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Experte glaubt nicht an Schütteln

Tod von Säugling Nils weiter Thema vor Gericht

Im Prozess um den Tod des kleinen Nils wurde noch ein Sachverständiger vernommen. Dr. Jakob Matschke hat eine klare Meinung zur Sachlage, die mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft teilt.

Lünen/Dortmund

07.05.2018
Experte glaubt nicht an Schütteln

Vor dem Landgericht Dortmund wird seit Jahren verhandelt.Menne (A) © Dieter Menne

Im Prozess um den tragischen Tod des sieben Monaten alten Säuglings Nils ist am Montag tatsächlich noch ein weiterer Sachverständiger vernommen worden. Dr. Jakob Matschke gilt als einer der führenden Experten, wenn es darum geht, ein Schütteltrauma als Todesursache zu erkennen. Im Fall von Nils sagte er deutlich: „Nach den mir vorliegenden Unterlagen gibt es keinerlei belastbare Hinweise für das Vorliegen eines Schütteltraumas.“

Die Staatsanwaltschaft hatte der Mutter des Säuglings aus Lünen ursprünglich genau diesen Vorwurf gemacht. Die Frau soll ihr Baby im Sommer 2010 heftig geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen haben. Nur so seien die Verletzungen zu erklären. Die Angeklagte behauptet dagegen, Nils sei aus dem Elternbett auf den Laminatboden gefallen und habe sich dabei den letztendlich tödlichen Schädelbruch zugezogen.

Keine medizinischen Auffälligkeiten

Auch der Hamburger Privatdozent Matschke ist sicher, dass allein der Schädelbruch und die daraus folgende Hirnblutung todesursächlich waren. An ein Schütteln glaubt er vor allem aus einem Grund nicht. „Wenn ein Kind stark geschüttelt wird, wird es in der Regel auch sofort danach medizinisch auffällig“, sagte er. Nils soll aber noch über mehrere Stunden lang zunächst wenige Anzeichen einer Beeinträchtigung gezeigt haben. Der Tod trat dann auch erst 24 Stunden später in der Dortmunder Kinderklinik ein.

Matschke sagt nun: „Nach einem starken Schütteln stirbt das betroffene Kind in der Regel sehr schnell, weil es zu einem sofortigen Atemstillstand kommt.“ Es sei nicht vorstellbar, dass Nils in diesem Fall noch mehrere Stunden lang fast keine Symptome gezeigt hätte.

Freispruch beantragt

Inzwischen ist sogar die Staatsanwaltschaft der Meinung, dass man der Angeklagten ihre Unfallversion wohl nicht zweifelsfrei widerlegen kann. Sie hat in ihrem Plädoyer bereits einen Freispruch von allen wesentlichen Vorwürfen beantragt (wir berichteten).

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Wie die Richter den Fall bewerten, steht indes auf einem anderen Blatt. Sie hatten zunächst sogar entschieden, den Gutachter Matschke gar nicht zu laden. Erst auf Betreiben der Verteidiger Rüdiger Deckers und Christian Koch kam der Experte am Montag ins Gericht.