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Vögel stehen auf Knödel

LÜNEN In der kalten Jahreszeit sind sie überall in den Bäumen zu finden, aufgehängt von tierlieben Menschen: Meisenknödel. Sie dienen vielen Vögeln als Speise, helfen ihnen, über den Winter zu kommen. Doch wo kommen diese Körner-Leckerbissen her?

von Von Günther Goldstein

, 14.12.2007

Wenn auch der Winter uns bis jetzt seine wirklich kalte Schulter noch nicht gezeigt hat, wo er das Land unter einer Eis und Schneedecke erstarren lässt, so ist schon für unsere gefiederten Gartenfreunde schon seit Wochen „Schmalhans“ der Küchenmeister. Ständig auf Futtersuche, den sinkenden Temperaturen und dem kalten Regen trotzend, erregen sie unser Mitgefühl und vielleicht auch einen Hauch von schlechtem Gewissen, weil wir es so schön warm haben und immer einen vollen Kühlschrank.

Auch Spatzen, Drosseln und Co. stehen darauf

      Und dann liegen sie in den letzten Wochen wie aus dem Nichts schon im Eingangsbereich unseres Supermarktes auffordernd vor uns: Meisenknödel, Fettringe und Körnerfuttermischungen. Unser Unterbewusstsein signalisiert: Zugreifen. Hängen sie dann im Vogelhaus oder auf dem Balkon, wird es warm ums Herz, wenn sich Meisen, Rotkehlchen, Spatzen, Drosseln und Co. daran gütlich tun. Hergestellt werden die Objekte gefiederter Begierde in großem Umfang in Lünen-Horstmar in den Hallen von „Werner Tiernahrung“ an der Preußenstraße. Und da brummt es zur Zeit richtig, denn jetzt ist Saison.

Viertgrößter Hersteller in Europa

Vor 19 Jahren hat Karl-Ernst Giesebrecht den damals kleinen Betrieb für Vogelfutter von Helmut Gauda übernommen, in dem Meisenknödel mit speziellen Zangen hergestellt wurden. Heute ist das Unternehmen der viertgrößte Hersteller von Meisenknödeln und Co. in Europa und muss sich derzeit gegen die wachsende Konkurrenz aus Osteuropa positionieren. In diesen Wochen läuft die Knödelproduktion auf höchsten Touren. In der Regel wird in zwei Schichten von 6 bis 23 Uhr gearbeitet. Es gibt aber auch Tage mit drei Schichten. Dann rollen rund 300 000 Stück über die Bänder in die Verpackung. Das macht im Jahr die stolze Summe von 30 Millionen Knödeln, die 4000 Tonnen auf die Waage bringen.

1000 Tonnen Rindertalg in Lebensmittelqualität

Für diese Leistung sind fast 50 Mitarbeiter und viele Maschinen erforderlich. Und gigantische Mengen an Rohmaterial. Es beginnt mit 1000 Tonnen Rindertalg in Lebensmittelqualität. Er kommt flüssig in Tankwagen mit etwa 60 Grad Temperatur aus deutschen Fettschmelzen nach Horstmar und wird in Chargen von 25 Tonnen verarbeitet. Nach einem eigenen Rezept wird dem Talg eine Mischung aus Sämereien zugegeben. Diese Rohmasse wird in kugelförmige Höhlen einer sich schnell drehenden Trommel gepresst, die Rohform des Meisenknödels ist damit fertig. Jetzt geht es auf einem in vielen Schleifen laufenden Transportband durch den Kühlraum und dann in den obere Etage. Von einer langen Rinne plumpsen die Bällchen in ein Kunststoffrohr, an dessen Ende das Netz auf sie wartet, in dem sie dann im Futterhaus aufgehängt werden können. Und weiter geht es über Bänder und durch lange Rohre bis in die Verpackung, wo sie für ihre Bestimmungsländer in dem kühleren Teil Europas in Kartons verschwinden.

Neustes Produkt sind Kokusnuss-Schalen

Die Saison der maschinell hergestellten Meisenknödel läuft von September bis in den Januar. Die andere Zeit im Jahr beschäftigt sich die Mannschaft mit der Fertigung von anderen Spezialitäten. Da sind zuerst die Meisenringe, die in Gummiformen eingelegt und dann gegossen werden. Oder die Riesenzapfen oder Futterstangen aus speziellen Körnermischungen. Das neuste Produkt sind Kokusnussschalen, die mit der Talg/Sämereien Mischung gefüllt sind und mit einem Hanfseil aufgehängt werden. Dafür wurden aus Indien 100 000 leere Kokusnüsse eingekauft. Aus aller Herren Länder kommen auch die Kerne und Körner. Die Erdnüsse stammen aus Südafrika, China oder Argentinien, Sonnenblumenkerne werden aus Russland, Ungarn oder Bulgarien bezogen. In den großen Stahlsilos lagern weiterhin Weizenflocken, Hirse, Leinsamen und anderes mehr.

Firma steht auf zwei gesunden Beinen

Natürlich sind auch die Bestandteile eines Meisenknödels der erheblichen Preissteigerung auf dem Lebensmittelmarkt ausgesetzt gewesen, was das Geschäft in dieser Saison nicht gerade leicht macht. Doch die Firma von Karl-Ernst Giesebrecht steht schon lange auf zwei gesunden Beinen. Neben der „Werner Tiernahruung“ (hat mit der Stadt Werne zu tun) gibt es im gleichen Komplex noch das LZL, einen Großhandel für Tiernahrung, in dem sich 16000 verschiedene Produkte bis unter das Hallendach stapeln.

  

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