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Der halbe Bezirksbeamte - Detlef Neßler

Auf Streife

LÜNEN Im Bezirk Brambauer-Mitte ist Detlef Neßler der Chef, obwohl: Eigentlich ist er in ganz Brambauer der Chef. Denn der 57-Jährige ist zur einen Hälfte Bezirksbeamter und zur anderen Leiter der Polizeiwache Brambauer.

von Von Wiebke Plöger

, 23.04.2010

Gegenüber der Brambauer Polizeiwache liegt ein Spielplatz. „Von meinem Büro aus habe ich eine gute Sicht darauf“, erzählt Detlef Neßler. Trotzdem geht der Polizist öfter Mal am Sandkasten vorbei. „Jugendliche und auch einige Erwachsene treffen sich hier abends und trinken dabei Alkohol“, berichtet er. Unter einem Strauch entdeckt der Beamte eine leere Sektflasche. „Das ist eine typische Hinterlassenschaft“, sagt er und fasst die Glasflasche am Hals. „Die werfe ich gleich in den Müllcontainer, schließlich spielen hier Kinder.“

Der Bezirksbeamte läuft an hübsch bemalten Garagentoren vorbei. „Die sind wirklich schön geworden“, findet er, „das Gegenteil ist direkt daneben.“ Die Wände der Garagen sind mit Graffiti beschmiert. „Zusammen mit den Bramis beschäftigen wir uns in einem Aktionskreis mit diesen Schmierereien“, erzählt Detlef Neßler.

Der Bezirksbeamte geht strammen Schrittes weiter, überholt einen Mann, der sein Fahrrad schiebt. „Na“, sagt er und lächelt, „Fahrrad in Ordnung? Darf ich mal sehen?“ Der junge Mann bleibt stehen und überlässt dem Beamten sein Vehikel.Neßler schaut genau hin: „Wo ist denn der Dynamo? Licht ist ja so eine Sache“, sagt er zum Fahrradbesitzer und schaut ihn über die Brillengläser hinweg streng an. Am nächsten Tag soll der junge Mann sein in Ordnung gebrachtes Fahrrad in der Wache vorzeigen. Ein paar Meter weiter trifft der Bezirksbeamte auf Werner Bartsch: „Wie sieht es mit dem Müll an der Ecke aus“, fragt er ihn. „Ach, hörn‘se auf“, antwortet Bartsch, die Ecke Hermann-Schmälzger-/ Gustav-Sybrecht-Straße würde ständig als wilde Müllkippe benutzt.

Im Hof des Kindergartens klettern drei kleine Jungen auf Steinen rum. „Hallo!“, ruft einer dem vorbeilaufenden Polizisten zu. Detlef Neßler bleibt kurz stehen: „Hallo!“, ruft er zurück und winkt. „Cool“, findet der Junge und dreht sich lachend zu seinen Freunden um.

Pünktlich erscheint Detlef Neßler zu einem Nachsorge-Termin. „Vor drei Wochen ist bei der Familie eingebrochen worden“, erklärt er, „ich möchte mal sehen, wie es ihnen geht.“ Ob sie sich in ihrer Wohnung noch sicher fühlten, fragt der Polizist. „Nein, überhaupt nicht mehr“, sagt der Mann. Die Frau fügt hinzu: „Ich kann nachts nicht mehr schlafen.“ „Das ist eine ganz normale Reaktion“, sagt der Bezirksbeamte. Er hat Broschüren mitgebracht: unter anderem Opferbetreuung durch den Weißen Ring und zur Wohnungssicherung. Die Haustür sei vom Vermieter nach drei Wochen noch nicht repariert worden, sie schließe nicht mehr richtig. Detlef Neßler ist empört: „Da werde ich mal nachfragen. Ich kümmer mich drum“, verspricht er.

Eine Aufenthaltsermittlung steht an. Der gesuchte Name steht nicht an der Haustür. „Ich klingel einfach mal und frag mich dann durch“, sagt der Polizist. Er hat Glück. Ja, der wohne hier. Pech nur, dass in der Wohnung des Gesuchten niemand öffnet. Detlef Neßler muss nochmal wiederkommen. Aber er weiß ja jetzt genau, wo der Gesuchte wohnt.