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Chronologie der Kraftwerkspläne für Lünen

LÜNEN Die Kraftwerkspläne für Lünen - eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse.

von Von Peter Fiedler

, 21.08.2007

Februar 2006: Der Stadtwerke-Unternehmensverbund Trianel gibt bekannt, von 2008 bis 2012 im Stummhafen ein Steinkohlekraftwerk bauen zu wollen. Mindestens ein 750 MW-Block ist geplant, möglicherweise zwei. Die Stadtwerke Lünen wollen als Gesellschafter 90 bis 120 Mio. Kilowattstunden Strom aus dem Kraftwerk beziehen. 200 bis 300 Arbeisplätze werden in Aussicht gestellt. Wie später bekannt wird, ist damit die Version mit zwei Blöcken gemeint.

März 2006: Als erste politisches Gremium begrüßt der Wirtschaftsförderungsausschuss das Kraftwerks-Projekt. Auch die Essener Steag will ein weiteres Steinkohlekraftwerk bauen. Lünen sei einer der möglichen Standorte, so das Unternehmen.

Mai 2006: Die Grünen erklären ihr vorläufiges Ja zum Kraftwerk, nachdem Trianel zugesichert hatte, dass der Industrieabfall "Cronocarb" nicht verbrannt werden soll. Die Grünen schränken ein: Sollten sich im Genehmigungsverfahren "unzumutbare Belastungen" für die Bevölkerung ergeben, werden sie das Kraftwerk ablehnen. Der Rat spricht sich einstimmig für eine Beteiligung der Stadtwerke am Trianel-Kraftwerk aus.

August 2006: In Lünen wird die Trianel Power Projektgesellschaft (TPK) gegründet, um das Kraftwerksprojekt voranzutreiben. Die Stadtwerke Lünen sind Gesellschafter.

November 2006: TPK schließt einen Vertrag mit der microca GmbH im Stummhafen. Das Lüner Unternehmen soll den Kohleumschlag für das Kraftwerk übernehmen, geht von 10-15 zusätzlichen Mitarbeitern aus.

Januar 2007: Die Abwassergebührenbescheide gehen raus, die Bürger müssen tiefer in die Tasche greifen. Sollte der Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung (SAL) allerdings die die Abwasserbeseitigung für das neue Kraftwerk übernehmen, könnten die Gebühren um 6 Prozent sinken, so SAL-Vorstand Claus Externbrink. Der Lüner Kinderarzt Dr. Karl Kluge schlägt Alarm, weist auf Zusammenhänge zwischen Luftbelastung und Kindererkrankungen hin.

Februar 2007: Da mehrere Kraftwerke in Planung sind, hat Trianel bei Siemens Komponenten vorreservieren lassen. Zur Finanzierung erfolgt eine Kapitalerhöhung. Den zweiten geplanten Kraftwerksblock will Trianel nicht mehr in Lünen, sondern in Krefeld bauen. Der Bauboom treibt die Preise: Der Lüner Block kostet nicht mehr 750 Mio. Euro, sondern 1 Milliarde. Eine von den Grünen veranstaltete Diskussion wird zum ersten öffentlichen Forum für den Meinungsaustausch pro und kontra Kraftwerk.

März 2007: Der Arbeitskreis Umwelt und Heimat lädt zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk ein. Fraktion und Ortsverband der Grünen sprechen sich einstimmig gegen das neue Kraftwerk aus. Hauptargumente: Klimaschutz und Luftbelastung. Die Bürgerinitiative Kontra Kohle Kraftwerk (KKK) wird gegründet, Thomas Matthée zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Die BI will einen Einwohnerantrag auf den Weg bringen, der den Rat auffordert, das Kraftwerk abzulehnen. Der Hauptausschuss der Stadt Krefeld lehnt den Bau des geplanten Trianel-Kraftwerks ab. Trianel führt im Stummhafen die erste von mehreren Bürgersprechstunden durch.

April 2007: Der Genehmigungsantrag für das Kraftwerk liegt öffentlich im Rathaus aus. Bürger können Einsicht nehmen und Einwände formulieren. Für den 28. August kündigt die Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde einen öffentlichen Erörterungstermin in Lünen an. Die BI formuliert ihr Ziel: 10 000 Unterschriften "plus x" bis 28. August.

Mai 2007: Der DGB spricht sich für das Kraftwerksprojekt aus. Der Verband Wohneigentum spricht sich gegen das Kraftwerk aus. Basis ist ein Meinungsbild aus den Siedlergemeinschaften. Der Verband fürchtet u.a. einen Wertverlust von Immobilien. Bei einer Veranstaltung der BI warnt Dr. Gerd Kaufmann, Gründer der Ärzteinitiative Krefeld, vor den Folgen von Feinstäuben aus dem Kraftwerk. Trianel nennt die Kritik von Ärzten und BI Horrorszenarien und verweist auf die Gutachten zum Genehmigungsantrag. Danach steige die Schadstoffbelastung um weniger als drei Prozent, sei somit laut Gesetz "irrelevant". Lünen werde vom Kraftwerk durch 160 Arbeitsplätze und Gewerbesteuern in zweistelliger Millionenhöhe jährlich profitieren. Lüner Ärzte gründen eine Initiative gegen das Kraftwerk. Sie gehen von einer erhöhen Krankheitsziffer und Sterblichkeit aus. Bei der Diskussion des Bürgermeisters im übervollen Hansesaal vor 700 Menschen prallen die Argumente pro und kontra aufeinander. Laut Trianel kann der zweite Block nun wohl doch in Krefeld gebaut werden. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland wirft Trianel vor, die Wirkungen auf die Umwelt zu verharmlosen. Trianel kündigt an, sich um einen Wärmenutzer zu bemühen, damit Kraft-Wärme-Kopplung im Kraftwerk ermöglicht wird. Die BI übergibt dem Bürgermeister den Einwohnerantrag, gestützt von 5416 Unterschriften.

Juni 2007: Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Selm lehnt das Lüner Kraftwerk ab. 170 Einwände liegen nach Ende der Offenlegungsfrist bei der Bezirksregierung Arnsberg vor. Regierungspräsident Helmut Diegel erklärt bei einem Besuch in Lünen: Die Chancen für das Kraftwerk stehen gut, wenn der Rat es will. Der SPD-Stadtverbandsvorstand stimmt 10:2 für das Kraftwerk, die Fraktion 19:1. Die CDU-Fraktion spricht sich einstimmig für das Kraftwerk aus, im Parteivorstand gibt es 15 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärt in Lünen: Wenn das Kraftwerk genehmigungsfähig ist, kann es überall gebaut werden, wenn es nicht genehmigungsfähig ist nirgends. Die BI übergibt Gabriel eine Petition gegen das Kraftwerk. Die Minister sichert einen Gesprächstermin mit einem Experten seines Ministeriums zu. Der Termin findet am 29.Juni statt. Im Stadtentwicklungsausschuss findet der Vorschlag der Verwaltung Zustimmung, eine Luft-Messstation für Alstedde zu beantragen. Der Rat lehnt den Einwohnerantrag gegen das Kraftwerk ab. Nur Grüne und UWG stimmen dafür. Gleichzeitig verabschiedet der Rat die Stellungnahme der Stadt im Genehmigungsverfahren und beauftragt die Verwaltung, ein Konzept zur umweltfreundlichen Energieerzeugung zu entwickeln. Die BI kündigt weiteren Widerstand gegen das Kraftwerk an, bietet dem Bürgermeister aber auch die konstruktive Mitarbeit am Energiekonzept an.

Juli 2007: Die BI wendet sich an NRW-Umweltminister Uhlenberg (CDU), bittet um Informationen und Stellungnahmen zum Thema Kraftwerk.

August 2007: Die Ärzte-Initiative verabschiedet wegen der befürchteten Gesundheitsrisiken eine Resolution gegen das Kraftwerk. 96 Human- und Tiermediziner aus Lünen und Umgebung gehören der Initiative an. Die Wettbewerber Trianel und Steag haben die "Kraftwerksmaschinenleitung Lünen GmbH" gegründet. Die gemeinsame Gesellschaft könnte eine Stromtrasse durch das Mühlenbachtal bauen, um das Trianel-Kraftwerk und einen zusätzlichen Kraftwerksblock der Steag ans überregionales Stromnetz anzuschließen. Die Steag bestreitet, dass damit schon die Entscheidung gefallen sei, das Kraftwerk Lünen auszubauen. Entscheiden werde erst Ende 2007. Der Arbeitskreis Umwelt und Heimat Lünen hält den Bau der Stromtrasse als "Option für künftige Entwicklungen" für unzulässig. Die BI Kontra Kohle Kraftwerk meldet - Stand 14. August - 9126 Unterschriften gegen das Trianel-Kraftwerk.

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