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Lufthansa profitiert kräftig von Air-Berlin-Pleite

Die Lufthansa ist 2017 auch wegen der Air-Berlin-Pleite kräftig gewachsen. Nun kann sie aber weitere Jets nicht so schnell in die Luft bringen, wie sie das eigentlich möchte.

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Frankfurt/Main

, 15.03.2018
Lufthansa profitiert kräftig von Air-Berlin-Pleite

Carsten Spohr lenkt die Lufthansa seit 2014 und ist vom Aufsichtsrat jüngst für fünf weitere Jahre bis Ende 2023 als Vorstandschef bestellt worden. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv

Lufthansa hat die Pleite der Konkurrentin Air Berlin genutzt und 2017 einen Rekordgewinn eingeflogen. Dass im laufenden Jahr die Gewinne nicht mehr ganz so üppig sprudeln, liegt Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge an den um 700 Millionen Euro steigenden Kerosinkosten und Engpässen beim geplanten Wachstum.

Aus der Übernahme großer Teile der Air-Berlin-Flotte werde man im laufenden Jahr wegen der Anlaufkosten noch leichte Verluste realisieren, rechne aber ab 2019 Jahr mit positiven Beiträgen, sagte der Airline-Chef am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt.

Lufthansa habe trotz der wettbewerbsrechtlichen Auflagen der EU ihr ursprüngliches Ziel bei der Air Berlin-Übernahme erreicht, erklärte Spohr. 77 der zuletzt 144 Air-Berlin-Flieger seien inzwischen für den Lufthansa-Konzern unterwegs, 52 davon bei der stark wachsenden Tochter Eurowings.

„Wir hätten gerne ganze Betriebe übernommen“, spielte Spohr auf die von der EU-Kommission unterbundene Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki an, die nun wieder von ihrem Gründer Niki Lauda betrieben wird. Mit dessen neuer Gesellschaft Laudamotion steht die Lufthansa Spohr zufolge kurz vor einem Abschluss: Sie will dem Österreicher 8 bis 10 Airbus-Jets vermieten, damit diese samt Crews für die Eurowings fliegen können. Details will Lauda am Freitag in Wien berichten.

Der Lufthansa-Konzern mit zuletzt 728 Flugzeugen hat zudem die Wachstumspläne für das laufende Jahr leicht zusammengestrichen. Das Flugangebot soll jetzt nur noch um 9,5 Prozent statt wie bislang geplant um 12 Prozent steigen. Spohr räumte ein, dass auch wegen der Kapazitätssteigerungen anderer Anbieter stellenweise eine Blase drohe. Das gelte aber vor allem für Märkte, in denen Lufthansa nicht so stark vertreten sei. Neben Lufthansa haben auch die Gesellschaften British Airways, Air France, Ryanair und Easyjet angekündigt, ihr Programm auszuweiten.

Als Gründe für den stockenden Flottenaufbau nannte der Lufthansa-Chef Lieferprobleme der Flugzeughersteller. Sowohl die Airbus A320neo als auch die neue C-Serie von Bombardier liefen nicht so schnell zu wie geplant. Dazu kamen noch Probleme bei der A320neo mit Pratt-Triebwerken, die Lufthansa aus Sicherheitsgründen für mehrere Tage am Boden ließ. Auch bei der Einstellung und Schulung neuer Flugzeugbesatzungen geht es nicht so schnell wie gewünscht. Lufthansa sei daher in ganz Europa unterwegs, Flugzeuge samt Crews anzumieten.

Im Jahr der Air-Berlin-Pleite hat die Lufthansa ihr Ergebnis um ein Drittel auf 2,37 Milliarden Euro gesteigert, der dritte Rekordgewinn in Folge. Der nach massiven Pilotenstreiks erreichte Tarifabschluss brachte dabei einen einmaligen Effekt von mehr als einer halben Milliarde Euro, weil Lufthansa künftig nicht mehr für die Betriebsrenten der Piloten garantieren muss.

Der Umsatz stieg um 12,4 Prozent auf 35,58 Milliarden Euro. Für 2018 rechnet Lufthansa-Chef Spohr beim Betriebsgewinn (bereinigtes Ebit) von aktuell 2,97 Milliarden Euro mit einem leichten Rückgang. Bis zum Sommer gebe es noch steigende Ticketpreise, über das Gesamtjahr sei die Entwicklung aber wegen des wachsenden Angebotes stabil.

Für 2017 will der Dax-Konzern die Ausschüttung um 60 Prozent anheben - auf 80 Cent je Aktie. In den kommenden Jahren solle die Dividende mindestens auf dieser Höhe bleiben, sagte Finanzvorstand Ulrik Svensson. Für 2012 und 2014 waren die Eigentümer sogar ganz leer ausgegangen.

Spohr rechnet mit weiteren Airline-Pleiten in Europa, konkrete Kandidaten nannte er nicht. „Drei Insolvenzen im besten Jahr der Luftfahrt sind ein klares Signal, dass der Ausleseprozess noch nicht zu Ende ist.“ Man sei auch weiterhin an Alitalia interessiert, wenn diese zuvor saniert würde. „Die Marke Alitalia würde toll zum Lufthansa-Konzern passen“, sagte Spohr. Politischen Druck auf die italienische Regierung wolle Lufthansa bei der EU aber nicht aufbauen: „Wir warten ab.“

Den Konzern will der gerade für fünf weitere Jahre bestellte Vorstandschef im laufenden Jahr straffen. So sollen unter anderem die Buchungssysteme der Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian vereinheitlicht werden. Beim Wachstumskurs der Eurowings auf 210 Flugzeuge im kommenden Jahr stehen die Integration der Air-Berlin-Flieger und der belgischen Brussels Airlines auf dem Programm. Bis 2020 soll die Airline das Kostenniveau der Konkurrentin Easyjet erreichen, erklärte Finanzvorstand Svensson.

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