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Tatort richtiges Leben

LÜNEN Im Tatort aus Köln spielt er den Gerichtsmediziner, im Hauptberuf ist er Gefängnisarzt. Joe Bausch ist einer, der weiß, was Gewalt mit Menschen macht. Im Film und im richtigen Leben.

von Von Peter Fiedler

, 14.12.2007
Tatort richtiges Leben

Die Schauspieler Dietmar Bär, Klaus J. Behrendt und Joe Bausch warten als "Medical Team" vor einem Stadtgefängnis in Manila auf Einlass. Sie werden von einer philippinischen Sozialarbeiterin von PREDA und den Mitarbeitern eines Filmteams von Stern TV begleitet.

Damit erfüllte er das ideale Anforderungsprofil, als Heike Okroy (Stadt Selm) und Jörg Stelten (Stadt Lünen) einen Partner für ein Anti-Gewalt-Training suchten, wie es bislang einmalig ist im Kreis Unna: Die fünf Monate währende Intensiv-Maßnahme soll vier verurteilte junge Gewalttäter im Alter von 16 bis 21 Jahren dazu bringen, künftig gewaltfrei durchs Leben zu gehen.

Überraschungsgast

Donnerstagabend war Joe Bausch der Überraschungsgast. Er konfrontierte die Jungs mit unangenehmen Wahrheiten. Mit dem Leid der Opfer. Mit dem Alltag im Knast. Mit dem Beispiel eines Häftlings, der schon 29 Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und dessen kriminelle Karriere so begonnen hat wie die der vier jungen Leute. „Ich will nicht, dass auch sie Kinder des Vollzugs werden“, begründete der 54-Jährige sein (kostenloses) Engagement für das Projekt. Und nannte einen weiteren, ökonomischen Grund: Ein Tag im Knast koste den Steuerzahler 80 bis 140 Euro, da sei es besser, alles daran zu setzen, dass junge Leute erst gar nicht dort landen.

Die vier Teilnehmer der Maßnahme hatte der Jugendrichter vor die Wahl gestellt: Entweder Anti-Gewalt-Training oder Jugendhaft bzw. Jugendarrest. Sie entschieden sich für das Training.

„In dem Training versuchen wir, die Legitimationsmechanismen für Gewalt zu löschen und durch andere zu ersetzen“, erläuterte Jörg Stelten, wie seine Kollegin Heike Okroy ausgebildeter Anti-Aggressivitätstrainer.

Provokation und Konfrontation sind Teile des Konzepts. Gezielt soll der Blick der Gewalttäter auf die Opferperspektive gelenkt werden: „Wir arbeiten mit den Tätern im Auftrag der Opfer“, formulierte es Heike Okroy.

Beim TPI dabei

Dass die Maßnahme „keine aufwändige Psycho-Geschichte“ ist, sondern auf konkrete Verhaltensänderung setzt, überzeugte auch Joe Bausch, der seine Teilnahme spontan zusagte.  Als Schauspieler ist er den Lünern übrigens kein Unbekannter, wirkte er doch Mitte der 80er Jahre im Ensemble des Theater-Pathologischen Instituts (TPI) mit.

Für Ludger Trepper, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend, Familie, ist der schauspielernde Arzt „ein sehr schöner Promoter“ für das Anti-Gewalt-Training. 

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