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Fingerspitzengefühl der Nachfolgerin

BRAMBAUER Dass Tauwetter einsetzt, sieht man auf dem Gesicht der alten demenzkranken Frau. Langsam weicht das Kalte, Abschätzende, Abweisende aus ihrem Blick. Ihr Lächeln gilt Antje Konietzer. Die neue Leiterin der AWO-Tagespflege ist am Amselweg angekommen.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 09.01.2008
Fingerspitzengefühl der Nachfolgerin

Antje Konietzer macht sich Gedanken, wie ein neuer Raum für die Tagespflege genutzt werden kann.

43 Jahre alt und eine bekennende Verfechterin des „Fingerspitzengefühls“ ist die Nachfolgerin von Andrea Merten, die, eigenen Wünschen folgend, einen neuen Weg beschreitet. Warum Tagespflege? Antje Konietzer echot zurück: „Ja, warum Tagespflege? Weil es eine Herausforderung ist und weil ich versuchen möchte, unseren Gästen den Tag so zu gestalten, dass sie ein wenig Freude empfinden.“

Alles andere als ein Schilfrohr

Vorher war die dreifache Mutter, deren Kinder 20, 18 bzw. 16 Jahre alt sind, nach einem Sabbatjahr Pflegedienstleiterin bei der AWO-Station Marie-Juchacz-Straße.

Antje Konietzer geht nach der beliebten und anerkannten Andrea Merten zwar in breiten Spuren, ist aber alles andere als ein Schilfrohr, das auf den Wind warten würde, um sich zu verbiegen: „Natürlich hat man, wenn man so ein Amt anfängt, auch bestimmte neue Ideen. Aber erst ist Eingewöhnung angesagt. Die Gäste müssen mich mit Vertrauen wahrnehmen und das gilt natürlich auch für meine Kolleginnen.“

Nach neuen Akzenten tasten

Grübelnd tastet die Neue nach Akzenten: Sollte man das Zeitfenster der Tagespflege weiter aufstoßen. Sollte man die jetzige Regelung, wonach die Tagespflege am Amselweg von montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr geöffnet ist, einer eventuell neuen Bedarfslage anpassen?

„Ja“, sagt Antje Konietzer, „das sind so Überlegungen, die man sich stellt. Aber erst müssten natürlich Abfragen gestartet werden, wo der Bedarf liegt.“ Täglich kommen bis zu 12 Gäste in die Tagespflege. Über 70 Prozent sind demenziell Erkrankte.

Lange Spaziergänge zum Abschalten

Wie kann man die Lasten, Menschen sich selbst entgleiten zu sehen, fern halten vom Privaten, Familiären, Kostbaren daheim? „Man muss abschalten können. Sonst funktioniert das nicht.“ Wie schaltet sie ab? „Ich mache lange Spaziergänge mit meinem Hund Sam oder jogge.“ Es gibt für so etwas keinen Zauberschalter. Drücken, zack, Problem weg, zack, heile Welt hergestellt, zack. Die alte demenzkranke Frau auf dem Stuhl in der Ecke, die, auf deren Gesicht man das Einsetzen des Tauwetters so schön beobachten kann, lächelt ihr zu. Antje Konietzer ist in der Tagespflege angekommen.

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