Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Victoria-Gelände: Hallen werden zu Haufen

LÜNEN Ade, du alte Bergbauherrlichkeit: Von Victoria ist nichts mehr da. Fast nichts mehr. Seit September letzten Jahres reißen die Bagger auf dem ehemaligen Zechengelände eine Halle nach der anderen nieder.

von Von Peter Fiedler

, 01.08.2007

 

Hallen werden zu Haufen. Berge aus Ziegelbruch und Beton türmen sich auf der 12 Hektar großen Fläche. Eben das, was übrig bleibt, wenn die Baumaschinen ihr zerstörerisches Werk verrichten.

Mobile Brecheranlage

"In einigen Wochen werden wir eine mobile Brecheranlage hier haben, die das Material weiter zerkleinert", berichtet Konstantin Lehnert, Projektleiter der Montan-Grundstücksgesellschaft (MGG). Die Brecheranlage wird Ziegelsteine und Beton zu maximal 10 Zentimeter großen Stücken zermalmen.

Mit dem Bauschutt, erläutert Lehnert, sollen die Hohlräume verfüllt werden, die sich beim Abriss auftun. Denn die Keller mancher Hallen reichen sechs bis acht Meter tief in die Erde. Der Projektleiter geht bereits von einem Bauschuttdefizit aus. Heißt: Es fällt wahrscheinlich nicht genug Abrissmaterial an, um die Hohlräume zu verfüllen. Dann müsste Bauschutt von auswärts herangefahren werden.

Denn längst nicht alle Überreste der Gebäude taugen als Bauschutt. Lehnert zeigt ein Stück Beton, auf dem eine schwarze Schicht haftet. Wahrscheinlich ein Fall für die Sondermülldeponie.

Ein Schadstoffkastaster wurde erstellt, das die verschiedenen auf dem Gelände festgestellten oder vermuteten Schadstoffe auflistet. Und die Maßnahmen, wie mit ihnen umzugehen ist. Umweltgutachter Markus Keus (Foto) von der Firma Ruhr-Analytik zählt auf: "3000 Kubikmeter Dachflächen, 700 Kubikmeter Asphaltbelag, 1500 Kubikmeter belasteter Beton." Diesen Dingen gilt seine besonderes Aufmerksamkeit. Keus ist ständig auf der Baustelle präsent.

Neben Schadstoffen geben die Überreste der Gebäude auch Wertvolles preis. Metalle zum Beispiel. Rohre, Leitungen etc. werden verkauft, was die MGG angesichts der derzeit hohen Rohstoffpreise freut. Denn die Verkaufserlöse mindern die Gesamtabbruchkosten.

Was das wertvolle Kupfer betrifft, haben sich offenbar schon Andere bedient. "Hier war nicht ein Stück Kupfer mehr auf der Fläche", so Lehnert.

Dafür entdeckten die Bauarbeiter andere Dinge. Viele Golfbälle zum Beispiel. Der Projektleiter vermutet, dass auf der Victoria-Fläche Cross-Golfing gespielt wurde, eine abgedrehte Variante des Golf, bei der über "Stock und Stein" gespielt wird und der Ball zum Beispiel in einer Baggerschaufel versenkt werden muss.

Geländeeigentümer MGG hat die Abbrucharbeiten an die Firma Heitkamp vergeben. Die hat phasenweise bis zu 30 Mitarbeiter vor Ort. Konstantin Lehnert rechnet mit reinen Abbruchkosten von 1,5 Mio. Euro. Hinzu kommen Entsorgungs- und Gutachterkosten.

Vielleicht Glühwein?

Im Oktober/November soll alles erledigt sein. Theoretisch. Denn ein Abbruch in diesen Dimensionen birgt immer Überraschungen. Zum Beispiel die, dass eine Leitungstrasse, die entfernt werden muss, unter der Grubengasanlage verläuft, die stehen bleibt. "Vielleicht", meint Lehnert, "treffen wir uns Weihnachten noch zum Glühweintrinken hier."

 

Lesen Sie jetzt