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Entschärfung nach Plan

BRAMBAUER „Es läuft alles nach Plan“, sagt Stadtpressesprecher Reinhold Urner. Noch drei Stunden bis zur Entschärfung der Bombe.

von Von Leonie Schulte

, 19.10.2007
Entschärfung nach Plan

Sprengmeister Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelräumdienst und Martin Tamsel vom Ordnungsamt der Stadt Lünen sind mit dem erfolgreichen Verlauf der Aktion zu frieden.

 Fahrzeuge der Feuerwehr und Johanniter reihen sich auf dem Pausenhof der Achenbach-Schule aneinander. Dort, wo normalerweise Kinder spielen, ist heute die Einsatzzentrale. 

Die Achenbachschule ist eines der beiden Ausweichquartiere für die Anwohner. Hier werden auch die 35 Krankentransporte eintreffen. Denn wer nicht mehr gut zu Fuß ist, wird mit dem Auto oder Krankenwagen aus der Gefahrenzone transportiert.

Darauf ist Erika Marsiske nicht angewiesen. Gemütlich schlendert die 82-Jährige die Otto-Straße entlang; in einer halben Stunde muss sie das Wohngebiet verlassen haben. „Ich geh jetzt über den Friedhof und dann zu meiner Schwägerin“, erzählt die Rentnerin. Angst vor einer Explosion habe sie nicht. „Ich wäre auch hier geblieben. Schließlich habe ich im Krieg was ganz anderes mitgemacht.“

Keine Hektik

Auch ihre Nachbarn lassen die Evakuierung langsam angehen, von Hektik keine Spur. „Ich mache mir keine Sorgen. Warum denn!?“, sagt Zeynep Koc. Sie stapelt gerade die Holzkisten übereinander, denn auch der kleine Gemüseladen muss bis zur Entschärfung schließen.

Michael Bernhard klebt ein kleines Schild an den Briefkasten neben der Eingangstür. „Damit die Polizisten wissen, dass niemand mehr in der Wohnung ist“, erklärt der 24-Jährige und begleitet seine Großmutter zum Auto.

Es ist 11.30 Uhr. Die Blaulichter auf den Polizeiwagen leuchten auf. Beamte in grünen Uniformen riegeln die Gefahrenzone ab. „Es kommt keiner mehr rein, nur raus“, sagt Pressesprecher Urner.

Doch mit dem „raus“ haben es etliche Anwohner nicht so eilig. Die Polizeibeamten kontrollieren die Wohnungen, klingeln. In ihrem Hauseingang steht Siegried Switalski. „Ich muss nur noch die Fenster zu machen und dann bin ich weg“, erklärt sie den Beamten. Ein paar Häuser weiter sucht Heike Jeibmann die letzten Sachen zusammen. Kuscheltiere und Fotos der Pferde sind im Auto bereits gut verstaut. „Ich muss jetzt noch die Kaninchen einfangen“, sagt Jeibmann. „Die Kinder sind schon richtig in Panik.“

Einkaufsbummel

Drei Polizisten stehen bei Martina Wagner vor der Tür. In wenigen Minuten muss alles im Umkreis von 400 Metern geräumt sein. Was die Bombe angeht, zeigt sich die 41-Jährige optimistisch: „Ich denke das wird gut gehen. Ich gehe jetzt jedenfalls mit meiner Tochter Schuhe kaufen.“

Die letzten der insgesamt 2800 Anwohner steigen hastig in ihre Autos. Der Gefahrenbereich ist evakuiert. Um 14 Uhr beginnt die Zeit der Profis vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Rund 40, meist ältere, Menschen sitzen in der Turnhalle der Achenbach-Schule um Tische versammelt. Alle tragen ein Schild mit Namen, Alter, Nationalität und Ort des Sammelplatzes. Nach und nach treffen die Krankentransporte ein. Helfer vom Roten Kreuz schenken Kaffee aus.

Keine 30 Minuten später: Plötzlich geht alles ganz schnell. „Entschärft!“, gibt Urner Anwohnern und Medienvertretern zu verstehen. Die Gefahrenzone ist freigegeben.

500 Kilogramm

Schaulustige und Kamerateams drängen um die Baugrube an der Emil-Stade-Straße. In sieben Metern Tiefe liegt das 500 Kilo schwere Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg.

Langsam wuchtet der Bagger die 63 Jahre alte Bombe aus der Grube. Mit Spaten befreien die Mitarbeiter vom Kampfmittelbeseitigungsdienst den Sprengkörper vom Schlamm. Danach wird er auf einen LKW verladen und fixiert. „Das war eine schwierige Bergung“, erläutert Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelbeseitigungsdienst nach getaner Arbeit. „Wir hatten mit Wasser zu kämpfen. Die Bombe lag halb im Schlamm. Zum Schluss hat aber alles gut geklappt.“

Langsam machen sich die 200 Menschen in der Achenbachschule und dem Bürgerhaus, dem zweiten Ausweichquartier, auf den Heimweg. Derweil ist die Bombe längst auf ihrer letzten Reise.

Auf dem Gelände des Kampfmittelbeseitigungsdienstes wird sie gesprengt. 

       

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