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Richter legt sich nach Freispruch-Plädoyer nicht fest

Verfahren um Tod des kleinen Nils

Überraschend hatte die Staatsanwaltschaft im Verfahren um den Tod des Säuglings Nils zuletzt Freispruch gefordert. Auf einen Antrag der Verteidigung reagierte das Gericht aber nicht.

Lünen/Dortmund

, 18.04.2018
Richter legt sich nach Freispruch-Plädoyer nicht fest

Im Gebäude des Landgerichts Dortmund wird seit Jahren verhandelt. Jetzt kommt langsam das Urteil in Sicht. © Dieter Menne

Auch nach den überraschenden Plädoyers der Staatsanwaltschaft zieht sich der Prozess um das Schicksal des im Sommer 2010 verstorbenen Säuglings Nils weiter in die Länge. Die Richter wollten am Dienstag nicht durchblicken lassen, ob sie den Fall ähnlich bewerten und die angeklagte Mutter aus Lünen in allen wesentlichen Punkten freisprechen wollen.

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Verteidiger Rüdiger Deckers hatte sogar einen förmlichen Antrag gestellt, mit dem er die Richter dazu bringen wollte, Farbe zu bekennen. Doch der Vorsitzende Wolfgang Meyer ging darauf nicht ein. „Wir sind nicht dazu verpflichtet, den übrigen Verfahrensbeteiligten einen solchen Hinweis zu geben“, sagte der Richter. Davon abgesehen, seien er und seine vier Richterkollegen aber auch inhaltlich gar nicht dazu in der Lage. „Die Schlussberatung dieses Falles steht noch aus“, sagte Meyer.

„Das kam überraschend“

Damit müssen die Angeklagte und deren Freunde und Angehörige weiter bangen. In der vergangenen Woche hatten sie erstmals seit langem so etwas wie Hoffnung verspürt. Dass Staatsanwalt Felix Giesenregen nach mehr als vier Jahren Prozessdauer nämlich auf einen Freispruch in allen wesentlichen Aspekten plädieren würde, hatten sie nicht erwartet. „Das kam völlig überraschend“, räumte am Dienstag auch Verteidiger Rüdiger Deckers ein.

Der Staatsanwalt hatte am Ende lediglich eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung beantragt. Die Mutter solle eine Geldstrafe auf Bewährung dafür erhalten, dass sie Nils ein zu heißes Körnerkissen auf die Brust gelegt hatte, als sich sein Zustand bereits dramatisch verschlechtert hatte.

Ursache muss offen bleiben

Wie sich das Baby den letztendlich tödlichen Schädelbruch mit Hirnblutung zugezogen hat, muss nach Ansicht von Staatsanwalt Giesenregen offen bleiben. Es gebe Hinweise darauf, dass das Kind geschüttelt und mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen worden sein könnte. Man könne aber nicht zweifelsfrei ausschließen, dass die Version der Angeklagten richtig sei und das Kind in einem unbeobachteten Moment aus dem Elternbett auf den Laminatfußboden gefallen sei.

Ob in zehn Tagen nun die Verteidiger ihre Plädoyers halten, ist noch unklar. Anwalt Deckers hat noch „Beratungsbedarf mit meiner Mandantin“ und will erst anschließend entscheiden, ob er noch weitere Beweisanträge stellen will.