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Angeklagter saß im Auto

LÜNEN Weiter ging es im Roßdeutscher-Prozess. Ein Gutachter bestätigte, dass Fingerabdrücke des Angeklagten im Auto der ermordeten Frau gefunden wurden.

von Von Martin von Braunschweig

, 08.08.2007
Angeklagter saß im Auto

Angelika Roßdeutscher

Eins kann der Angeklagte im „Roßdeutscher-Prozess“ nicht leugnen: Dass der heute 38-Jährige am 22. Februar 1991 im Auto der ermordeten Lüner Hertie-Angestellten Angelika Roßdeutscher gesessen hat, steht fest. Neben DNA-Spuren sind nun auch zwei Fingerabdrücke eindeutig zugeordnet worden. Vor dem Dortmunder Schwurgericht bestätigte ein Sachverständiger des Polizeipräsidiums Dortmund gestern: Zwei Abdrücke auf dem Gurtschloss der Fahrerseite stammen vom rechten Daumen und dem rechten Zeigefinger des Angeklagten. „Sehr markante und seltene Merkmale“ ließen keinen anderen Schluss zu, so der 43-jährige Ermittler.

Waldarbeiter

Eine weitere Spur an der Scheibe der Fahrerseite wurde vom Ehemann des Mordopfers verursacht. Angelika Roßdeutscher war am 22. Februar 1991 nicht von ihrer Arbeitsstelle nach Hause gekommen. Am Abend fand die Polizei schließlich ihr verdrecktes Auto, einen goldfarbenen VW Scirocco. Es sollte jedoch noch fast ein Jahr dauern, bis ein Waldarbeiter die Leiche der damals 36-Jährigen in einem Waldstück bei Fröndenberg entdeckte. Der Angeklagte war im August vergangenen Jahres nach einem DNA-Abgleich festgenommen worden. Zu dieser Zeit lebte er als Zeitungswerber in Dernbach bei Koblenz. In seinen ersten Vernehmungen gestand der Mann schließlich den Mord. Diese Aussage hat er inzwischen widerrufen.

Der Angeklagte schweigt derweil. Kein Wort kommt dem mutmaßlichen Mörder von Angelika Roßdeutscher im Prozess über die Lippen. Gestern verlas das Schwurgericht jedoch zwei Briefe, die der Mann aus der U-Haft an seinen Arbeitskollegen geschrieben hat. Drei Tage nach seinem Geständnis bei der Polizei schreibt der 38-Jährige u.a.: „Nein, nein, nein, ich bin kein Mörder. Die haben mir gesagt, was ich zugeben soll. Ich wollte nur noch meine Ruhe haben und habe denen das einfach bestätigt. Doch es war anders. Das Auto stand offen, der Schlüssel steckte. Ich bin ein bisschen rum gefahren, habe ein paar Kippen geraucht und es dann wieder abgestellt. Ich habe die Fingerabdrücke abgewischt, aber die Kippen im Aschenbecher vergessen.“

Weiterer Brief

Fast zwei Monate später schreibt der Angeklagte einen weiteren Brief an den Kollegen: „Die Haftprüfung ist voll sch... gelaufen. Der Staatsanwalt sagt, einer aus meiner Zelle behauptet, ich hätte es ihm gestanden. Der will sich doch nur auf meine Kosten freikaufen. Vielleicht war’s ja auch der Ehemann. Laut Aktenlage spricht auch einiges für ihn. Ich schwöre, ich war das nicht. Das würde ich sagen. Das ist die Wahrheit und nichts anderes. Lebenslänglich für das, was ich nicht war. Das ist hart...“

Das Dortmunder Schwurgericht will in der kommenden Woche die Plädoyers hören. Nach fast sechsmonatiger Prozessdauer liegen alle Fakten auf dem Tisch und müssen nun bewertet werden. „Die Beratung wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer gestern. Die Urteilsverkündung ist für Ende August geplant.

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