Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Greift das Konzept Streetworking?

BRAMBAUER Mit Streetworking reagiert die Stadt auf die Schließung der Kinder- und Jugendzentren. Wie funktioniert diese mobile Jugendarbeit, eine für die Öffentlichkeit unsichtbare Arbeit? Das wollte Karl-Heinz Knepper von Thomas Strocher im Interview wissen.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 13.12.2007
Greift das Konzept Streetworking?

So groß die Aufgabe, Streeworking im Stadtteil zu etablieren, so motiivierrt geht Thomas Stroscher die Herausforderung an.

Ich bin jetzt mal 17. Ich bin aggressiv, habe die Schnauze voll von allem und suche Hilfe bei einem Streetworker, was tun?

Stroscher: Erstmal sind Sie keine 17 und zweitens kommen die Jugendlichen, um die es geht, nicht zu uns. Das läuft anders herum. Wir suche die auf, wir gehen zu deren Treffpunkten.

Sie können den Phantom-Schmerz verstehen, der nach der Schließung des Kinder- und Jugendzentrums immer noch spürbar ist?

Stroscher : Diesen Phantom-Schmerz spüre ich doch selbst auch. Natürlich wäre ein fester Standort für die offene Arbeit besser. Aber wir mussten nach dem Sparkonzept in der Kinder- und Jugendarbeit massiv sparen. Das erzielte Einsparungspotenzial von ca. 150 000 Euro hat natürlich seinen Preis.

Wie viele Streetworker sind im Einsatz und wie entstehen die Kontakte zu den Jugendlichen?

Stroscher: Wir mit sind fünf Kräften, das sind vier Stellen, gut aufgestellt. Je nach Situation, agieren wir einzeln oder in Gruppen. Der Erstkontakt entscheidet oft, ob man sich weiter was zu sagen hat. Die Hinweise kommen aus der Bevölkerung, das können auch Parteien und Institutionen sein. Nach dem Motto: Kümmert Euch mal um die und die Gruppe.

Da kann´s schon mal Gesellschafts-Alarm geben, wenn drei Jungs mit drei Mopeds an der Ecke stehen und Bier trinken?

Stroscher: Kommt vor. Ja. Leider.

Streetworking lebt von der Anonymität der Arbeit und der Transparenz des Angebotes.

Stroscher: Natürlich haben wir eine Rechenschaftspflicht, auch dem Dezernenten gegenüber. Klar, wir müssen öffentlich wahrnehmbar sein. Wenn Du die Leute draußen einmal enttäuscht, ihr Vertrauen missbraucht hast, bist Du für die verbrannt. Um Kontinuität in das Streetworking zu kriegen, musst Du Dich ganz auf die Leute einlassen, das kann auch mal konfrontativ laufen.

Gibt es eine auffällige rechte Szene?

Stroscher: Momentan würde ich sagen, nein, gibt es nicht. Vor Monaten gab es da im Bereich Königsheide mal ein paar braune Typen.

Kommt Streetworking an Migranten ran?

Stroscher: Ja. Wir unterscheiden zwischen mehreren Gruppen-Strukturen. Da gibt es einmal die rein männlich türkische Gruppe oder die geschlechtsgemischte Spätaussiedler-Gruppe, wir kennen aber auch die Zusammensetzung deutsch-türkische-Spätaussiedler.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Rückzug an kommunaler Jugendarbeit und einer Zunahme des Aggressionspotenzials, Stichwort Amokläufer?

Stroscher: Den sehe ich nicht. Den Typ Amokläufer haben wir nicht in den Jugendzentren gesehen. Glaube ich nicht. Der hat sich zurückgezogen, abgekapselt, hat sein Ding gemacht und was die Aggression angeht, sollten wir Erwachsenen auch mal die eigene Jugend reflektieren. Jugendliche sehen die Welt mit anderen Augen, aber macht sie weder besser noch schlechter.

Lesen Sie jetzt