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NRW - eine Schnecke im Bildungswettlauf

DÜSSELDORF NRW bewegt sich mit der Reform seiner Bildungssysteme viel zu langsam, um den Abstand zu den führenden Pisa-Ländern zu verkleinern.

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NRW - eine Schnecke im Bildungswettlauf

Die Uni Witten/Herdecke bietet im August ein Schnupperstudium an.

Dies ist die Kernbotschaft einer Studie im Auftrag von DGB und GEW, die der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm gestern in Düsseldorf präsentierte. Seine negative Zwischenbilanz zum so genannten „Bochumer Memorandum“, einer bis 2010 angelegten Langzeituntersuchung, bezieht sich auf die Jahre 2003 bis 2006.

In diesem Zeitraum, so Klemm, sei die Kleinkindbetreuung zu langsam ausgebaut, die Anzahl der Sitzenbleiber nur unwesentlich reduziert und die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss nur leicht gesenkt worden. Gesteigert worden sei hingegen nur die Abiturientenquote.  

Vorwurf zurückgewiesen

Die Landesregierung hat indes den Vorwurf zurückgewiesen, NRW komme mit seinen Bildungsreformen lediglich im Schneckentempo voran.Die gestern im Auftrag von DGB und GEW vorgelegte Studie „basiert in wesentlichen Teilen auf veraltetem Zahlenmaterial“, hieß es gestern in einer Reaktion des Schulministeriums auf die Zwischenbilanz des „Bochumer Memorandums“. Das Ministerium reagierte damit auf den Vorwurf der starken sozialen Selektivität des Bildungssystems, der sich auf alte Pisa-Befunde beziehe sowie die Angaben zu den Bildungsausgaben, die von Schwarz-Gelb um 700 Mio. Euro erhöht worden seien. Darüber hinaus hätten sich auch alle relevanten Zahlen verbessert. Die geringe Dynamik dieser Verbesserungen war allerdings genau der Kritikpunkt der Studie.

Allerdings räumte der federführende Autor, der emeritierte Bildungsforscher Klaus Klemm ein, dass er mit seinen Befunden lediglich eine „Trendabschätzung“ abgegeben habe und keine „gesicherten Befunde“. Gleichwohl gab er sich skeptisch, dass die neuen Gesetze der Landesregierung eine Trendumkehr herbeiführen könnten.

Zu "detailverliebt"

Bei der U-3-Betreuung halte er das trotz der Unzulänglichkeiten bei den Sprachstandserhebungen mit den neuen Bundesmitteln zwar für möglich, sagte Klemm. Der erschwerte Übergang auf die höheren weiterführenden Schulen, die Lernverdichtung auf den Gymnasien sowie die Einführung von Studiengebühren sprächen jedoch nicht gerade für eine Beschleunigung des Reformprozesses. GEW-Chef Andreas Meyer- Lauber bezeichnete die Landesregierung als zu „detailverliebt“ und nannte dafür als Beispiel die Kopfnoten.

Sitzenbleiberquote

Konkret forderte er die Halbierung der Sitzenbleiberquote bis 2012, die flächendeckende Einführung der eigenverantwortlichen Schule sowie Ganztagsunterricht an allen Schulformen. DGB-Chef Guntram Schneider sagte, die Studie sei keine Kritik nur an der derzeitigen Landesregierung. Er sehe sich weniger als Kritiker, sondern als Dialogpartner der Politik.

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