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Langfinger stehlen Hand

Kirchenraub

Diesem Dieb ist offenbar nichts heilig – und nichts fies: Der Unbekannte hat die abgeschlagene Hand gestohlen, die 107 Jahre lang in einem Glaskästchen im Eingangsportal der St.-Brigida-Kirche ausgestellt war – direkt über dem Weihwasserbecken. Kurz bevor der Heimatverein von Experten der Universität klären lassen konnte, wie alt die vermeintliche „Meineid-Hand“ wirklich ist, fehlt von ihr seit gestern Mittag jede Spur.

LEGDEN

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 28.09.2012
Langfinger stehlen Hand

Die mumifizierte Hand wurde gestohlen.

Heimatvereinsvorsitzender Alfred Janning kann es nicht fassen. „Wer macht denn so etwas“, fragt er und schüttelt den Kopf. Der Legdener, der zugleich Kreisheimatpfleger ist, steht hinten in der Legdener Kirche. Zwischen Türportal und einem sandsteinernen Denkmal der Eheleute Menke aus dem Jahr 1691 befindet sich die Leerstelle: das in die Mauer eingelassene hölzerne Kästchen, das bislang die Hand aufbewahrte, denen Janning so gerne noch ihre Geheimnisse entlocken wollte. „Wir wissen immer noch nicht, wie alt die Hand ist“, sagt Janning. Fest steht lediglich, wann sie gefunden wurde: 1905, als der trutzige Wehrturm, an den die Kirche angelehnt war, Platz machen musste für den Vorbau mit den beiden Kirchtürmen. „Bei den Abbrucharbeiten hat man die Hand gefunden“, so Janning. Die damaligen Verantwortlichen der Gemeinde hätten vermutet, dass jemand einst mit dieser Hand einen Schwur tat und dann den Eid brach. Die abgeschlagene Hand sei die blutige Bestrafung für diese Sünde gewesen – und ein abschreckendes Beispiel für alle anderen: eine Geschichte die stimmen kann, aber nicht muss. Janning und seine Vorstandkollegen aus dem Heimatverein wollten es nicht bei den alten Vermutungen belassen. Um mehr Informationen zu bekommen – und die mumifizierte Hand vor Verfall zu bewahren – wagten sie, was bislang niemand getan hatte: Sie öffneten 2006 das Glaskästchen – und entgegen der Jahrzehnte alten Prognosen zerfiel das braun gefärbte Körperteil nicht. Janning brachte die abgetrennte Hand – ob aus Strafe oder Unfall – zum rechtsmedizinischen Institut der Uni Düsseldorf. Dort wurde sie untersucht und später auch plastiziert. Dennoch blieben wichtige Fragen offen: Ist es eine Männer- oder Frauenhand und vor allem, wie alt ist sie. Janning blieb aber im Kontakt mit den Wissenschaftlern, bis jetzt. „Sie baten mich, noch etwas Knochenmasse zu entnehmen und zur Analyse zu schicken“, sagt er. „Dafür ist es jetzt zu spät.“

Am vergangenen Sonntag war die Hand zuletzt an ihrem Platz gesehen worden. Seit Dienstag ist sie verschwunden. Da das Kästchen keine Spuren gewaltsamer Öffnung aufweist, sei aber zunächst niemand auf die Idee gekommen, dass es sich um einen Diebstahl handele. Die Polizei ermittelt jetzt – genauso wie auch vor Monaten, als Unbekannte die Erklärungstafeln für das Wurzel-Jesse-Fenster aus der Kirche entwendet hatten oder als sie das Altarkreuz stahlen; Bislang fehlt davon jede Spur.

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