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"Familientreffen" im Kreißsaal

LÜNEN Manchmal ist die Welt eben doch ein Dorf. Zum Beispiel für Hildegard Pfeifer und Elli Romann. Ihre Geschichte von der „kleinen Welt“ beginnt 1942 in Herten. Dort geht Hildegard Pfeifer zur Schule, Elli Romann ist Lehrerin. Beide kennen sich nicht. Zunächst jedenfalls nicht.

von Von Dieter Hirsch

, 21.12.2007
"Familientreffen" im Kreißsaal

Fast so etwas wie ein Familientreffen: Robin Pfeifer, Alexandra König mit Antonia Isabella, Elli Romann, Hildegard Romann und Dr. Donat Romann.

Als die alliierten Luftangriffe nach `42 immer mehr zunehmen, werden beide im Rahmen der Kinderlandverschickung ins bayerische Lenggries gebracht und bleiben dort bis zum Ende des Krieges. Nach dem Krieg findet Hildegard Pfeifer in Lünen eine neue Heimat. Und vor einigen Jahren wird Elli Romanns Sohn, Dr. Donat Romann, Chefarzt der Gynäkologisch-geburtshilflichen Klinik am St.-Marien-Hospital.

Kontakt ist nie abgerissen

 Letzte Woche, am 14. Dezember, bringt Hildegard Pfeifers Tochter Alexandra per Kaiserschnitt im Marien-Hospital eine gesunde Tochter mit Namen Antonia-Isabella zur Welt. Der operierende Arzt: Dr. Donat Romann. Eine gute Gelegenheit für Elli Romann und Hildegard Pfeifer, sich mal wieder zu sehen. Der Kontakt, so erzählen sie, ist in den vielen Jahren nie abgerissen. Aus der Lehrerin, die mittlerweile 87 Jahre ist, und ihrer heute 76-jährigen Schülerin von einst, sind Freundinnen geworden. Für den neuen Erdenbürger hatte Elli Romann beim Besuch auch ein Geschenk in Form einer Bibel im Gepäck.

Erinnerungen an Lenggries

Erinnerungen an Lenggries. „Wir waren mit 80 Kindern in einem Kinderheim der Eisenbahn untergebracht. Insgesamt waren mehrere hundert Kinder in Lenggries verteilt“, erzählt Elli Romann. „Uns ging es eigentlich ganz gut. Wir hatten ausreichend zu essen und wurden unterrichtet. In der Nähe gab es einen Badesee, in dem habe ich Schwimmen gelernt“, so Hildegard Pfeifer, die sich heute noch an die leckeren Rohrnudeln mit Vanillesoße erinnert. Zu Weihnachten zog sie durch das Dorf, erbettelte sich Stoffreste und nähte Weihnachtsgeschenke.

Eltern nicht gesehen

„Meine Mutter konnte mich einmal in den zwei Jahren in Lenggries besuchen. Meinen Vater habe ich zwei Jahre lang gar nicht gesehen“, erinnert sich Hildegard Pfeifer. In die Mutterrolle mussten dann die Lehrerinnen schlüpfen. „Wir haben die Kinder getröstet“, so Elli Romann. Die Angst um die Eltern, vor allem wenn die Kinder von den Bombenangriffen auf das Ruhrgebiet gehört hatten, konnten sie ihnen nicht nehmen. Manche haben ihre Eltern oder einen Elternteil nicht wieder gesehen.

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