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Mutter soll fremde Kinder bedrängt haben - und wird vor Gericht freigesprochen

Kinder angesprochen

Sie wollte ein fremdes Kind an sich reißen und soll Kinder in unangenehme Situation gebracht haben. Nach einer Serie solcher Fälle mit Kindern ist eine Frau freigesprochen worden.

Bochum

von Werner von Braunschweig

, 28.06.2018
Mutter soll fremde Kinder bedrängt haben - und wird vor Gericht freigesprochen

© dpa

Nach einer Serie von wahnhaften Zwischenfällen mit Kindern ist eine psychisch kranke Mutter am Donnerstag am Bochumer Landgericht freigesprochen worden. Die psychisch kranke Frau konnte wegen vorliegender Schuldunfähigkeit nicht verurteilt werden.

Der schwerste Zwischenfall passierte am 18. Juni 2017. Damals soll die 37-Jährige versucht haben, ein dreijähriges Mädchen unweit von einem Kindergarten an sich zu reißen. Laut Anklage hatte sie das Kind mit dem Namen ihrer eigenen Tochter angesprochen, dann versucht, es mitzunehmen.

Der völlig entsetzte Vater hatte seine Tochter jedoch schnell auf den Arm genommen und war zu seinem Auto geflüchtet. „Er rannte weg und brachte sich in Sicherheit“, hieß es dazu in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Frau hat schwere psychische Defizite

Dass die Mutter am Ende trotz mehrerer ähnlicher Vorfälle auf offener Straße nicht bestraft werden konnte, lag alleine an ihrer „gravierenden Erkrankung“, hieß es in der Urteilsbegründung am Bochumer Landgericht.

Ohne ihre schweren psychischen Defizite, das stellte die 6. Strafkammer klar, hätte das Urteil auf zweimal Hausfriedensbruch und jeweils einmal Nötigung, Körperverletzung und Diebstahl gelautet. Nur, weil ein Gutachter die wahnhaften Psychosen der 37-Jährige als so schwer eingestuft hatte, dass die Frau vom Gesetz her als schuldunfähig gilt, sei sie strafrechtlich nicht zur Verantwortung zu ziehen.

Eine in diesen Fällen mögliche Unterbringung in der geschlossenen Straftäter-Psychiatrie, kam für die Richter nach eingehender Prüfung nicht in Frage. „Wir haben keine Argumente gefunden, um eine Prognose treffen zu können, dass von Ihnen ansonsten starke Straftaten drohen“, so Richter Michael Rehaag.

Für die von der Frau (schuldlos) begangenen Taten sei eine zeitlich unbefristete Psychiatrie-Einweisung „sicher nicht“ die passende Sanktion. „Das soll aber nicht heißen, dass alles, was sie gemacht haben, egal ist“, warnte Rehaag. „Sollte die Schwelle der maßgeblichen Kriminalität demnächst überschritten werden, dann ist die Justiz schnell wieder da. Und wird Maßnahmen treffen, um die Allgemeinheit zu schützen.“

Frau hielt fremdes Kind für ihr eigenes

Die Mutter war zwischen Juli 2016 und Juni 2017 offenbar mitunter schlagartig von der wahnhaften Idee besessen, dass es sich bei den fremden Kindern, die auf der Straße erblickte, um ihre eigene Tochter handelt, für die ihr bereits vor Jahren das Sorgerecht entzogen worden ist.

Im Zuge dessen war es mehrfach zu Zwischenfällen gekommen, die die Richter im Urteil unter anderem als „Gerangel“ und „extrem unangenehme Situation“ bezeichneten. Außerdem hatte die 37-Jährige laut Urteil einer Hausmeisterin mal einen Schlüssel gestohlen.

Das Freispruch-Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Mutter befindet sich aktuell in einer sozialtherapeutischen Fördereinrichtung unweit von der deutsch-niederländischen Grenze.