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Kölner Archiv-Einsturz: Zeugen berichten von Pfusch

Köln. An diesem Samstag (3. März) jährt sich zum neunten Mal der Einsturz des Kölner Stadtarchivs. In dem dazu laufenden Strafprozess gab es am Freitag zwei brisante Zeugenaussagen.

Kölner Archiv-Einsturz: Zeugen berichten von Pfusch

Trümmer liegen an der Stelle, an der sich das Stadtarchiv befand. Foto: Oliver Berg/Archiv

Im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat ein Lastwagenfahrer eine brisante Zeugenaussage gemacht. Der Mann sagte am Freitag vor Gericht, dass ein Baggerführer beim Ausschachten an der späteren Unglücksstelle 2005 auf ein Hindernis gestoßen sei.

Auf Anweisung seines Vorgesetzten habe er versucht, dieses Hindernis mit der Baggerschaufel zu zertrümmern, doch das sei nicht gelungen. Stattdessen habe man schließlich ein Fugenblech aus der U-Bahn-Baustelle gezogen. Dennoch sei einfach weitergemacht worden. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass unter anderem durch dieses Verhalten ein Loch in einer unterirdischen Wand entstand und dadurch 2009 der Archiveinsturz ausgelöst wurde.

Ein früherer Baggerfahrer berichtete am Freitag von Pfusch und mangelnder Aufsicht auf der U-Bahn-Baustelle. „Die von der Bauaufsicht sind ab und zu da rumgelaufen, aber überwacht hat uns keiner“, sagte der 39-Jährige als Zeuge im Kölner Landgericht. Stahlbügel, die eigentlich zur Stabilisierung in die Grubenwände eingebaut werden sollten, seien zu einem großen Teil in einen Container geworfen und als Schrott verkauft worden. Von dem Erlös habe auch er mehrere hundert Euro abbekommen.

Der Archiveinsturz jährt sich am Samstag (3. März) zum neunten Mal. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) will dann an der Unglücksstelle einen Kranz niederlegen. Am Freitag sagte sie beim Richtfest des Archivneubaus, sie hoffe, dass dies „ein sicherer Ort für die Archivalien und die Mitarbeiter sein“ werde. Das neue Archivgebäue für über 80 Millionen Euro soll in zwei Jahren fertig werden.

Der Baggerfahrer sagte aus, die Anweisung, die Verbindungsbügel nicht einzubauen, sei von dem Polier gekommen, der in dem Prozess angeklagt ist. Als Begründung habe der heute 64-Jährige Zeitmangel angegeben. Ob auch die Bauüberwachung davon wusste, sei ihm nicht bekannt, sagte der Zeuge. „Aber das konnte jeder sehen, denn die Bügel lagen ja in einem offenen Container.“ Gutachten haben allerdings ergeben, dass die fehlenden Bügel definitiv nicht die Ursache für das Unglück waren.

Bei dem Archiv-Einsturz waren am 3. März 2009 zwei Anwohner ums Leben gekommen. In dem Prozess sind fünf Mitarbeiter von Baufirmen und den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Fehler bei den Bauarbeiten zu dem Unglück geführt haben.

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