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Im Paradies durch die Hölle

Stadtlohn Uwe Kappelhoff ist zum zweiten Mal in seinem Leben im "Paradies Hawaii" durch die "Hölle Ironman" gegangen. Der 31-jährige Triathlet des SuS Stadtlohn beschreibt jetzt seine Eindrücke von dem legendären Wettkampf am vergangenen Samstag.

"Der Tag eines Triathleten beginnt immer recht früh, besonders am Raceday. So klingeln dann um 4.15 Uhr gleich drei Wecker. Ich habe sehr gut geschlafen und von Nervosität ist noch nichts zu spüren. Das kommt spätestens, wenn wir später Richtung Pier fahren. Zum Frühstück gibt es Kaffee, Saft, Vitamin-Präparate und so viel Weißbrot mit Marmelade, wie ich essen kann. Denn in den nächsten elf Stunden gibt es nur noch Energieriegel und Gels für mich.

Die Fahrt zur Wechselzone stellt sich als Geduldsprobe heraus, denn 1700 Athleten und die mitgereisten Begleitpersonen wollen alle zum Pier in Kona.

Nun beginnt das Einchecken und die Beschriftung der Oberarme. In der Wechselzone noch das Rad vorbereiten und den Reifendruck kontrollieren. Dann mache mich für den Schwimmstart fertig. Die Profis haben sich an der Startlinie versammelt, bis mit einem Kanonenschuss um 6.45 Uhr ihr Rennen gestartet wird.

Um einen guten Startplatz in der ersten Reihe zu haben, schwimme ich recht früh zur Startlinie. Noch zehn Minuten bis zum Start. Was für ein Gedränge um die besten Plätze. Mit einem erneuten Kanonenschuss wird dann auch unser Rennen um 7 Uhr gestartet.

Ich versuche vergeblich, mich frei zu schwimmen und bis zur Wendeboje folgt nur noch ein einziges ,Gehaue', wie zu besten Bundesliga-Zeiten. Nach der Wende und in Sichtweite des Piers schaue ich auf meine Uhr und muss feststellen, dass ich heute keine gute Schwimmzeit erreichen werde. Aber was sind schon fünf Minuten bei einem Neun-Stunden-Wettkampf ?

Schnell aus dem Wasser raus, das brennende Salzwasser abspülen und meinen Wechselbeutel entgegennehmen. In der Radwechselzone, wo zusammengerechnet rund acht Millionen Euro an Fahrrädern stehen, finde ich auf Anhieb mein Rad und renne Richtung Radaufstieg.

Die ersten Kilometer laufen ganz ordentlich, dennoch muss ich mich zurückhalten, um nicht mit den vorbeistürmenden Athleten das Rennen über meine Vorgaben zu beginnen. Nach gut 50 Meilen kommt der lang gezogene Anstieg zum Wendepunkt in Hilo; zusätzlich erschwert der gefürchtet Mumuku-Wind das Rennen.

Nach dem Wendepunkt geht es mit Rückenwind und Tempo 70 zurück nach Kona. Da ich mich die erste Hälfte des Radfahrens zurück gehalten habe, kann ich nun einige Athleten überholen. Mit einer Radzeit von fünf Stunden erreiche ich die zweite Wechselzone.

Die ersten Kilometer beim Marathon kann ich nur langsam angehen, da sich meine Beine ziemlich verkrampft anfühlen. Nach Kilometer acht finde ich zu meinem Rhythmus und überhole sogar einige Profiathleten, die ja einen Startvorsprung von 15 Minuten hatten.

Die Hitze macht mir schwer zu schaffen, irgendwie gibt es kaum genug Eiswasser, um die Körpertemperatur zu senken. Die ganze Woche lag ab dem Nachmittag eine dichte Wolkendecke über Kona - nur heute nicht. So werden die letzten zehn Kilometer zur Qual. Die Zuschauer am Straßenrand feuern mich frenetisch auf den letzten Kilometern an: Gänsehaut und Glücksgefühle begleiten mich ins Ziel - nach 9:22:25 Stunden als Gesamt -84. und Neunter der Altersklasse M 30 bei der Weltmeisterschaft, dem Ironman auf Hawaii 2007.

Nach all dem Stress der vergangenen Wochen freue ich mich jetzt auf ein paar ruhige Tage hier auf der Insel, bevor am Mittwoch der lange Rückflug ansteht. Am Freitagmittag werden wir ins kalte Stadtlohn und Südlohn reisen.

Grüße aus Hawaii - Aloha

Uwe Kappelhoff

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