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Journalistenmord: Slowakische Polizei nimmt Italiener fest

Nach einem brutalen Doppelmord an einem jungen Journalisten und seiner Verlobten stehen Polizei und Regierung in der Slowakei unter Druck. Opposition und Medien werfen ihnen vor, zu lange mehr gegen kritische Journalisten als gegen die echten Verbrecher gekämpft zu haben.

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Bratislava

, 01.03.2018
Journalistenmord: Slowakische Polizei nimmt Italiener fest

Trauernde zünden bei einem stillen Protestmarsch Kerzen an. Foto: Bundas Engler/AP

Mafia, Mord und Korruption: Die Affäre um den Mord am Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak bringt den slowakischen Regierungschef Robert Fico heftig unter Druck.

Das hat Auswirkungen auch auf die Polizeiarbeit: Die Fahnder müssen nun nicht nur die Mörder und ihre Hintermänner aufspüren - sie müssen auch zeigen, dass sie ohne politische Einflussnahme arbeiten. Nun präsentieren sie mit der Festnahme von Italienern einen ersten Erfolg.

Der 27-jährige Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren in der Nacht zum Montag in ihrem Haus im Dorf Velka Maca in der Westslowakei tot aufgefunden worden. Sie waren durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden. In die internationale Suche nach möglichen Tätern seien insbesondere die italienische, tschechische und deutsche Polizei eingebunden, erklärte Polizeipräsident Tibor Gaspar.

Kuciak hatte über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war auf Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern gestoßen. Seine unvollendete letzte Reportage dazu wurde nach seinem Tod in mehreren slowakischen Medien und inzwischen auch in deutscher Übersetzung von der Tageszeitung „Die Welt“ veröffentlicht.

Regierungschef Fico hatte sich mit einem Berg gebündelter Geldscheine vor die TV-Kameras gestellt und verkündet, seine Regierung verspreche eine Million Euro Belohnung für Hinweise, die zur Tataufklärung führten. Das kam aber nicht gut an: „Dass Fico meint, er könne mit Geld alles lösen, ist doch genau die Einstellung, gegen die wir kämpfen“, fasste die Tageszeitung „Sme“ beispielhaft die Kritik zusammen.

Unter starkem Rücktrittsdruck steht Ficos Stellvertreter in Regierung und sozialdemokratischer Partei, Innenminister Robert Kalinak. Ihm werden seit langem Kontakte zu einem mutmaßlichen Steuerbetrüger vorgeworfen. Der Innenminister selbst als Ziel der Recherchen und als Beschützer der Journalisten, die gegen ihn recherchieren, das sei kein glaubwürdiges Bild, heißt es in Zeitungskommentaren.

Als erstes und bisher einziges Regierungsmitglied ist allerdings einer der schärfsten Kritiker Kalinaks zurückgetreten. Der für die Medien zuständige Kulturminister Marek Madaric erklärte, er könne nicht ruhig in seinem Sessel bleiben, nachdem ein Journalist ermordet wurde. Noch vor der Bluttat hatte Madaric in Interviews erklärt, an Stelle Kalinaks wäre er allein wegen der Anschuldigungen zweifelhafter Geschäftskontakte schon längst zurückgetreten.

Die Situation zu retten versucht vor allem Polizeipräsident Tibor Gaspar. Auch er hatte sich zu kritischen Journalisten wegen deren Recherchen gegen seinen Chef, den Innenminister, bisher oft zynisch geäußert. Seit der Entdeckung des Mordes stellt er sich mehrmals täglich vor die TV-Kameras, präsentiert Zwischenergebnisse und bittet um Verständnis, dass er nicht zu viel sagen könne, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden.

Am Donnerstag verkündete er die Verhaftung italienischer Geschäftsleute in der Ostslowakei, die in den Recherchen des Ermordeten vorgekommen waren. Gaspars Hoffnung auf Tipps aus Italien dürfte aber auch nicht ohne Vorwürfe bleiben, dass die Slowakei die „italienische Spur“ nicht schon vor der Bluttat in Zusammenhang mit dem Verdacht auf Wirtschaftskriminalität verfolgt hatte.

Die Staatsanwaltschaft in der kalabrischen Stadt Reggio Calabria erklärte nämlich am Donnerstag, dass sie die internationalen und slowakischen Behörden „bereits vor einiger Zeit“ auf zumindest drei der nun Festgenommenen aufmerksam gemacht habe. Man habe gebeten, die Gruppe zu beobachten, sagte der Staatsanwalt Gaetano Paci der Nachrichtenagentur Ansa. Grund sei unter anderem gewesen, dass die drei sich auf verdächtige Weise bereichert hätten.

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