Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Nach 87 Stunden: Champagner im Ziel

HOLZEN Er hat´s geschafft! Michael Reiche hat die größte Herausforderung seiner Radsport-Karriere gemeistert: Nach gut 87 Stunden hatte der Extremsportler gestern gegen 14.30 Uhr die rund 1250 Kilometer und 10 000 Höhenmeter hinter sich und war am Ziel des Langstrecken-Klassikers "Paris, Brest, Paris" in der französischen Hauptstadt angekommen.

von Von Michael Dötsch

, 24.08.2007
Nach 87 Stunden: Champagner im Ziel

Nach 87-stündiger Strapaze saß Michael Reiche gestern Nachmittag im Wohnmobil auf dem Weg nach Hause.

Zur Belohnung wurde Reiche von seiner Frau Heike und dem befreundeten Betreuerpaar Caspari standesgemäß mit einer Flasche Champagner begrüßt. "Und klar - ein Tränchen ist auch gekullert", gab Reiche einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt, als wir am späten Nachmittag auf der Heimreise im Wohnmobil am Handy erwischten.

Achillessehnen angeschwollen

Dass Reiche nicht gerade fit wie ein Turnschuh war, versteht sich von selbst. Aber so am Ende der Kräfte, wie man vielleicht nach den schier unglaublichen Strapazen hätte vermuten können, war der 40-Jährige auch wieder nicht.

"Muskulär war ich fit. Aber beide Achillessehnen sind total angeschwollen", schilderte Reiche seine Beschwerden. Nach gut der Hälfte des Rennens begannen die Probleme in diesem Bereich - und sie wurden immer schlimmer. Vor allem die letzten 20 Kilometer wurden zu einer wahren Tortur. Seinen rechten Fuß habe er aus der Pedale ausklinken müssen, erzählt er. Fortan fuhr er quasi "einbeinig" bis ins Ziel - unglaublich!

1000 gaben nach dem ersten Tag auf

Das pure Vergnügen war die Tour schon vorher nicht - auch wegen des Wetters. Die ersten drei Tage und Nächte habe es beinahe durchgehend geregnet, erzählt der Holzener. Das hatte zur Folge, dass von den 5300 gestarteten Extremsportlern schon etwa 1000 nach dem ersten Tag aufgegeben hätten.

Für Michael Reiche kam das nach eigener Aussage nicht in Frage. Nur zwei Worte gibt er auf die Frage zur Antwort, ob da auch mal ein Gedanke ans Aufgeben war: "Ach Quatsch!"

Nur mit 30 km/h den Berg runter

Seine eigentliche Rennstrategie war jedoch schnell hinfällig. Wegen der widrigen Bedingungen fuhr das Feld insgesamt langsamer als geplant. "Wo man sonst mit 55 km/h den Berg runterfährt, ging es nur mit 30. Alles andere war viel zu gefährlich", sagt Reiche - von der Müdigkeit mal ganz abgesehen.

So ging es für Reiche spätestens am Wendepunkt in Brest nicht mehr um irgendwelche Zeiten, sondern nur noch darum, innerhalb des Zeitlimits in Paris anzukommen. Und das hat er geschafft. 87 Stunden, nachdem er am späten Montagabend losgeradelt war - welch eine Leistung!