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Menschenhandel - Eine kurze Geschichte der Sklaverei

Berlin. Der Handel mit Menschen hat eine unrühmliche Vergangenheit, und es gibt ihn auch heute noch. Eine TV-Dokumentation berichtet nun von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Menschenhandel - Eine kurze Geschichte der Sklaverei

Die Völker der Subsahara wurden im Laufe der Jahrhunderte zur wichtigsten „Ressource“ des größten Menschenhandelnetzwerkes der Geschichte. Foto: ARTE France/Olivier Patté/CPB Films

Die ausführliche Dokumentation über den Handel mit Menschen schlägt einen großen Bogen vom Jahr 476 bis heute, wo jedes Jahr unzählige Menschen in Richtung Mittelmeer flüchten, um Armut und Krieg in ihrer Heimat zu entkommen.

Viele von ihnen werden während ihrer Flucht zu Opfern des modernen Sklavenhandels mitsamt seinen unmenschlichen Praktiken. Davon - und wie das alles begann - wird in der vierteiligen Dokumentation „Menschenhandel - Eine kurze Geschichte der Sklaverei“ berichtet, die an diesem Dienstag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Der erste Teil reicht von 476 bis ins Jahr 1375; die Sklaverei hatte ihr Zentrum in Afrika und war anfangs meist die Folge von Kriegen und Eroberungszügen. Teil 2 geht weiter bis zum Jahr 1620, als Europa (insbesondere durch portugiesische Eroberer) vermehrt in das Zentrum des Sklavenhandels rückte. Teil 3 reicht bis 1789 und beleuchtet den Zusammenhang von Menschenhandel und dem von Banken und Versicherungen gestützten Kampf um Rohstoffe und Handelswege; und Teil 4 geht bis 1888, als sich endlich vermehrter Widerstand gegen die Sklaverei formierte.

Auch der Begriff Sklave wird im Film erklärt: Er stammt aus den osteuropäischen Sprachen, denn das Wort Sklave leitet sich vom Wort Slawe ab, und die Slawen galten - nach weit zurückliegender Auffassung - als Menschen, die versklavt werden durften. Die Sklaverei war nicht zuletzt für die Eroberungspolitik, die Versorgung und die Ausdehnung vieler Länder von entscheidender Bedeutung, auch die des islamischen Reiches. „Aus islamischer Sicht ist die Sklavenhaltung nur legal und legitim, wenn es sich um Ungläubige handelt“, sagt der Geschichtsprofessor Chouki El Hamel von der Arizona State University (USA). Er erläutert auch die genauen Zusammenhänge zwischen dem Kauf von Sklaven und dem Handel mit Gold.

Sein Kollege Edward Alpers (University of California, Los Angeles) erklärt im Film: „Wichtig beim Thema Sklavenhandel ist - neben der Ethik und dem Menschenrechten - die politische und wirtschaftliche Perspektive, also woher die Nachfrage nach solchen Arbeitskräften kommt und welcher Art sie ist“. Bis zum Ende der Antike kam sie vor allem von den Römern, doch hat es den Menschenhandel samt Deportierung und Versklavung seit jeher in allen Regionen und Gesellschaftsschichten der Erde gegeben. Sklaven wurden in der Regel nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrer Kultur beurteilt - daher durften sie nicht aus dem Kulturkreis ihrer „Herren“ stammen und mussten zumeist deren Religion annehmen.

Die Autoren Daniel Cattier, Juan Gélas und Philippe Lacôte führen den Zuschauer bis nach Kairo, Fustat und Nubien in Ägypten, Bagdad im Irak und Timbuktu in Afrika. Sie zeichnen in ihrem detailreichen Film ausführlich die Wege des Sklavenhandels nach, die bis nach Europa und seinen früheren Kolonien reichen. Die Filmemacher benutzen einige Computersimulationen, greifen auf zahlreiche Malereien und Kunstwerke zurück und blenden auch durchaus gelungene animierte Spielszenen ein. Sie hatten aber auch etwas Glück: Durch die Entdeckung außergewöhnlicher Dokumente (zum Beispiel Kaufverträge), die 1000 Jahre lang in Kairos ältester Synagoge versteckt lagen, konnten sie viel über die Herkunft und Identität der dortigen Sklaven erfahren.

Deutlich wird auch, dass viele der versklavten Frauen als eine Art Konsumgut betrachtet wurden: ihre Namen wie „Windrose“ oder „Gazelle“ sollten an Luxusartikel erinnern. Oft entwickelten sich sogar recht enge Beziehungen zwischen den Besitzern und ihren Haussklaven. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Sklaverei stets untrennbar mit Gewalt verbunden war: „Sklaverei ist die Negation des Menschseins“, sagt die Historikerin Catherine Coquery-Vidrovitch von der französischen Universität Paris-Diderot. „Die Vorstellung von einer angenehmen Existenz als Haussklave ist Augenwischerei“.

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