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Kriminalität an der Schule: Polizei nicht immer sinnvoll

NORDKIRCHEN "Wer Drogen verkauft, der gehört angezeigt. Aber ein Schüler, der Drogen nimmt, braucht Hilfe." Dieter Tigges, Leiter der Schlaun-Gesamtschule nimmt Stellung zum neuen Erlass der Landesregierung gegen Jugendkriminalität.

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Kriminalität an der Schule: Polizei nicht immer sinnvoll

Schulleiter Dieter Tigges

Dieter Tigges ist nicht begeistert von diesem Erlass, der den Schulen eine Anzeigepflicht bei einer Reihe von Delikten auferlegt. "Lehrer müssen hingucken und sich einmischen, wenn etwas passiert", betont der Schulleiter. "Das heißt aber nicht immer, dass es sinnvoll ist, sofort die Polizei einzuschalten."

Tigges einst selbst bei der Schutzpolizei

Tigges betrachtet die Dinge von beiden Seiten. Bevor er studierte und Lehrer wurde, war er selbst acht Jahre lang Beamter bei der Schutzpolizei in Wetter an der Ruhr. Die Polizei habe einen klaren Auftrag: Strafverfolgung und Vorbeugung. Den nehme sie gut wahr und sorge für die Sicherheit der Bürger, so Tigges. Die Schule habe aber eine ganz andere Aufgabe: "Sie soll erziehen und braucht Vertrauen. Schüler sollen aus Fehlern lernen können. Das muss so bleiben."      

Die Landesregierung feiert ihren Erlass dagegen als großen Wurf: Erstmals gebe es "verbindliche Regeln für die Zusammenarbeit von Schule, Jugendämtern, Polizei und Staatsanwaltschaft", so das Innenministerium. Nicht nur Schulen müssten Straftaten von Schülern anzeigen. Im Gegenzug müsse die Polizei die Schulen über kriminelles Verhalten von Schülern außerhalb der Schule informieren. Zur Verbesserung der Präventionsarbeit sollen Schulen, Polizei und die Justiz in ihren Bezirken feste Ansprechpartner ernennen, die sich regelmäßig treffen.

Aufhellung des Dunkelfeldes

Die Anzeigepflicht für die Schulen werde zu einer "Aufhellung des Dunkelfeldes" führen, sagt Innenminster Ingo Wolf. Dies ermögliche die Bewertung, welche Schule ein ernsthaftes Kriminalitätsproblem habe. Dieter Tigges beurteilt das skeptisch. Auch an der Gesamtschule in Nordkirchen gebe es immer mal wieder Einzelfälle, in denen Schüler auffällig werden. Die würden in der Schule aufgearbeitet. Aber es dürfe keine Lawine losgetreten werden, die jeden Schüler als potentiellen Straftäter hinstellt, betont Tigges: "Das wäre fatal."

Eine Anzeige bei der Polizei löse kein Problem. Die Schule sollte vielmehr ihren Schülern aus schwierigen Situationen helfen. Dazu seien Schulseelsorger, Beratungslehrer oder Psychologen notwendig. "Wir Lehrer", erklärt Dieter Tigges, "müssen die Persönlichkeit unserer Schüler entwickeln". Das gelte auch für Jugendliche, die einmal vom geraden Weg abgekommen sind.  

  

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