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Kleine menschliche Begegnungen - mit Ulrich Steinhardt auf dem Wochenmarkt

Auf Streife

LÜNEN Ein freundliches Hallo hier, ein flotter Spruch da, ein kleiner Spaß im Vorbeigehen, wie geht´s der Frau Gemahlin - es sind diese kleine menschlichen Begegnungen, die Ulrich Steinhardt so mag. Ein Privileg der Bezirksbeamten, wie er findet.

von Von Dieter Hirsch

, 16.04.2010

Die Innenstadt südlich der Lippe und die Geist bis hinten zum neuen Kraftwerk ist sein Revier. „Aber meistens bin ich in der Stadtmitte unterwegs.“Heute zum Beispiel ist Markttag. Es ist kurz nach zehn. Bis gerade hat der 55-Jährige am Schreibtisch gesessen. Akten bearbeiten. Gut, es gehört nunmal dazu. Aber jetzt geht es raus ins Revier, unter die Menschen. „Es wird ja behauptet, die Leute würden die Polizei nicht ansprechen. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen.“

Na, alles klar. Wie geht´s? „Nimm die Finger aus der Fritteuse“ frotzelt der Polizeihauptkommissar. Steinhardt weiß,  wie er den Menschen begegnen kann. „Das hat anfangs etwas gedauert. Aber es hat sich gelohnt.“ Vertrauen ist es, das ihm die Leute entgegen bringen. Und das sei das Wichtigste. Dieter Behrend steht mit seinen Käsespezialitäten schon über 50 Jahre auf dem Markt. Ein Gruß ist Pflicht. „Der erste Weg an meinem ersten Tag als Bezirksbeamter führte mich 2004 zu ihm.“ Seitdem pflegen die beiden einen guten Kontakt. „Wo ist denn heute der Metzgermeister?“, fragt Steinhardt. „Dem habe ich gekündigt“, witzelt ein älterer Mann. Nein, ist nur ein Spaß. Heute ist Donnerstag und der Metzger steht donnerstags immer in Fröndenberg. „Gut, dass es ihn gibt“ zwinkert mir Heinz Triebel entgegen. Er sieht seinem 54. Sommer auf dem Lüner Wochenmarkt entgegen und hüpft von einem Bein aufs andere. „Lausig kalt heute.“ Vielleicht sind deshalb nicht so viele Leute auf dem Markt unterwegs. „Auf dem Friedhof ist mehr los“, knurrt ein Händler. Da kann auch Uli Steinhardt nichts machen. Tachendiebe machen ihm Sorge. Kein Riesenproblem , wohl aber für die Betroffenen. Meist sind es ältere Damen, die zu sorglos ihre Geldbörsen in den Taschen tragfen.

Es ist kurz vor 11 Uhr, die erste Marktrunde ist beendet. Ein Gang durch die Fußgängerzone steht an. Uli Steinhardt stoppt eine Radfahrerin. „Sie wissen, dass Sie hier nicht fahren dürfen“, sagt er im freundlichen Ton. „Mit freundlichen Worten erreicht man oft mehr, als mit sofortigen Strafen.“ Natürlich kann er nicht alles durchgehen lassen. „Manchmal hilft nur der Weg über die Geldbörse“. An der Ecke Langestraße/Neuberinstraße steht ein Auto aus Hamburg, der Fahrer schaut sich suchend um und ist froh, als er Uli Steinhardt entdeckt. Einen Zahnarzt suche er. Der Polizist weist den Weg. So entspannt wie in der guten Stunde, die wir nun unterwegs sind,  geht es natürlich nicht immer zu. Zum Beispiel, wenn Haftbefehle ausgeführt werden. Dann werde man nicht gerade wie ein "Freund und Helfer" empfangen. Vor kurzem habe er einen Mann verfolgen müssen und ist dabei gestürzt:  Jacke kaputt, Mann weg, Ellenbogen zum Glück heil geblieben. Aber sonst „ist Bezirksbeamter ein toller Job.“