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Stütze Stock

BRAMBAUER Der Schlaganfall hat Helmut Schmidt (68) den Fluss der Rede, das flinke Wort genommen, nicht aber seine Verdienste als Chronist. Verlegen schiebt der 68-Jährige dem Reporter einen gebundenen Schatz über den Tisch: „Neubeginn nach 1945. Die IGBE-Ortsgruppen in Brambauer“.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 28.12.2007
Stütze Stock

Alter Glanz, alter Pütt, alte Zeiten: Die 1992 stillgelegte Schachtanlage Minister Achenbach. Die IGB(C)E-Chronik von Helmut Schmidt wurzelt hier, wo Tausende von Bergleuten über viele Jahrzehnte das schwarze Gold gefördert haben.

Die von Schmidt vor Jahren verfasste Geschichte der an Zahl und Einfluss einmal mächtigen Bergbau-Gewerkschaft spiegelt in Fakten und Ereignissen den schrittweisen Kraftverlust der Arbeitnehmervertretung, je mehr sich der Steinkohlenbergbau verabschiedet hat. Helmut Schmidt erinnert an die ehedem vier Ortsgruppen, von denen nur eine (mit den Angestellten, zwei) übrig geblieben sind. Vorsitzender der IGBCE-Ortsgruppe ist seit Jahren Manfred Pöhland.

In Helmut Schmidts IGBE-Chronik spielt Adolf Stock, der spätere Lüner Oberbürgermeister und Vater der früheren stellvertretenden Bürgermeisterin, Rosel Schmidt (Foto), eine für die Wiedererstarkung von SPD und AWO in Brambauer maßgebliche Rolle: „Da Adolf Stock bis 1933 Betriebsratsvorsitzender von Schacht IV auf Minister Achenbach gewesen war, wurde er nach dem Krieg fast selbstverständlich zum Ansprechpartner für die früheren Kollegen des Betriebsrates und die alten Gewerkschaftsfunktionäre. Hinzu kam, dass Adolf Stock, wie auch seine Frau May, englisch sprach und somit die ersten Verbindungen zu den eingesetzten britischen Kommandanten aufnehmen konnte.“

Lange Gespräche

Schmidt hat in langen Gesprächen mit Stocks Tochter, der engagierten Sozialdemokratin Rosel Schmidt, die damaligen Verhältnisse erkundet.

In der IGBE-Chronik schreibt er u.a.: „Wegen der schlechten Ernährungslage 1945, so weiß Rosel Schmidt zu berichten, war die Arbeitsmoral der Bergleute, von denen der gesamte Wiederaufbau abhing, nicht gerade begeisternd.. .Adolf Stock war deshalb wiederholt bei dem zuständigen Vertreter der britischen Militärregierung, der nun auf Minister Achenbach seinen festen Platz hatte, vorstellig geworden. Rosel Schmidt erinnert sich, dass ihr Vater dabei eine Hartnäckigkeit gegenüber dem Kommandanten an den Tag gelegt hat, dass er zeitweise des Zechenplatzes verwiesen wurde.“

Erste Betriebsratsvorsitzende auf der Zeche Minister Achenbach waren nach dem Krieg Bruno Zenker auf Achenbach I/II und August Martin auf Schacht IV.

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