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Mammographie: Experte beantwortet alle Fragen

LÜNEN 5000 Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten Post. Darin werden sie aufgefordert, am Früherkennungsprogramm von Brustkrebs, dem Mammographie-Screening teilzunehmen. Manche Frauen fühlen sich durch den Brief verunsichert. RN-Redakteurin Magdalene Quiring-Lategahn sprach mit RadiologeDr. Hans-Georg Aberle.

von Von Magdalene Quiring-Lategahn

, 15.08.2007

Ist die Untersuchung verpflichtend? Durch das Anschreiben entsteht der Eindruck, eine Frau müsste zur Mammographie? Dr. Aberle: Es handelt sich um keine Pflichtuntersuchung. Auch in dem Schreiben ist klar formuliert, dass es sich um eine freiwillige Untersuchung der eingeladenen Frauen handelt.

Welche Gefahren gehen von den Röntgenstrahlen aus?Dr. Aberle: Untersuchungen mit Röntgenstrahlen müssen restriktiv und dürfen nur von speziell ausgebildeten Ärzten und Praxen angewendet werden. Wichtig ist eine genaue Indikationsstellung, die insbesondere in Bezug auf die Mammographie sehr streng ist. Theoretisch besteht die Möglichkeit der Schädigung des Erbgutes. Dies gilt insbesondere für junge Frauen. Außerdem kann es zu einer Schädigung des Gewebes kommen, so dass nach vielen Jahren ein Tumor entstehen kann. Beide Gefahren sind bei enger Indiktationsstellung als äußerst gering zu beurteilen und für den einzelnen nicht abzuschätzen. Diese Gefahren werden in der Bevölkerung überschätzt. Kurz gesagt gilt folgendes: Je älter eine Frau oder ein Mann ist, desto weniger besteht die Gefahr der Schädigung durch Röntgenstrahlen.

Kann die Untersuchung Krebs auslösen?Dr. Aberle: Wie oben beschrieben, besteht die Möglichkeit der Gewebeschädigung, so dass Krebs ausgelöst werden kann. Bei der Mammographie bezieht sich dies nur auf die Brust. Im Untersuchungsalter jenseits von 50 Jahren ist aber die Gefahr der Schädigung so gering, dass sie auch statistisch vernachlässigt werden kann.

Ist jede entdeckte Kalkablagerung schon krankhaft?Dr. Aberle: Es gibt zahlreiche Kalkablagerungen in der Brust, die zu einem weitaus größten Teil gutartig sind. Die tumorspezifischen Verkalkungen sind äußerst gering anzutreffen, dienen aber gerade in der Mammographie als Wegweiser zur Entdeckung von frühen Krebsformen, die nur in der Mammographie sichtbar sind und bei frühzeitiger Behandlung eine deutliche Prognosebesserung bzw. Möglichkeit der Heilung erwarten lassen.

Nimmt man Frauen nicht ein Stück Lebensqualität, wenn sie nach einem Anfangsverdacht tagelang auf das Ergebnis warten müssen?Dr. Aberle: Beim Mammographiescreening handelt es sich um eine Reihenuntersuchung zur Erkennung von möglichst frühen Krebsformen in der Brust. In Deutschland wurde ein relativ kompliziertes Verfahren entwickelt, um eine möglichst genaue Treffsicherheit zu erzielen (z.B. Beurteilung der Mammographie durch zwei völlig unabhängige Befunder an unterschiedlichen Orten). Dies hat einen größeren zeitlichen Aufwand zur Folge, der sich nicht verkürzen lässt. Dies bedeutet möglicherweise für einzelne Frauen eine psychische Belastung. Das muss der Frau aber bewusst sein, wenn sie sich zur Teilnahme am Screening-Programm entschließt.

Bedeutet jedes Ergebnis gleich Operation?Dr. Aberle: Ich gehe davon aus, dass hier gefragt ist, ob eine Operation notwendig ist, wenn ein auffälliger Befund vorliegt. Die Antwort lautet eindeutig: Nein. Nur ein sehr kleiner Teil der auffälligen Befunde gelangt tatsächlich zur OP.

Wird durch den psychologischen Stress der Krebs begünstigt?Dr. Aberle: Nein, es gibt entsprechende Studien, die dies klar verneinen.

Werden Frauen nicht fixiert auf eine Krankheit, die sie gar nicht betreffen muss?Dr. Aberle: Die Teilnahme zum Mammographiescreening ist freiwillig. Meint eine Patientin, dass sie psychisch dem nicht gewachsen ist, so sollte sie mit ihrem Gynäkologen oder Hausarzt darüber sprechen. Eine Überreaktion einer Frau anlässlich einer solchen Untersuchung kann ich individuell allerdings nicht ausschließen, kommt aber selten vor.

Was ist, wenn sich Frauen nicht operieren lassen wollen?Dr. Aberle: Die Teilnahme ist freiwillig, die Frau sollte, wenn sie am Screening-Programm teilnimmt, auch die daraus resultierenden Konsequenzen wie mögliche weitere Abklärung oder Operation akzeptieren. Falls sie dazu nicht bereit ist, erscheint eine Teilnahme am Screening-Programm nicht sinnvoll.

Bekommen Frauen durch das Quetschen der Brust einen Hängebusen?Dr. Aberle: Die Kompression der Brust während der Mammographie ist notwendig, um optimale Bilder und insbesondere eine geringe Strahlenbelastung für die Brust zu erzielen. Eine Beeinflussung im Sinne der Entstehung eines "Hängebusens" besteht nicht.

Warum gibt es keine Reihenuntersuchungen für Männer? Ist das Screening ein Mittel, um Frauen zu instrumentalisieren?Dr. Aberle: Hierbei handelt es sich um eine provokante Frage. Für die Einführung des Mammographiescreenings haben sich insbesondere zahlreiche Frauengremien und auch weibliche Mitglieder von Parteien stark gemacht. Durch die Einführung des Mammographiescreenings erwartet man einen deutlichen Rückgang der Todesfälle durch diese Erkrankung. Ich wüsste nicht, welches Organ bei den Männern eine entsprechende Funktion ausübt. Die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchung in Bezug auf Prostataerkrankungen bei Männern ist bekannt, ähnlich auch die Erkrankung des Dickdarms.

Warum gerade das Alter 50 bis 69?Dr. Aberle: Die Brust ist in dieser Altersgruppe gegen Röntgenstrahlen relativ unempfindlich, die Induktion eines Brustkrebses äußerst gering und die Zahl der Brustkrebs-Neuerkrankungen relativ hoch, so dass eine Besserung der Heilungschancen am ehesten erwartet werden kann.

Lebt nicht die, die sich nicht mit dem Thema Krankheit beschäftigt, viel glücklicher?Dr. Aberle: Selbstverständlich, solange sie nicht krank wird.

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