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Immer nah am Menschen

NORDKIRCHEN Geschirrklappern dringt aus dem Speisesaal. Die wenigen Minuten bis zum Essen nutzen Martha Mainke und Lina Erichsen für einen kleinen Plausch in der Sitzecke. Die Bewohnerinnen beobachten die vielen Menschen auf den Fluren. Zur Mittagszeit herrscht Hochbetrieb im Nordkirchener Altenhilfezentrum.

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Altenpflegerin Irina Wielischanski (Mitte) liebt an ihrer Arbeit den Kontakt zu Menschen. Bewohnerinnen Martha Mainke (l.) und Lina Erichsen wissen diese Nähe zu schätzen.

"Küchenfee" Gerda Kiene schwingt nicht nur die Teller. Sie hilft den Bewohnern auch beim Essen und ist immer für einen Plausch zu haben.

Altenpflegerin Irina Wielischanski ist gerade mit ihrer Runde fertig, hat den Bewohnern wichtige Medikamente gebracht und Insulin gespritzt. "Es ist kurz vor halb zwölf. Jetzt wird es Zeit zum Mittagessen", meint die 35-Jährige. Insgesamt 44 Menschen leben im Altenhilfezentrum St. Mauritius.

Die Pflegerin macht sich auf den Weg zu den beiden älteren Damen in der Sitzecke. Behutsam legt sie den Arm um Lina Erichsen und hilft ihr beim Aufstehen. Gemeinsam gehen sie die wenigen Meter zum Speisesaal.

Eine gute Gmeinschaft

Vor den beiden Türen reihen sich die Rollatoren aneinander. "Küchenfee" Gerda Kiene fährt den Essenswagen vor. Martha Mainke nimmt neben Lina Erichsen Platz. "Wir sitzen immer zusammen", erklärt Mainke und lächelt. Wohl fühlen sich beide im Altenhilfezentrum. "Das gefällt mir hier schon sehr gut", sagt Erichsen. "Und wir haben eine gute Gemeinschaft", ergänzt Mainke.

Pflegerin Irina Wielischanski reicht einer älteren Dame das Essen. Zwischendurch blickt sie sich um, schaut, ob alle zurecht kommen.

Keine Berührungsängste

Doch Hauswirtschafterin Gerda hat alles im Griff. Sie wirbelt umher, sammelt die Teller ein und hilft den Bewohnern beim Essen. Berührungsängste hat sie keine. Im Gegenteil: Sie schätzt den engen Kontakt zu den Bewohnern. "Die erzählen mir ihre Problemchen. Manchmal bin ich wie ihre Tochter", erzählt die "Küchenfee".

Nach einer halben Stunde leert sich langsam der Speisesaal. Gerda Kiene blickt auf die Uhr. "Jetzt ist die Zeit, die ist ein bisschen kribbelig." Denn die Pflegekräfte bringen die Bewohner in ihre Zimmer, helfen ihnen beim Toilettengang und bringen sie ins Bett.

Doch darauf haben Liselotte Niemeyer und Elisabeth Meixner noch keine Lust. Sie haben sich ein gemütliches Plätzchen im Flur gesucht. "Wir sitzen im Schatten des Baumes", lacht Meixner und zeigt auf das Wandbild.

Singen, Rätseln oder Gymnastik

Normalerweise sitzen die beiden Frauen bei anderen Freizeitbeschäftigungen zusammen. Ob Rätseln, Singen oder Gymnastik, "wir sind überall dabei", versichert Meixner. Seit über einem Jahr wohnt sie im Altenhilfezentrum. "Hier habe ich gelernt zu essen", sagt die rüstige 90-Jährige. Wenn man immer allein ist, habe man keinen Appetit.

Das kann Liselotte Niemeyer gut verstehen, leicht sei ihr die Entscheidung trotzdem nicht gefallen, ins Altenheim zu gehen. "Das ist schon ein komisches Gefühl", erzählt die 75-Jährige. "Aber wir haben gesagt, wenn was ist, gehen wir auf jeden Fall zusammen." Mit "wir" meint sie sich und ihren Ehemann. Beide wohnen mittlerweile im Altenhilfezentrum. Und bereut haben sie ihre Entscheidung nicht. "Hier ist man gut aufgehoben. Und die Älteren werden doch schon mal geknuddelt", so Niemeyer.

"Man nimmt immer was mit nach Hause"

Irina Wielischanski flitzt an den Damen vorbei. Ihre Arbeit ist anstrengend, aber "es macht viel Spaß!" In einer Stunde ist sie mit ihrer Frühschicht fertig. Doch Feierabend heißt das für sie noch nicht. "Man nimmt immer was mit nach Hause", sagt die 35-Jährige. Gerda Kiene stimmt ihr zu. Gerade hat sie die letzt Teller abgetrocknet. Das Gedeck für Kaffee und Kuchen steht schon bereit. "Die erste Stunde denkt man immer noch darüber nach. Aber dann holt einen der Alltag wieder ein." Doch es gibt auch andere Tage: "Wenn Bewohner, gerade die, die einem nahe standen, sterben, dann leiden wir alle mit", weiß Kiene.

 

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Altenpflegerin Irina Wielischanski (Mitte) liebt an ihrer Arbeit den Kontakt zu Menschen. Bewohnerinnen Martha Mainke (l.) und Lina Erichsen wissen diese Nähe zu schätzen.

"Küchenfee" Gerda Kiene schwingt nicht nur die Teller. Sie hilft den Bewohnern auch beim Essen und ist immer für einen Plausch zu haben.

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