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Peter Kraus will die Schmerzen hinter sich lassen

„Ich hatte mich schon fast unsterblich gefühlt“

DORTMUND Peter Kraus gehört zu den großen Idolen der 50er- und 60er-Jahre. Seine neue CD und seine anstehende Tour beweisen, dass er nach wie vor voller Energie steckt – trotz seiner schweren Schulterverletzung. Am 25. März kommt der Sänger ins Konzerthaus nach Dortmund.

„Ich hatte mich schon fast unsterblich gefühlt“

Für seine neue CD hat Peter Kraus um die 20 Songs ausgesucht, die ihn ein Leben lang begleitet haben. Foto: picture alliance / dpa

Herr Kraus, wir hatten vor längerer Zeit mal ein Gespräch, in dem Sie mir sagten, dass Sie nie im Leben ernsthaft krank waren. Das hat sich im vergangenen Jahr mit Ihrem Schulterbruch während einer ZDF-Show dramatisch geändert.

Das war das Übel an der ganzen Geschichte. Dass ich diese Erfahrung jetzt noch machen musste, hat bei mir zu einem regelrechten Trauma geführt. Momentan geht es, das Schlimmste ist überstanden und die körperliche Genesung schreitet voran. Aber bis der Arm wieder wird, wie er war – wenn das überhaupt möglich ist – dauert es bestimmt ein Jahr, sagen die Ärzte.

Die Tournee ist also keinesfalls gefährdet?

Absolut nicht. Ich springe fast schon wieder rum wie früher.

Und haben sogar trotz der Schmerzen noch eine CD aufgenommen.

Ja, unmittelbar nach dem Unfall, das war nicht mehr zu ändern. Ich glaube fast, das ist in Sachen Gesang die gelungenste Produktion von mir, weil sie so gefühlvoll ist wie kaum eine andere. Das liegt daran, dass ich durch den Unfall, die Schmerzen und die Medikamente kaum Zeit hatte, tiefer über die Dinge nachzudenken, über Phrasierungen, Stimmlagen und so weiter. Ich habe einfach drauflos gesungen und versucht rüberzubringen, was ich gerade fühle.

Ganz nach Bauchgefühl also.

So kann man das sagen. Eine Rolle hat sicher auch gespielt, dass es alles Lieder sind, die ich aus der Jugendzeit kenne, aus den 50er- und 60er Jahren.

Nach welchen Kriterien haben Sie die ausgesucht?

Ich habe einfach zusammengestellt, was mir wichtig war. Sowohl die Titel als auch die Kollegen. Bill Ramsey musste dabeisein und auf jeden Fall auch Vico Torriani. Von mir selbst ist der ein oder andere Hit aus ganz frühen Jahren darunter, den ich danach nie wieder aufgenommen habe. So wie die erste Produktion meines Lebens, „Straße der Vergessenen“ und auch „Blue Melody“. Außerdem habe ich Lieder gewählt, die mich damals besonders berührt haben und es immer noch tun, wie „Sag mir, wo die Blumen sind“.

Sie kommen mit der Show ins Ruhrgebiet, wo der Rock´n´Roll eine wichtige Rolle in der Jugendrebellion gespielt hat. Können Sie sich an Konzerte aus der damaligen Zeit hier erinnern?

Nein, eigentlich nicht. Das liegt aber daran, dass wir in dieser Hochzeit der Rebellion hauptsächlich im Süden aufgetreten sind. Ich war ja mit Max Greger unterwegs, was schlicht daran lag, dass es damals in Deutschland keine wirklich jungen Leute gab, die diese Musik spielen konnten. Auch Max Greger war damals noch nicht so bekannt, dass man deutschlandweit mit ihm werben konnte. Also sind wir in der Heimat rund um München getingelt.

Haben Sie sich damals als Revoluzzer gesehen?

Oh, ich wäre damals gern ein richtiger Rebell gewesen. Das Problem war nur, dass ich als solcher keine Platten verkauft hätte. Ich musste einen regelrechten Seiltanz hinlegen, um die Jugend zu begeistern und die Eltern nicht total zu verprellen. Denn die haben ihren Kindern ja die Platten gekauft. Rebell für die Jüngeren, der Traum von einem Schwiegersohn für die Älteren – das war der Spagat, den ich hinkriegen musste. Jugendliche hatten schlicht keine Möglichkeit, mal eben eine Single zu kaufen, wenn die Eltern nicht das Geld und die Erlaubnis gegeben haben. Ich war also im Grunde ein gepflegter Rebell im Anzug. Im Konzert, Sie werden sehen, spiele ich ein bisschen mit dem Image und nehme mich selbst aufs Korn.

Aber den Rock´n´Roll haben Sie schon auch selbst geliebt…

„Ich hatte mich schon fast unsterblich gefühlt“

Peter Kraus im Jahr 1956 in München. dpa Foto: picture alliance / dpa

Natürlich, aber es verklärt sich auch manches. Schauen Sie, mein Liebling Chuck Berry, den viele Menschen ja in meine Auftritte in den 50ern verorten, war damals hierzulande völlig unbekannt. Das war doch viel zu wild, genau wie Little Richard. Das alles habe ich erst viel später gesungen. In den Anfängen waren es Slow-Nummern wie „Wenn Teenager träumen“, die den Erfolg brachten. Damit haben wir ein eigenes Genre geschaffen, aber mit Revolution hatte das nicht so viel zu tun.

Selbst Elvis war ja zu Beginn kein echter Rock´n´Roller…

Der hat doch im Grunde zu der Zeit das Gleiche gemacht, wie ich. In Deutschland kannte man ihn doch am Anfang nur wegen des Volksliedes „Muss i denn“. Das war einfach in der Zeit so.

Vielleicht wird mancher Ihre Konzerte besuchen, für den so etwas die große Ausnahme ist, weil er gesundheitlich angeschlagen ist. Und der gerne wissen würde, warum sie noch so fit sind.

Es hat tatsächlich schon mal Reaktionen von Männern gegeben, die ihre Frau ins Konzert begleitet haben und anschließend gefragt wurden, warum sie selbst nicht mehr so drauf sind wie ich. Die haben mir das dann geschrieben. Ich kann nur sagen, dass ich selbst nur wenig dafür kann. Allerdings habe ich immer viel Spaß an der Bewegung gehabt und bin immer ein unruhiger Geist gewesen. Das hilft dann schon im Alter. Meine Jugend war allerdings nicht ohne. Mit 16 ging es da in jeder Beziehung heftig rund. Da war es gut, dass ich frühzeitig meine Frau kennengelernt und vernünftig gelebt habe. Ziemlich zumindest.

Aber so ganz ohne Laster geht es vermutlich auch nicht.

Ich bin leidenschaftlicher Weintrinker, aber in Maßen. Meine Ärzte waren immer sehr zufrieden mit mir. Das ist ja auch der Grund, warum mich der Unfall so mitgenommen hat und ich in der Sendung noch anderthalb Stunden mit gebrochener Schulter sitzengeblieben bin. Ich konnte mir doch gar nicht vorstellen, dass ich mir mal was brechen würde. Ich hab mir schon öfter wehgetan, beim Ski- oder Wasserskifahren. Aber gebrochen war nie was. Als man mich dann um 3 Uhr morgens davon informiert hat, war ich regelrecht traumatisiert. Ich hatte mich ja fast schon für unsterblich gehalten.

Davor Sie Ihre Frau kennengelernt hatten, hatten Sie aber einmal richtig Liebeskummer, als eine Sängerin, die Sie sehr verehrt haben, nichts von einer festen Bindung wissen wollte.

Ich sagte ja, es waren wilde Zeiten. In jeder Beziehung. Und Liebeskummer habe ich nicht nur einmal gehabt, um Gottes Willen. Das wäre doch kein Leben.

Und Sie selbst haben ja auch das ein oder andere Herz gebrochen.

Aber sicher. Auch das gehört zum Leben.

An welche Zeit im Leben denken Sie am Liebsten zurück? Die 50er und 60er?

Nein. Damit habe ich zwar mein Leben lang zu tun, und die Fragen beziehen sich meist darauf, aber die schönste Zeit war es nicht. Die Aufregendste war es vielleicht. Ich lebe aber sehr gern auch im Hier und Jetzt. Mir geht es gut, ich habe mir ein schönes Leben aufgebaut. Meine Generation hatte noch die Möglichkeit gehabt und hat sie immer noch, sich ein eigenes Leben zu schaffen. Es ist nicht soviel fremdbestimmt wie bei den Jüngeren. Das ist deren größtes Problem, dass die heutige junge Generation ein Leben lebt, das ihr oft von außen aufgezwungen wird. Das fängt bei den immer selben Frisuren an, diese an beiden Seiten abrasierten Haare. Sowas nervt mich wirklich, weil es zeigt, dass Menschen offenbar gern ein Leben führen, das man ihnen vorschreibt. Ich habe mir immer selbst ein Leben vorgestellt und das dann durchgezogen. Gemeinsam mit meiner Frau und meinem Sohn, die ähnlich denken. Was in und out ist, interessiert mich einen feuchten Keks.

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