Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Kapitaleinsatz unter ethischen Gesichtspunkten

Stuttgart/Wuppertal (dpa/gms) - Bei der Suche nach einer Versicherung oder der richtigen Altersvorsorge kommt es für viele Verbraucher vor allem auf das Preis-Leistungsverhältnis an.

Aber es gibt auch Kunden, die bei solchen Vertragsabschlüssen nicht nur an die eigene Absicherung oder an das eigene Vermögen denken. Ihnen ist auch wichtig, dass die Unternehmen das Geld der Kunden nachhaltig anlegen. Sie suchen nach einer «Fairsicherung» - und das ist nicht immer leicht.

Niels Nauhauser, Experte für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, sieht vor allem ein Problem: «Es gibt zu wenige überzeugende Angebote in diesem Bereich». Aus den Beratungen der Verbraucherzentrale wisse er, dass es zwar ein großes Interesse vieler Menschen an entsprechenden Produkten gibt. Die Unternehmen hätten sich darauf aber noch nicht eingestellt.

Diesen Eindruck bestätigt Ingo Scheulen, Finanzmakler aus Bad Salzuflen. Für reine Geldanlagen gebe es bereits zahlreiche Fonds, die ökologischen oder sozialen Standards genügten. Bei Versicherungen, beispielsweise Kranken- oder Sach- sowie Hausrat- oder Autoversicherungen gebe es nur vereinzelte Angebote. «So weit sind wir noch nicht, vielleicht entwickelt sich das ja in den nächsten zehn Jahren», sagt Scheulen, der auch Vorsitzender des Netzwerks für nachhaltige Vermögensberatung «oekofinanz 21» (www.oekofinanz-21.de) ist. Möglich seien etwa ökologische Produkte auch in diesen Segmenten.

Verbraucher hätten bei der Suche nach einer «Fairsicherung», aber schon jetzt Aussicht auf Erfolg. So gebe es beispielsweise einen Krankenversicherungstarif, der mit einem ökologischen Fonds gekoppelt ist, erläutert Scheulen. Auch in der Altersvorsorge hätten manche Unternehmen ein vergleichsweise breites Angebot entsprechender Produkte aufgelegt.

Der Versicherungsmakler Christian Grüner aus Wuppertal empfiehlt, die Angebote der Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen. Kunden, die sich das selbst nicht zutrauen, könnten einen Versicherungsmakler bitten, genau zu erklären, warum bestimmte Produkte als besonders nachhaltig, ökologisch oder ethisch ausgewiesen werden.

Allzu häufig setzten Unternehmen das Geld vom Kunden nur zu einem kleinen Teil nach besonderen Kriterien ein. «Das ist oft vom Marketing getrieben.» Grüner sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit in der Vermittlung von Finanzprodukten und Versicherungen, die besonderen ethischen Standards genügen. Auch der Experte der Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht. «Es gibt keine einheitlichen Standards. Die Empfehlung muss sein, genau nachzufragen», sagt Nauhauser.

Die Unternehmen stellen die Kriterien für ihre Versicherungstarife selbst auf. Sie können die besonderen Bedingungen für den Einsatz des Geldes der Kunden formulieren. Danach können Verbraucher bei den Unternehmen gezielt fragen. Auf der Internetseite eines Unternehmens ist zum Beispiel ein Katalog mit Ausschlusskriterien einzusehen. Danach darf das Geld nicht für Genmanipulationen, Giftmülltransporte oder die «Störung der Lebensgrundlagen indigener Völker» verwendet werden. Mit einem möglichen Vorurteil gegenüber «Fairsicherungen» will Nauhauser aufräumen: «Die Rendite muss bei solchen Angeboten nicht niedriger sein.»

Auf der Suche nach «Fairsicherungen» müssen Verbraucher genau unterscheiden: Zum Beispiel haben sich auch Finanz- und Versicherungsmakler in einem «Verbund der Fairsicherungsläden» zusammengeschlossen (www.fairsicherung.de). Diese Makler vermitteln aber nicht nur Geldanlagen oder Versicherungen, die sich in einer besonderen Weise ethischen Standards verpflichtet haben. Das «fair» bezieht sich in diesem Fall auf die Beratung. In den Richtlinien der Fairsicherungsläden steht zum Beispiel, dass nur Versicherungen verkauft werden sollen, die der Kunde auch wirklich wünscht.

Wer eine unabhängige Beratung wünscht, kann sich allerdings auch an einen gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater wenden. Diese dürfen - um ihre Unabhängigkeit zu sichern - von den Versicherungsunternehmen keine Provision nehmen. Dafür zahlt der Verbraucher ein Honorar. Dafür muss der Kunde nicht befürchten, vom Makler zu dessen Nutzen zum Abschluss eines nicht benötigten Versicherungsvertrages überredet zu werden (Bundesverband der Versicherungsberater im Internet: www.bvvb.de).

Nachhaltige Vermögensberatung: www.oekofinanz-21.de

Verbund der Fairsicherungsläden: www.fairsicherung.de

Bundesverband der Versicherungsberater: www.bvvb.de

Anzeige
Anzeige