufgesetzter) sprachen, hing nicht nur damit zusammen, dass nur wenige Männer in der Runde waren (darunter der ehemalige Nienborger Wirt Hermann Hoffkamp), sondern auch an den 50er Jahren, die den meisten vor Augen standen: "Viele Männer gingen abends gerne in die Kneipe", stellte Elisabeth Böckers augenzwinkernd fest, "die Frauen mussten immer arbeiten - nähen, stopfen und so weiter".

Gern erinnerten sich die Besucher des Seniorennachmittags auch an das erste Winzer-Fest, das die Heeker feierten - im Alten Kaiser (van Wüllen). Das sei zwar sehr fröhlich gewesen, aber eben auch sehr ungewohnt: "Die Leute tranken den Wein wie Bier, und noch nie blieben so viele Mäntel, Hüte und Regenschirme hängen wie an diesem Abend", wussten noch viele. Nur gut, dass die Erinnerung an die Kopfschmerzen des nächsten Morgens mit den Jahrzehnten verblichen ist.

Die mag auch der Wirt von Leup-Deitmers gehabt haben, an den sich Elisabeth Böckers noch gut erinnern konnte: "Wir hatten Besuch und ich musste zwei Flaschen Bier holen", berichtete sie von einer Begebenheit aus ihrer Kindheit. Der Wirt habe auf einer Couch gelegen und sich nicht gerührt, "obwohl ich schon öfter ,Dag' gerufen habe". Erst als ein weiterer Gast, ein erwachsener Mann, kam und fragte "kommt hier denn keiner", sei der Wirt aufgestanden und habe gemurmelt: "Dat wet ik ok nich, wat dat hier fünne komische Wirtschaft is, ik sin hier ok al ne hele Tied, ober et kümp kinnen".

Singen auf Platt

Auf Platt ließ sich nicht zu fast jeder alten Gaststätte ein Döhneken erzählen, sondern auch singen: Pfarrer Josef Leyer, der den Nachmittag vorbereitet hatte und begleitete, stimmte an: "Wie sit`t hier al sao schön beneen, un well nu heff noch kaole Been." Und beim Refrain "JJa, wiie drinkt us een", fielen alle gerne mit ein - auch wenn vor ihnen nur Kaffeetassen standen. sy-

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