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Junge Fahrer sind weiter besonders gefährdet

Bonn (dpa/gms) - Es gibt eine gute Nachricht: Die Unfallzahlen gehen zurück, und zwar auch bei der ewigen Risikogruppe der jungen Fahrer. Die schlechte Nachricht ist, dass die Zahlen weiter so hoch sind, dass sie Verkehrsexperten Sorge bereiten.

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Führerscheinneulinge sind demnach weiterhin einem relativ hohen Unfallrisiko ausgesetzt. Um das zu ändern, werden immer wieder neue Ideen ausprobiert.

«Die Unfallzahlen entwickeln sich grundsätzlich positiv», sagt Sven Rademacher, Sprecher des Deutschen Verkehrs-Sicherheitsrates (DVR) in Bonn. «Aber sie sind weiter dramatisch und inakzeptabel.» Wie gefährlich es auf den Straßen für die jungen Verkehrsteilnehmer ist, das zeigen die Angaben der Deutschen-Verkehrswacht (DVW) in Bonn: So waren im Jahr 2005 rund 20 Prozent der getöteten und verletzten Verkehrsteilnehmer 18 bis 25 Jahre alt. Es zählen aber nur etwa 8 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu dieser Altersgruppe.

«Unfallursache Nummer eins ist nach wie vor die nicht angepasste Geschwindigkeit», sagt Rademacher. Außerdem werden rund 30 Prozent der Unglücke als so genannte Fahrunfälle ohne Fremdeinwirkung eingestuft - was im Grunde bedeutet, dass der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hat. Ebenfalls bemerkenswert sind die Uhrzeiten. Unfälle mit getöteten jungen Fahrern geschehen in etwa 47 Prozent der Fälle zwischen 19.00 Uhr und 5.00 Uhr.

Hinter den Unfällen stecken laut dem DVW-Experten Josef Weiß vor allem zwei Punkte: «Das eine ist natürlich das Anfängerrisiko, das jeder Führerscheinneuling hat, egal in welchem Alter.» Hinzu komme aber noch das so genannte jugendspezifische Altersrisiko - eine höhere Risikobereitschaft und auch eine gewisse Unbekümmertheit.

Laut Weiß lässt sich zumindest das Anfängerrisiko durch Möglichkeiten wie das begleitete Fahren ab einem Alter von 17 Jahren verringern. Der Jugendliche gewinnt hier am Lenkrad in Begleitung eines Erwachsenen erste Fahrroutine und kann dann mit 18 auf das Gelernte zurückgreifen. Weiß würde auch ein Alkoholverbot für Fahranfänger begrüßen.

Doch es gibt auch noch weitgehend unbeachtete Punkte in Hinblick auf die Sicherheit junger Verkehrsteilnehmer. «Gerade in Ostdeutschland verunglücken besonders viele Jugendliche, weil dort auf vielen alten Straßen schon die Streckenführung kaum einen Fehler verzeiht», erklärt Alfred Fuhr, Verkehrssoziologe des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Experten plädieren auch dafür, dass Sicherheitssysteme wie ESP verstärkt in Kleinwagen Einzug halten sollten, da solche günstigen Fahrzeuge von Jugendlichen bevorzugt werden.

Grundsätzlich rät Alfred Fuhr dazu, die Gefahr aus vielen Blickwinkeln zu betrachten. Alles in allem ergebe sich oft eine gefährliche Mischung aus aufpeitschender Disco-Atmosphäre und Übermüdung. Allerdings sieht Alfred Fuhr die Möglichkeit einer positiven Entwicklung: «Es ist zu erkennen, dass die Stellung des Autos sich gewandelt hat.» So sei das Interesse an der Kommunikation über die verschiedensten Medien oft höher als der Wunsch nach einem eigenen Wagen einzuordnen. Und nicht wenige Jugendliche seien es gewohnt, gefahren zu werden. Bleibt zu hoffen, dass die womöglich sinkende Zahl der Führerscheinneulinge ihre Aufgabe als Chauffeur dann in Zukunft auch gewissenhafter als bisher übernimmt.

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