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In Brüssel wächst die Kritik am Biosprit

Brüssel (dpa) Beim Klimaschutz sieht sich die Europäische Union gern als Vorreiter. Doch wenn es um das wirtschaftliche Wachstum geht, hat der Ehrgeiz offensichtlich Grenzen. Nach Plänen der Kommission sollen die Autos in Europa künftig mit 10 Prozent Bio-Sprit fahren.

In Brüssel wächst die Kritik am Biosprit

Rapsblüte: Umweltschützer und Wissenschaftler kritisieren, dass Bio-Kraftstoff nicht so klimafreundlich ist wie angenommen.

Doch Umweltschützer und Wissenschaftler kritisieren, dass der grüne Kraftstoff nicht so klimafreundlich ist wie angenommen.

Die Kommission hat zwar festgelegt, dass der Pflanzensprit verglichen mit herkömmlichen Benzin mindestens 35 Prozent Kohlendioxid und anderer Gase einsparen muss, die für den gefährlichen Treibhauseffekt verantwortlich sind. Es ist aber kein Zufall, dass alle wichtigen in Europa produzierten Biokraftstoffe diese Quote schaffen.

In der EU wird Biosprit hauptsächlich aus Raps, Sonnenblumen und Zuckerrüben gewonnen. Verglichen mit fossilen Treibstoffen spart Ethanol aus Zuckerrüben mindestens 35 Prozent Kohlendioxid ein, Biodiesel aus Raps mindestens 36 Prozent. Dies geht aus einem Anhang zum Gesetzesvorschlag über den Ausbau erneuerbarer Energien vor, den die Kommission in der zurückliegenden Woche in Brüssel beschlossen hatte. Demnach sollen regenerative Quellen wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse bis 2020 ein Fünftel des Energieverbrauchs in der EU decken.

Dass die Quote bei Biosprit genau 35 Prozent betrage sei Absicht, bestätigt der Sprecher von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. «Die 35 Prozent tragen erheblich zum Klimaschutz bei und lassen außerdem Biokraftstoffe zu, die in der EU produziert wurden.» Davon würden alle profitieren: die Umwelt, die Treibstoff-Produzenten, die Autoindustrie und die Bauern.

Nach Meinung der Europäischen Föderation für Transport und Umwelt (T&E) beschönigt die Kommission jedoch die Zahlen. «Es wird nicht berücksichtigt, dass für den Anbau der Pflanzen zusätzliche Flächen benötigt werden», kritisiert Direktor Jos Dings. Die Brüsseler Nicht-Regierungsorganisation T&E setzt sich für umweltverträglichen und Ressourcen schonenden Verkehr ein.

Wie viele Umweltschützer und Wissenschaftler befürchtet Dings, dass Länder wie Indonesien, Brasilien und Kolumbien den Regenwald und andere Grasflächen roden, um Rohstoffe für Biosprit anzubauen. Vor allem der tropische Regenwald speichert in großen Mengen klimaschädliches Kohlendioxid. Die Kommission will daher Biokraftstoffe in der EU verbieten, die in Naturschutzgebieten, Mooren oder auf unberührten Waldflächen angebaut wurden.

Doch damit verschließe die Behörde nur die Augen vor dem Problem, erklärt Dings. Selbst wenn die Menschen den Regenwald nicht für den Anbau von Biokraftstoffen abholzten, dann für Nahrungsmittel, da diese von den bestehenden Anbauflächen verdrängt würden. Auch eine EU-eigene Forschungsgruppe äußert in einem internen Bericht Zweifel, ob der Pflanzensprit tatsächlich einen Nutzen für die Umwelt bringt. Das die Kommission trotzdem daran festhält, erklärt sich Dings so: «Es gibt bei Biokraftstoffen ein komplexes Netz von Interessen, die drängendste Kraft dahinter ist die Autoindustrie.»

Der Kommissions-Entwurf bedarf noch der Zustimmung vom Europa- Parlament und den EU-Mitgliedstaaten. Bei den Abgeordneten formiert sich aber zunehmend Widerstand. «Bei uns wächst die Skepsis, dass Biokraftstoffe tatsächlich zum Klimaschutz beitragen», sagt die Klimaexpertin der Grünen, Rebecca Harms. «Die Regierungen sollte lieber dafür sorgen, dass die Autos sparsamer und effektiver werden.»

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