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Zerbrechliche Schönheiten verzaubern

Asbeck Die drei Schicksalsgöttinnen wohnen in einer Haushälfte in Asbeck. Sie teilen sich dort eine Wohnung mit zwei Voodoopriestern, der rätselhaften Skorpionfrau, zwei Katzenkindern (halb Mensch, halb Tier), der rothaarigen Marisa - und mit Gabriele Tomsen, ihrer gemeinsamen Mutter.

23.12.2007

Zerbrechliche Schönheiten verzaubern

<p>Anmutige Haltung und seelenvoller Blick: eine typische Gabriela-Puppe. </p>

Kinderzimmer? Fehlanzeige! Eine Wiege findet sich im ganzen Haus nicht. Wer das Geburtszimmer ihres illustren, meistens schon erwachsenen Nachwuchses sehen möchte, den führt die 43-jährige Wahl-Asbeckerin in ein peinlich sauberes, nur spärlich möbliertes Zimmer im Erdgeschoss: rechts ein großer Schreibtisch, links ein runder Ofen und vorne ein großes Fenster, durch das die Wintersonne fällt.

Die zierliche, rot gelockte Frau breitet die Arme aus und dreht sich im Kreis: "Mein Reich" - und die Kinderstube ihrer Porzellanpuppen, mit denen sie sich international einen Namen gemacht hat: nicht als Gabriele Tomsen, sondern als Gabriela Dollart.

"Sagen sie einfach Gabriela", sagt sie knapp, während sie sich einen weißen Kittel anzieht und feine Handschuhe überstreift. Wenn sie die tiefen Schubladen des weißen Einbauschranks öffnet, ist größte Vorsicht gefragt. Dort schlummern gut verpackt die Formen ihrer Porzellanpuppen: Abdrücke von fein geschnittenen Gesichtern, attraktiven Körpern, filigranen Fingern und langen Beinen. "Meine Beine", ergänzt die studierte Textilbetriebswirtin stolz und hebt vorsichtig eine weiße Form hoch, die eher an ein zerknicktes Paket erinnert als an einen wohlgeformter Schenkel, "gelten als die schönsten in der ganzen Puppenszene." Erst als sie die Lederschnüre aufknüpft und die beiden Gipshälften auseinander klappen, erkennt das auch ein Laie.

Gabriela - dieser Name steht bei Puppensammlern für exotische Schönheit. "Nur meine allerersten Arbeiten Anfang der 90-er Jahre waren Kinderpuppen", blickt sie zurück, "anfangs noch mit Schweinsnäschen und Apfeltaschenhänden". Das ist längst vorbei. Inzwischen gießt sie mit großer Detailfreude Erwachsene aus Porzellan - überlieferte Sagenfiguren, eigene Fantasiegestalten (immer mit einer Geschichte), Prominente und einmal auch ihren eigenen Onkel, "ein Geschenk zum Firmenbestehen".

Über 1000 Euro

Aus dem Puppenhaus in Asbeck ziehen regelmäßig zerbrechliche Bewohner aus, um sich auf die Reise zu ihren Käufern zu machen, die zuvor mehr als 1000 Euro bezahlt haben. Gabriela weint ihren scheidenden Kindern nicht nach. Denn im Ofen brennt schon der Nachmieter. sy-

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