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Vom Bock hinter die Theke

Asbeck Die blonde Inge aus Berlin hat graue Strähnen bekommen, Delta Bravo aus Wuppertal benutzt inzwischen Handy statt Sprechfunk, und Mampy, aus Asbeck hat schon vor fast 30 Jahren den Bock gegen eine Theke eingetauscht. Dennoch: Trucker sind sie alle geblieben - zumindest mit dem Herzen.

25.10.2007

Bei der ersten Wiedersehensfeier einstiger Transitfahrer nach Berlin und einiger Mitarbeiterinnen der von ihnen angesteuerten Raststätten in Asbeck lebten Erinnerungen auf - sowohl angenehme an eine verschworene Berufsgemeinschaft als auch bedrückende an die deutsch-deutsche Teilung.

Von Helmstedt nach Berlin: "Zwei Stunden und zehn Minuten dauerte es, die DDR zu durchfahren", berichtet Gastgeber Franz Reckers, den alle nur Mampy rufen - sowohl seine Fernfahrerkollegen von einst als auch die anderen Gäste seiner Gaststätte direkt neben der Asbecker Kirche. "Wenn auf der Fahrt nichts dazwischen kam." Und das kam nur zu oft.

Geschichten von Behördenwillkür machen die Runde, von den Schikanen der Vopos - "die haben dich manchmal 15 Stunden lang an der DDR-Grenze warten lassen, einfach so, und du durftest nichts sagen, sonst hätte es noch länger gedauert" - und von der Verzweiflung unterwegs und dem alltäglichen Terror. "Ich habe einmal gesehen, wie zwei bei einem Fluchtversuch erschossen wurden", so Mampy: "Das vergisst man nie."

Kartoffeln und Mazzen

Auf dem Hinweg nach Berlin rollten Kartoffeln aus Holland oder Motorräder von BMW über die A 2, auf dem Rückweg Mazzen (koscheres Brot) für einen Großkunden in Enschede oder Meißner Porzellan: "Nichts, was wir nicht gefahren hätten", so das Resümee.

Noch lieber als über ihre jeweilige Ladung oder über ihre Erfahrungen mit der deutschen Teilung tauschen sich die Kollegen von einst aber über sich selbst aus: "Was macht eigentlich der?" "Was ist aus dem geworden? Und vor allem: "Weißt du noch, als wir damals alle zusammen saßen" - zum Beispiel in der Raststätte bei Inge. Erinnerungen an eine verschworene Gemeinschaft leben auf, an Solidarität unter Leuten, die in der Regel hunderte von Kilometern auseinander wohnten, oft die Familien des anderen gar nicht kannten und dennoch enge Freunde waren - und bis heute sind.

Von diesem Einstehen füreinander spricht an diesem Tag nicht nur die Trucker-Gesellschaft, sondern auch Pfarrer Karl Tappe während der Andacht zu Beginn der Wiedersehensfeier. "Wer dem Pastor zuhörte, glaubte, er sei eine Zeit lang selbst Fernfahrer gewesen", staunen die Teilnehmer.

Verändertes Klima

Das Klima auf den Autobahnen habe sich inzwischen deutlich verändert, wissen die nach wie vor aktiven Fahrer später zu erzählen. Kein Sprechfunk mehr, keine festen Verabredungen in den Raststätten, dafür enger Terminplan bei gesetzlich verordneten Ruhezeiten: "Der Konkurrenzdruck der Speditionen macht vieles kaputt."

Wenn jemand aber meine, früher sei alles romantisch und irgendwie besser gewesen, liege er auch falsch, warnt Mampy: "Das war harte Maloche." Mit Kollegen wie denen, die sich jetzt in zwei Jahren wieder treffen wollen, habe es aber trotzdem Spaß gemacht. sy-

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