Marcel H. hat „Mörder-Manifest“ veröffentlicht

Grausame Details

Mit brisanten Enthüllungen aus einer Art „Mörder-Manifest“ von Marcel H. (20) ist der Prozess um den Doppelmord von Herne fortgesetzt worden. Die Inhalte des Dokuments sind geprägt von verstörender Selbstverliebtheit.

Bochum/Herne

, 23.11.2017, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marcel H. steht am 14. Prozesstag neben seinem Verteidiger Michael Emde.

Marcel H. steht am 14. Prozesstag neben seinem Verteidiger Michael Emde. © Werner von Braunschweig

Die Datei, die am 14. Verhandlungstag am Bochumer Landgericht im Mittelpunkt stand, hatte der 20-jährige Herner am 8. März auf einem Onlineportal (4chan.org) verbreitet. Flankiert mit einem Schock-Foto von sich selbst: Feist grinsend vor einem Comic-Poster und mit blutverschmiertem Messer in der Hand.

Aufgeschrieben hatte Marcel H. die Sätze in englischer Sprache. Außerdem tauchte später eine fast gleich lautende Sprachnachricht von dem Manifest auf. Ein Dolmetscher übersetzte die Sätze darin am Donnerstag am Bochumer Landgericht ins Deutsche. Der Anfang lautete: „Ich werde vielleicht bald gefasst. Hier ein Statement.“

Marcel H. verunglimpft seine Opfer

Mörderischer Inhalt, nüchterne Schilderungen: Marcel H. brüstete sich in dem Dokument vor zahlreichen Internetnutzern sogar als Fünffach-Mörder – was aber gar nicht stimmte. Wörtlich heißt es in der Veröffentlichung unter anderem: „Selbst nach fünf Morden fühlt sich das Töten nicht besonders an. Es ist nervig, Beweise zu vernichten und Blut wegzuwischen. Kein Wunder, dass Auftragskiller mindestens 10.000 Dollar verlangen, bevorzugt in Bitcoins (Anm.: das ist eine Internet-Währung) natürlich.“

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Seine beiden Opfer, der neunjährige Jaden und der 22-jährige Christopher werden von ihm verunglimpft. Über den Nachbarjungen heißt es unter anderem: „Der Tod von Jaden passierte ohne jeden besonderen Grund.“ Und weiter: „Das Universum interessiert sich nicht dafür, ob irgendein Kind stirbt.“ Seinen von ihm durch 68 Messerstiche getöteten Schulfreund verhöhnt Marcel H. als „Fettsack“. Am Ende des Statements verabschiedet sich Marcel H. mit den Sätzen: „Ich gebe auf, nachdem ich Spaß gehabt habe. Wenn morgen kein Update auftaucht, bin ich tot.“

Urteil fällt frühestens am 25. Januar

Der Angeklagte hat im Prozess über seinen Verteidiger bereits gestanden, am 6. März in Herne den neunjährigen Nachbarjungen Jaden und tags darauf seinen Ex-Schulfreund Christopher (22) umgebracht zu haben. Am 9. März hatte sich Marcel H. in Herne in einem griechischen Imbiss der Polizei gestellt.

Ein Urteil in dem seit September laufenden Doppelmord-Prozess fällt frühestens am 25. Januar 2018. Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll am übernächsten Prozesstag (4. Dezember 2017) ein Sachverständiger ein Gutachten über die zuletzt angeordnete Untersuchung des Gehirns von Marcel H. (MRT) erstatten.