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Rabeea Natiq Hussein fängt neues Leben in Asbeck an

Flucht aus Mossul

Er hatte Angst. Angst um sein Leben. Vor knapp einem Jahr trat der Iraker die Flucht nach Deutschland an. Acht Zwischenstops musste Rabeea Natiq Hussein einlegen, bevor er endlich in München ankam. Seine Vergangenheit will er nun hinter sich lassen – in Asbeck schlägt der 27-Jährige ein neues Kapitel seines Lebens auf.

LEGDEN/ASBECK

, 03.08.2016
Rabeea Natiq Hussein fängt neues Leben in Asbeck an

Rabeea Natiq Hussein lebt jetzt glücklich in Asbeck. Dort will er auch bleiben.

Rabeea Natiq Hussein ist etwas nervös, als er von seiner Geschichte erzählt. Sein Deutsch ist gut, manchmal fehlen ihm einige Wörter. Doch dann hilft ihm Daniela Schürhoff. Sie setzt sich ehrenamtlich für einige Flüchtlinge in Asbeck ein, hilft dort, wo Hilfe gebraucht wird.

Der 27-jährige Iraker, der in einem Dorf nahe der Stadt Mossul lebte, musste aus seinem Heimatland fliehen, er wurde verfolgt, diskriminiert und vertrieben – vom „Islamischen Staat“. Rabeea gehört zur Schaback-Minderheit, einer größtenteils schiitischen, ethnische Gruppe. Um die Hintergründe seiner Flucht zu erklären, reichen seine Deutsch-Kenntnisse nicht aus. Er ruft einen Bekannten an, Yousif Moharam Selman, Vertreter der Schabak in Deutschland und Europa. Weil der aber gerade in einer Arztuntersuchung steckt, hilft Sinan Hunain aus, ein Schabaki, der schon seit 1997 in Deutschland lebt. Per Telefon erklärt er: „Der Islam teilt sich ein in Sunniten und Schiiten. Die Schabaki sind größtenteils Schiiten – deswegen flüchten sie, denn die Kämpfer des IS gehen gegen jeden vor, der nicht zu den Suniten gehört.“

Heimatverbunden

Er erzählt von Familien in Mossul, die brutal ermordet werden, weil sie einen anderen Glauben haben als der IS. „Mossul ist besetzt, Freiheit gibt es dort nicht“, sagt Sinan Hunain. In Deutschland würden derzeit 250 Familien der Schabak-Minderheit leben. Viel ist das nicht. „Das liegt daran, dass die meisten Schabaki sehr heimat- und traditionsverbunden sind. Sie wollen ihr Leben nicht hinter sich lassen. Die meisten warten darauf, dass die irakische Regierung die Stadt zurückerobert“, so Hunain. Darauf warten wollte Rabeea Natiq Hussein jedenfalls nicht. Er wollte ein besseres Leben, ein Leben in Freiheit. Seine Eltern und seine Schwester sind derzeit noch im Irak, sie wurden vom IS aus Mossul vertrieben. „Ich lebte in einem Dorf außerhalb der Stadt. Die Kämpfer haben meiner Familie gesagt, dass sie alle töten, wenn sie auf mich warten“, erzählt der 27-Jährige mit traurigem Blick.

Von 2007 bis 2009 arbeitete Rabeea im Auftrag der US-Army. Mit einem Auto war er damals unterwegs in der Stadt, erzählt er. „Plötzlich wurde ich von Salafisten mit Gewehren bedroht. Ich bin dann schnell weggefahren.“ Besonders viel Angst habe er in der Situation nicht gehabt, „ich hatte eine kugelsichere Weste an“. Die fehlende Angst ist wohl ein Zeichen dafür, wie normal solche Übergriffe im Irak schon längst geworden sind. Jetzt ist Rabeea sicher – seit September vergangenen Jahres ist er in Deutschland und wohnt nun in Asbeck in einer alten Pension.

Lange Flucht

Doch der Weg dorthin war hart. Acht Zwischenstops musste der 27-Jährige durchlaufen, bis er schließlich in München ankam, wo sein Onkel lebt. „Als erstes bin ich vom Irak in die Türkei geflogen“, erzählt er. Von da ging es auf eine kleine griechische Insel, dann weiter nach Athen, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland. Alles per Bus, Auto, Zug, Boot oder sogar zu Fuß. „Das hat viel Geld gekostet“, sagt Rabeea. In Unna kam er in einem Erstaufnahmelager unter, von dort ging es dann letztendlich nach Asbeck. „Ende Juni wurde sein Asylverfahren angestoßen. Jetzt hat er die offizielle Anerkennung als Asylbewerber. Nun darf er erst einmal drei Jahre in Deutschland bleiben“, sagt die Ehrenamtliche Daniela Schürhoff.

In seiner Freizeit lernt er Deutsch und spielt Fußball in der ersten Mannschaft von Asbeck. „Das macht viel Spaß“, sagt Rabeea mit einem Funkeln in den Augen. Um etwas Geld zu verdienen, arbeitet er in der Küche vom Dorf Münsterland. Vielleicht kann er sogar bald in seinem alten Beruf arbeiten – als Betonpumpenbediener bei der Firma Potthoff. „Dafür fehlen ihm allerdings noch einige Papiere. Er braucht zum Beispiel einen Führerschein“, so Daniela Schürhoff. Nach all den Monaten voller Angst und Ungewissheit ist Rabeea angekommen. „Jetzt geht es mir wieder gut, ich habe jetzt ein neues Leben hier in Deutschland.“

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