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Jahrestagung: Museen vor neuen Herausforderungen

Bremen. Gemälde mit nackten Kindern oder Südseeschönheiten hängen ganz selbstverständlich in Museen. Doch es gibt Menschen, die sich an solch einem Anblick stören. Wie sollten die Museen damit umgehen?

Jahrestagung: Museen vor neuen Herausforderungen

Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums Bremen und Vizepräsidentin des Deutschen Museumsbunds: „Unsere Gesellschaft ist vielfältiger geworden.“ Foto: Markus Scholz

Die Direktorin eines ethnologischen Museums möchte Aborigines ihre Sammlung zeigen. Doch die australischen Ureinwohner weigern sich, weil sie eine Frau ist. Wie geht ein Museum damit um? Wessen Werte gelten?

Die der Aborigines oder die der Gleichbehandlung der Geschlechter? „Wie ich mich auch entscheide, ich verletze das eine oder das andere“, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Museumsbundes, Wiebke Ahrndt. Gesellschaftspolitische Veränderungen stellen die Museen vor neue Herausforderungen. Sie müssen mehr als früher hinterfragen, welche Objekte und vor allem wie sie diese ausstellen wollen.

Der Deutsche Museumsbund beschäftigt sich deshalb auf seiner Jahrestagung in Bremen ab Montag mit der Frage, welche Werte Museen vertreten und ob diese eine Haltung einnehmen sollten. „Es gibt da keine einfachen Antworten“, sagte Ahrndt, die als Direktorin das Bremer Übersee-Museum leitet. „Unsere Gesellschaft ist vielfältiger geworden.“ So komme es vor, dass Einwanderer schockiert über Exponate aus alten Zeiten seien, weil sie diese als extrem rassistisch empfänden. Darunter fielen zum Beispiel Plakate mit dem Sarotti-Mohren oder Gemälde, die exotische Ureinwohner darstellten.

Damit umzugehen ist eine Gratwanderung für die Museen. „Wir haben die Freiheit der Kunst, die steht sogar im Grundgesetz“, sagte Ahrndt. Es gebe aber Exponate, die könne man heute nicht mehr so unsensibel ausstellen. Ahrndt erarbeitet gerade für den Museumsbund Leitlinien, wie die deutschen Museen mit dem kolonialen Erbe in ihrer Sammlung umgehen können. „Man muss zeigen, wie verletzend und aus welchen Gründen so ein Anblick sein kann.“ Doch in manchen Fällen reiche auch das nicht: „Man kann im Namen der Kunstfreiheit nicht alles in sein Haus lassen.“

Die Gesellschaft sei inzwischen viel empfindlicher bei manchen Themen, hat Ahrndt erlebt. Das sensibilisiere für die Werte anderer. „Die Frage aber ist, an welcher Stelle kippt das? Wie viel an Kontroverse muss eine Gesellschaft aushalten? Wo setzt Zensur an?“ Der Museumsbund will auf der Jahrestagung mit den rund 400 Teilnehmern über all dies diskutieren - und dadurch einen Prozess anstoßen, wie Ahrndt hofft.

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