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Der Herr der Pflanzen

LÜNEN Den grünen Daumen muss man für diesen Beruf schon mitbringen. Der kommt nicht, wenn man schon drinsteckt. Johannes Paus (36) weiß wovon er spricht.

von Von Günther Goldstein

, 26.10.2007
Der Herr der Pflanzen

Die gelben Zieräpfel leuchten in der Herbstsonne.

Johannes Paus wurde der grüne Daumen schon in die Wiege gelegt. Heute ist er Baumschulmeister bei Giesebrecht in Niederaden. Während sich die Hobbygärtner in ihrem Wirkungsbereich auf die Winterruhe einstellen, kommt mit dem Beginn des Laubfalls für die Baumschule die Phase der Hochkonjunktur. Jetzt wird geerntet (verkauft), was zuvor gezogen und gepflegt wurde. Egal wie das Wetter oder die Temperatur ist, jetzt muss durchgearbeitet werden, um die eingegangen Aufträge abzuarbeiten.

25 Hektar Land

Das Reich von Johannes Paus umfasst rund 25 Hektar Land, verteilt auf vier Standorte in und um Niederaden. Zusammen mit 12 Mitarbeitern steht er hier praktisch mit rund 100000 Pflanzen ständig auf Du und Du. Stichtag ist jedes Jahr der 15. September, dann gibt es von jedem Baum oder Strauch einen Computer-Eintrag über die Verkaufsmerkmale und den Standort. Das ist wichtig für die Vermarktung, die zum Teil über die westfälische Börse in Münster-Wollbeck geht oder die nationale Börse.

Enge Zusammenarbeit

„Jetzt kommen natürlich auch die Aufträge von Kommunen, Unternehmen, Landschaftsgärtnern und anderen Baumschulen, und da muss schnell gehandelt werden“, berichtet Johannes Paus. „ Eine Baumschule kann nicht alle Pflanzen vorhalten, deshalb gibt es eine enge Zusammenarbeit unter den Betrieben“. Die Niederadener Baumschule hat sich besonders auf Obstgehölze spezialisiert. 50000 Bäume in fünf Alterstufen nehmen den größten Raum ein. Allein fast 100 Sorten Äpfel, unter ihnen viele ganz alte Arten, werden hier veredelt.        

Die Veredelung ist auch die Hauptarbeit im Arbeitsspektrum. Sie beginnt mit dem eingekauften Apfelwildling, der als Unterlage dient. Ihm wird dann im ersten Jahr das Veredelungsauge etwa zehn Zentimeter über dem Boden eingesetzt. „Das ist die Zeit, in der man nur in gebückter Haltung unterwegs ist. Das ist besonders hart für unsere frischen Auszubildenden, die von der Schulbank direkt in diese Phase kommen. Wer das von ihnen übersteht, bleibt bei uns“, schmunzelt der Meister.

Mit grünem Pickup unterwegs

Er selbst ist jetzt mit seinem grünen Pickup unterwegs, um die Bestellungen zu markieren. In Methler verpasst er 22 gelben Scheinzypressen eine blaue Schleife, die zur DEW nach Dortmund gehen sollen. Zwei Stunden später kommt der Ballenschneider und schält die Pflanzen aus dem Boden. Weiter geht es zur B 61 in Bergkamen, wo sechs Mitarbeiter damit beschäftigt sind, die Rosen mit dem Rüttelroder aus dem Boden zu holen und verkaufsfertig zu verpacken. Immer wieder schellt sein Handy, werden neue Bestellungen und Anfragen durchgegeben. Johannes Paus steht unter Volldampf. Die Baumschulflächen liegen weit auseinander, da kommen so einige Kilometer am Tag zusammen.

Unterschiedliche Entwicklungsstufen

Obstbäume stehen in ihren vier unterschiedlichen Entwicklungsstufen an fast allen Standorten. In Lanstrop sind auf einem Stück Land die meisten Alleebäume untergebracht, rund 60 Arten. Unter ihnen auch eine neue entwickelte Kugelsumpfeiche, die ihr buntes Herbstlaub in die Sonne reckt. „Manchmal gibt es Neuzüchtungen, von denen wir gar nicht wissen, ob sie bei den Kunden ankommen“ berichtet der Experte.

Johannes Paus liebt seinen Beruf. „Immer an der frischen Luft und im Herbst oft einen Apfel in der Hand, wenn man in den Kulturen ist, verursachen bei uns einen ganz niedrigen Krankenstand“. Seine Leidenschaft zur Natur und dem Beruf gibt der Mann aus Münster gerne weiter. So betreut er rund 20 Schülerpraktikanten im Jahr, macht mit beim Kindergartentag und am großen Apfeltag und gibt sein Wissen weiter an die derzeit drei Azubis.

Weltweit auf der "Fahndungsliste"

„Mit einer Ausbildung zum Baumschulgärtner steht man weltweit auf der „Fahndungsliste“, die werden überall gesucht. Man muss sich nur überlegen, ob man sich viel bücken will, bei Wind und Wetter arbeiten kann und Lust hat, die lateinischen Namen für die Pflanzen lernen, denn nur mit ihnen kann man sich über alle Grenzen präzise verständigen“, sagt Johannes Paus und freut sich, dass er seinen vierjährigen Sohn auch schon mit seiner Leidenschaft anstecken konnte.

  

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