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Kampf gegen Alkoholexzesse von Jugendlichen

BERLIN Immer mehr Jugendliche trinken mit Freunden zuhause flaschenweise Schnaps, lassen sich auf Partys volllaufen oder kommen mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus: Solchen Alkoholexzessen will die Bundes-Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) nun gemeinsam mit anderen Mitstreitern den Kampf ansagen.

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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD).

Das riskante Trinkverhalten vieler Jugendlicher macht den Experten Sorgen.

So trinke jeder zweite 16- bis 17-Jährige monatlich Spirituosen, sagte Bätzing am Montag in Berlin anlässlich der Jahrestagung 2007 der Drogenbeauftragten. Der Handlungsbedarf sei „dringend“.

Der Einstieg in den Alkoholkonsum müsse „so weit wie möglich“ hinausgezögert werden. Kommunen und Länder sollten stärker mit dem Bund und Experten an einem Strang ziehen. Auch junge Testkäufer mit Behördenbegleitung gegen illegalen Alkoholverkauf an Jugendliche seien „sinnvoll“. Anders als in einem kürzlich zurückgezogenen Konzept von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Bätzing aber Testkäufer erst ab 16, nicht bereits ab 14 Jahren.    

Die Alkoholkonsumenten würden immer jünger, sagte Bätzing. Jeder fünfte 14-Jährige trinke wöchentlich. Rund 19 400 Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wurden Zahlen des Statistischen Bundesamts vom Juni zufolge im Jahr 2005 volltrunken in Kliniken gebracht - mehr als doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor. Darunter waren auch 3500 Kinder zwischen 10 und 15 Jahren. „Dieser Trend setzt sich ungebrochen fort“, berichtete Bätzing.

Der Berliner Kinder- und Jugendpsychiater Oliver Bilke erläuterte, die Zahl jener Jugendlicher, die bereits mit 15 oder 16 Jahren behandlungsbedürftig sind, habe sich in den vergangenen Jahren verzehnfacht. Mit ganz anderen Ansätzen müsse man aber reagieren auf das Verhalten von immer mehr Jugendlichen, die große Mengen trinken, ohne abhängig zu sein. „Eineinhalb Flaschen Wodka am Abend“ seien keine Seltenheit. Viele tränken in privater Runde.

Nach Angaben der Bielefelder Psychologin Ulrike Ravens-Sieberer trinken Elfjährige bereits zu einem Prozent regelmäßig. Während der durchschnittliche Alkoholkonsum Jugendlicher seit 2002 gesunken sei, sei die Gruppe der Intensivtrinker gewachsen. Darunter seien viele, die in Schule, Ausbildung oder Beruf alles richtig machen wollten - am Wochenende griffen sie dann zur Flasche, „um Lebensanforderungen und -herausforderungen aus dem Weg zu gehen“.

Das "Wegspülen von Sorgen" wird nachgeahmt

„Alkohol ist immer und überall verfügbar“, kritisierte Bätzing. „Rund um die Uhr wird es den Jugendlichen vorgelebt.“ Götz Mundle, Vorstand der Deutschen Suchtstiftung, sagte: „Besonders intensiv wirkt das häusliche Beispiel.“ Ermahnungen von Erwachsenen nähmen Kinder oft als unehrlich wahr. „Auch viele von uns Erwachsenen haben nicht gelernt, mit Problemen und psychischen Belastungen konstruktiv und lösungsorientiert umzugehen.“ Kinder ahmten das „Wegspülen“ von Sorgen oft in alterstypisch ungezügelter Weise nach, sagte Mundle, der Chefarzt der Oberbergklinik im baden-württembergischen Hornberg ist.

  

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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD).

Das riskante Trinkverhalten vieler Jugendlicher macht den Experten Sorgen.

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