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Ärzte-Initiative stinkt es

LÜNEN Die Ärzteinitiative "Kontra Kohle Kraftwerk" hat mit ihrem Widerstand gegen das geplante Kohlekraftwerk einen langen Atem und wegen großer Bedenken eine Resolution verabschiedet.

von Volker Beuckelmann

, 16.08.2007
Ärzte-Initiative stinkt es

Dr. Ulrich Böhmer (r.): "Lüner leben in hoch belastetem Gebiet".

Von fast 40 anwesenden Medizinern sprach sich beim Treffen am Mittwoch in der "Stadt-Insel" die überwältigende Mehrheit für die Resolution aus. In dem zweiseitigen Papier beklagen die Ärzte: "Die Luft in Lünen ist auch ohne das neue Trianel-Kraftwerk mit Schadstoffen (insb. Feinstaub, Schwermetalle) unserer Ansicht nach bereits stark belastet." Die Resolution soll jetzt an Ratsvertreter, Bezirks- und Landesregierung sowie umliegende Städte geleitet werden.

"Nach WHO-Kriterien (Anm. d. Red. = Weltgesundheitsorganisation) leben die Menschen in Lünen in einem hoch belasteten Gebiet", sagte Dr. Ulrich Böhmer von der Ärzteinitiative.

Höher als in Oberhausen

Er verglich die Luft in Lünen mit der "Industriehochburg" Oberhausen. So lägen in unserer Stadt die Werte von Arsen 100-fach höher als in Oberhausen, bei Blei 600 mal höher und bei Kupfer 4300 mal höher. Der Radiologe Dr. Thomas Welke präsentierte "staatliche" Zahlen des Amtes für Natur und Umwelt aus den Jahren 1996/97 sowie 2000 und 2004 im Vergleich. Danach sei die Nickel- und Kupfer-Belastung im Beobachtungszeitraum stark angestiegen. "Das zeigt, wie bodenlos und frech wir belogen werden", so Thomas Welke.

Kinder stark betroffen

Dr. Karl Kluge berichtete aus seiner Kinderarzt-Praxis und setzte 847 Fälle in eine relative Beziehung: "65 Prozent der Kinder in meiner Praxis haben mindestens Asthma Bronchiale, Neurodermitis oder Pseudokrupp."

Und in den nördlichen Stadtteilen seien mehr solcher Erkrankungsfälle als in südlichen zu registrieren, so der Kinderarzt.

"Die Kühlturm-Fahne kann unter Umständen lange halten", sagte Ulrich Brötz, Physiker und Studiendirektor. Er wies dabei auf die "Saure Reaktion" im Kühlturm hin.

Anhörung Ende August

Nach der Resolution wurden verschiedene Möglichkeiten eines "Schlachtplanes" diskutiert und an die Zivilcourage appelliert. Konkrete Schritte sollen noch besprochen werden. Am 28. August beginnt im Hansesaal die öffentliche Anhörung der Bezirksregierung im Genehmigungsverfahren.

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