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Karmann streicht 1770 Arbeitsplätze

OSNABRÜCK/RHEINE Der Fahrzeugbauer Karmann plant an seinen Traditionsstandorten Osnabrück und Rheine drastische Stellenkürzungen. Bis zum Herbst 2008 sollen 1770 der weltweit 7000 Beschäftigten entlassen werden, teilt das Unternehmen mit.

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Das Archivbild aus den 50-er Jahren zeigt die Produktion des Karmann Ghias. Der Ghia brachte der Firma den Durchbruch.

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„Es gibt einfach keine Aufträge im Komplettfahrzeugbau“, sagte ein Unternehmenssprecher. In Rheine sollen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres rund 900 der bestehenden 1000 Arbeitsplätze wegfallen. Innerhalb der kommenden zwölf Monate sollen zudem am Hauptsitz Osnabrück 870 der 4000 Stellen gestrichen werden. Karmann hatte bereits im vergangenen Jahr wegen einer Auftragskrise 700 Mitarbeiter entlassen müssen.

Schließung nicht ausgeschlossen

Für 2009 schließt das Unternehmen, das mit dem legendären Karmann Ghia und als Hersteller des VW Käfer Cabriolets Weltruf errungen hatte, auch eine komplette Schließung des Unternehmensbereiches Fahrzeugbau nicht mehr aus. Im Werk Rheine wird der Fahrzeugbau bereits nach dem Auslaufen der Produktion für den Audi A 4 Cabriolet Mitte 2008 geschlossen und nur noch eine Restproduktion für Dachsysteme aufrechterhalten. Ziel sei es, die Produktionsstrukturen so zu erhalten, dass etwaige neue Aufträge wieder angenommen werden können, sagte ein Firmensprecher.

      Ein Sprecher der Stadt Rheine reagierte enttäuscht. „Das ist ein herber Schlag für uns“, sagte er. Der Stellenabbau belaste nicht nur die Stadt, sondern auch die Region. Karmann baut neben Komplettfahrzeugen wie etwa Chrysler Crossfire oder Mercedes CLK im Auftrag der Markenhersteller vor allem auch Dachsysteme für Cabrios und betreibt eine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Während die Dachsystem-Fertigung stark wächst, habe es für Komplettfahrzeuge seit Jahren keine neuen Aufträge mehr gegeben, sagte der Firmensprecher. Die Fahrzeughersteller bauten die für Karmann interessanten Sonderfahrzeuge wie Cabriolets oder Sport- Coupés inzwischen vollständig in eigenen Werken.

Unterstützung für Mitarbeiter

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte den von der Entlassung bedrohten Mitarbeitern spontan Unterstützung zu: „Das Land ist vor dem Hintergrund der großen Strukturumbrüche bereit, mit erheblichen Mitteln die Weiterqualifizierung und Vermittlung der Beschäftigten in andere Arbeitsplätze zu fördern.“ An die deutschen Autohersteller appelliert er, die „Innovationsschmiede“ Karmann zu sichern. Wulff sagte, der Arbeitsplatz-Abbau sei unverständlich, weil die Kompetenz von Karmann als „Hightech- Schmiede“ im Bereich der Fahrzeugentwicklung weltweit unbestritten sei. „Die deutschen Automobilhersteller müssen sich sorgfältig überlegen, ob sie eine ingenieurtechnische Perle wie Karmann gegebenenfalls ausländischen Unternehmen in die Arme treiben und sich damit selbst langfristig starke Konkurrenz schaffen wollen.“

Nachfolgeauftrag gesucht

Die Aufträge für Komplettfahrzeuge in Osnabrück laufen nach Angaben des Unternehmens Ende 2008 aus. Wenn es nicht gelinge, bis zum 1. Juli 2008 einen Nachfolgeauftrag für die Produktion zu gewinnen, sei die Schließung des Fahrzeugbaues wahrscheinlich im Jahr 2009 möglich. Allein dieser Unternehmensbereich zählt derzeit noch 2000 Beschäftigte am Hauptsitz. Im Geschäftsjahr 2006 machte der Autobauer einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro, für das Jahr 2007 hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Peter Harbig, einen Einbruch auf 1,4 Milliarden Euro angekündigt.

Die IG Metall hat überrascht auf die Pläne des Osnabrücker Autobauers Karmann reagiert. Der 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Osnabrück und Karmann-Aufsichtsrat, Hartmut Riemann, nannte die Nachricht „einen heftigen Schlag“ für die Belegschaft. Überraschend sei vor allem die hohe Zahl der zu streichenden Stellen. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und dem Betriebsrat sei am Vormittag die Belegschaft informiert worden. „Wir versuchen jetzt, zu retten, was zu retten ist“, sagte Riemann.

 

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Das Archivbild aus den 50-er Jahren zeigt die Produktion des Karmann Ghias. Der Ghia brachte der Firma den Durchbruch.

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