Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Napoleons Todesbefehl

Cappenberg In der ersten Folge unserer Serie zum 250. Geburtstag des Freiherrn vom Stein geht es um die Familien-Wurzeln.

09.08.2007

Urlaub in Nassau? Stirnrunzeln, dann ein Grinsen. Ah, Nassau Bahamas. Toll. Nein, Nassau an der Lahn ist gemeint, zwei Autostunden von Cappenberg entfernt. Wenn man über die Höhen des Westerwaldes zur Lahn herunter steigt und einen ersten Blick auf das beschauliche Städtchen bekommt, fällt sofort der spitze Bergfried der Burg Nassau ins Auge. Erreicht man dann das Zentrum, rollt man unweigerlich am Stadtschloss vorbei. Mit den einstigen und jetzigen Bewohnern dieser beiden Bauwerke steigt man tief in die deutsche Geschichte ein.

Reichsritter

Es ist Heinrich Friedrich Karl vom Stein, der hier im Stadtschloss der Reichsfreiherren von und zum Stein am 26. Oktober 1757 als neuntes von zehn Kindern das Licht der Welt erblickte. Seine Familie waren rheinische Reichsritter, die zunächst als Burgmannen den Grafen von Nassau dienten. Seit dem 14. Jahrhundert besaßen sie unterhalb der Burg Nassau eine eigene Burg. Ihre Überreste kann man heute unweit des Steindenkmals am Burgberg sehen. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben und das Stadtschloss errichtet. Durch Besitz größeren Landes sowie mehrerer Güter und zweier Dörfer war die Familie reichsunmittelbar und nur dem Kaiser unterworfen.

Staatsdienst

Vor diesem Hintergrund wuchs der adlige Spross auf, der schon in jungen Jahren von sich reden machen sollte. Sein Vater, Kur-Mainzer Kammerherr, erkannte die Fähigkeiten seines Sohnes und ernannte ihn mit 23 Jahren zu seinem Erben. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits im preußischen Staatsdienst dem König aufgefallen. Über die Leitung des Oberbergamtes in Wetter an der Ruhr und die Präsidentschaft der Märkischen Kriegs- und Domänenkammer in Hamm gelangte er zu seinem ersten Ministerposten in Berlin 1804. In der Auseinandersetzung mit Napoleon konnte vom Stein König Friedrich Wilhelm III. nicht von seiner Linie überzeugen und musste im Januar 1807 seine Entlassung hinnehmen.

Auszeit genutzt

Diese "Auszeit" nutze der Freiherr, um im heimischen Stadtschloss seine "Nassauer Denkschrift" zu verfassen, deren reformerischer Inhalt nach seiner Wiederberufung im folgenden Oktober an der Seite von Hardenbergs in die Tat umgesetzt wurde. In Preußen galt seitdem die Freiheit der Person und des Grundeigentums, die Bauern wurden von ihrer Erbuntertänigkeit befreit, Städte und Gemeinden erhielten eine Städteordnung und Selbstverwaltung.

Mit seinen Plänen für einen deutschen Volksaufstand gegen Napoleon brachte sich vom Stein in Lebensgefahr. Der Franzose gab den Befehl, den Freiherrn bei seiner Ergreifung zu erschießen. Dieser flüchtete nach Osteuropa und gelangte schließlich an den Hof von Zar Alexander, dessen Berater er wurde. Erst nach der Absetzung des Korsen konnte er in sein geliebtes Nassau zurückkehren.

Freiheitsturm

Am Stadtschloss lohnt sich ein Besuch im Freiheitsturm. Magnetische Wirkung hat natürlich die Burg Nassau. Von ihrem 33 Meter hohen Bergfried hat man einen weiten Blick ins Land und im großen Rittersaal kann man den Stammbaum derer zu Nassau-Oranien bewundern, der in oberster Reihe Königin Beatrix der Niederlande und den Großherzog von Luxemburg nennt.

Günther Goldstein

Lesen Sie jetzt