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Erblindung kann verschiedene Ursachen haben

Interview mit Augenarzt Peter Hoffmann

Castrop Etwa 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen leben in Deutschland. Laut Landesstatistik ist jeder Dritte über 60 Jahre alt. Augenarzt Dr. Peter Hoffmann spricht im Interview über die Ursachen für Erblindung und wie häufig junge Menschen davon betroffen sind.

Interview mit Augenarzt Peter Hoffmann

Dr. Peter Hoffmann hat seine erste Augenarztpraxis vor 20 Jahren eröffnet. Foto: Praxis Dr. Hoffmann

Was heißt Blindheit?

Man muss zunächst unterscheiden, ob es sich um eine komplette Erblindung handelt, oder um die gesetzliche Blindheit. Nach dem Gesetz gilt, als "sehbehindert", wer weniger als 30 Prozent, "wesentlich sehbehindert", wer weniger als 10 Prozent, "hochgradig sehbehindert", wer weniger als 5 Prozent und

"Blind", wer weniger als 2 Prozent sieht.

Welche Krankheiten gibt es, die zur Erblindung führen?
Grundsätzlich gibt es sehr viele. Das sind die häufigsten drei in Deutschland:

- Mit weitem Abstand vorne liegt die altersbezogene Makuladegeneration. Die tritt, wie es der Name schon sagt, vor allem bei alten Menschen auf. Dabei stirbt die Netzhaut ab. Das kann verschiedene Gründe haben.

- Der zweithäufigste Grund ist Diabetes. Dabei handelt es sich um Folgekomplikationen, wenn Diabetes nicht richtig eingestellt ist oder gar nicht behandelt wird.

- An dritter Stelle steht der Grüne Star. Das ist zwar nicht heilbar, aber man kann ihn in den meisten Fällen mittlerweile aufhalten. Es gibt zahlreiche operative Techniken und Medikamente.

Trotzdem erblinden Menschen aber noch wegen des Grünen Stars?

Ja, dass es so viele OP-Techniken gibt zeigt, dass sich noch keine durchgesetzt hat und es nicht die eine ultimative Methode gibt.

Wer ist meist von diesen Krankheiten betroffen?

Bei der altersbezogenenen Makuladegeneration sind 99 Prozent der Patienten über 65 Jahre alt. Auch beim Glaukom, also beim Grünen Star sind es überwiegend Ältere. Erblindung als Folge von Diabtes tritt nur bei Diabtes Typ I auf, also nicht bei Diabtes Typ II, der sogenannten Wohlstandsdiabetes. Bis jemand wegen einer Diabetes-Erkrankung erblindet, dauert es aber mindestens zehn Jahre.

Haben diese Augenerkrankungen in jüngster Vergangenheit zugenommen?

Die altersbezogene Makuladegeneration auf jeden Fall. Es wird gerade nach den Ursachen dafür geforscht. Die Menschen werden immer älter und bestimmte Umwelteinflüsse spielen da auch eine Rolle. 

Sind es weltweit die gleichen Krankheiten, die zur Erblindung führen?

Nein. Weltweit liegt der Graue Star vorne. Mit 70 Prozent ist er die häufigste Ursache für Erblindung. Der Grau Star ist aber vollständig heilbar und in Deutschland kein Grund für eine Erblindung. Die OP dauert nur etwa zehn Minuten. Aber in Ländern wie Afrika und Indien fehlt es an Geld und Personal, um diese OPs durchführen zu können. Dort sind mehr Menschen durch den Grauen Star erblindet, als es Einwohner in Deutschland gibt.

Gibt es dort denn Fortschritte?

Ja. Die Christoffel-Blindenmission ist dort sehr aktiv. Die Mitarbeiter kommen nicht nur mit mobilen OPs und führen die Operationen durch, sie wollen langfristig dort etwas erreichen. Sie bilden die Ärzte vor Ort aus und zeigen ihnen, wie man die OP auch mit einfachen Mitteln durchführen kann.

Und das funktioniert?

Ja. In Deutschland machen wir die OP auf Spitzenniveau. Das ist dort zwar nicht machbar, aber immerhin noch ein akzeptables Niveau, auf dem die Krankheit geheilt wird. In Deutschland kostet so eine OP etwa 650 Euro, in Entwicklungsländern geht das schon für 30 Euro.

Was können noch Gründe für eine Erblindung sein?

Unfälle sind häufig auch der Grund. Das kommt gar nicht so selten vor. Das können beispielsweise Verätzungen sein. Die kommen häufig in der Landwirtschaft vor, etwa durch Kalk. Dann gibt es noch die klassischen Silvesterverletzungen durch Feuerwerkskörper. Früher gab es auch nach Autounfällen Fälle von Erblindung. Da ist aber lange her. Seit es die Gurtpflicht gibt und die Windschutzscheiben aus Verbundglas sind, kommt das kaum noch vor.

Wenn junge Menschen erblindet sind, woran liegt das dann? Die Krankheiten scheiden ja meist aus.

Wenn sie nicht von Geburt an blind sind, handelt es sich meist um Erbkrankheiten. Ich behandle eine Familie, in der der Vater und die beiden Kinder schwer sehbehindert sind. Sie leiden an Zapfendystrophie. Dabei stirbt der Zapfen in der Netzhautmitte, also am zentralen Sehnerv, ab. Sie tritt am häufigsten bis zum 20. Lebensjahr auf, manchmal aber auch erst später. Die betroffene Familie kann nur mit hohem technischen Aufwand am normalen Leben teilnehmen. Wenn ein Elternteil betroffen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder erkrankt sind, bei 50 Prozent. 

Und was kann man da machen?

Bei Erkrankheiten momentan meistens nichts. Es kann sein, dass solche Erbkrankheiten in absehbarer Zeit heilbar sind. Forschern ist es schon gelungen, einzelne kranke Gene durch eine gesunde Kopie zu ersetzen. Das hat natürlich aber auch ein hohes Missbrauchspotenzial. Denn alles was technisch machbar ist, wird auch gemacht. 

In der Augen- und Laserklink gibt es eine spezielle Sprechstunde für Blinde und Sehbehinderte. Sie nennt sich "Low Vision"-Sprechstunde. Kontakt zur Augen- und Laserklinik Castrop-Rauxel: Haus am Münsterplatz, Münsterplatz 7, Tel. (02305) 921200, E-Mail: info@augenklinik-castrop-rauxel.de

Die bieten auch viele weitere Augenärzte und Optiker an.

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