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Vorbestrafter Sexualtäter klagt gegen die Behörden

HERBERN Es war ein ungewöhnlicher Schritt: Vor zweieinhalb Jahren haben die Behörden im Raum Ascheberg und Werne Briefe an Eltern verschickt, in dem sie vor einem Nachhilfelehrer warnte, der 1994 wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden war. Nun verklagt er den Landrat des Kreises Coesfeld.

von Von Jörn Hartwich

, 27.08.2007

Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Der Brief verbreitete sich damals in Windeseile. Der Betroffene, ein heute 66-jähriger Sozialarbeiter, war geschockt. "Das war eine absolute Überreaktion der Verwaltung", empörte er sich gestern vor dem Verwaltungsgericht in Münster. Per Klage will er der Behörde nun verbieten lassen, seine Vergangenheit weiterhin publik zu machen.

Fünfjähriges Berufsverbot

Denn der Mann fühlt sich nach wie vor unschuldig. Das Urteil sei falsch, erklärte er vor der 9. Kammer. Deshalb wolle er auch unbedingt ein Wiederaufnahmeverfahren erreichen. "Ich soll seit 1990 sechs bis acht Mal einen Teenager unsittlich berührt haben", erklärte er im Prozess. Dafür hatte man ihn seinerzeit zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt und außerdem eine Art fünfjähriges Berufsverbot verhängt. Von dem Zusatz will der 66-jährige Herberner jedoch nichts wissen.

Fakt ist auf jeden Fall, dass er sich schon seit Jahren um die Kinder von Ausländer- und Aussiedlerfamilien kümmert. Auch heute noch. Vor allem hilft er bei den Hausaufgaben. "Aber nie allein", wie er im Prozess betonte. Außerdem seien die Eltern, die wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse überfordert gewesen seien, immer einverstanden gewesen. Die Kinder, die er nun nicht mehr betreuen dürfe, seien in ihren Leistungen bereits dramatisch abgefallen.

Lehrerin wurde misstrauisch

Eine Lehrerin der Werner Barbara-Schule hatte das Jugendamt auf den 66-Jährigen aufmerksam gemacht. Laut Aktenlage war es ihr seltsam vorgekommen, dass der Mann Schüler abholen wollte und sich dabei als ehrenamtlicher Betreuer ausgegeben hat.

Das Gericht hat bereits signalisiert, dass die Klage des Herberners wohl kaum Aussicht auf Erfolg haben wird. Das hieße: Der Warnbrief an die Eltern sei zu Recht verschickt worden. Eine endgültige Entscheidung ergeht aber erst in einigen Wochen.

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