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Neid für Verkleinerung der Bundesliga

Bonn (dpa) Weltmeister-Trainerin Silvia Neid hat die immer größeren Belastungen der Nationalspielerinnen beklagt und den ausufernden Terminkalender im Frauenfußball angeprangert.

Um die Belastungen für die Akteurinnen zu reduzieren, mehr Raum für Lehrgänge der Nationalmannschaften vor großen Turnieren und für notwendige Regenerationsphasen zu schaffen, schlug Neid beim DFB- Hallenpokal in Bonn eine Bundesliga-Reform vor. «Es wäre gut, die Liga zu verkleinern. Vielleicht sollte man nur mit acht statt zwölf Vereinen spielen. Dadurch hätten wir ein höheres Spielniveau, mehr attraktive Partien und mehr Zeit für eine vernünftige Saison-Planung. Der derzeitige Terminkalender ist mehr als ausgereizt», klagte Neid. «Wir sind da am Limit.»

Mit den Reformgedanken stieß die DFB-Trainerin aber auf teilweise erbitterten Widerstand in den Vereinen. «Die Arbeit der Clubs wird immer viel zu negativ dargestellt. Woher kommen denn die Top- Spielerinnen? Man tut jetzt so, als wäre man Weltmeister geworden ohne die Vereine. Ich habe vom DFB, auch von Herrn Zwanziger, nach der WM kein Lob für die gute Vereinsarbeit gehört», sagte Bernd Schröder, Trainer von Hallencup-Sieger Turbine Potsdam, der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntag. Ein Verkleinerung der Liga lehnt er ab. «Wir brauchen eine breite und starke Liga. Wenn es da unten nichts mehr gibt, haben wir Inzucht.»

Neid treibt dagegen die Sorge um, dass die mit zwei WM-Titeln (2003/2007) eroberte internationale Vormachtstellung wieder verloren gehen könnte. «Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern müssen aufpassen, dass uns die anderen Länder nicht überholen», sagte die 43-Jährige mit Blick auf die WM 2011 im eigenen Land. Man brauche eine ausgeglichene und spannende Liga. Nur so könnten mehr Zuschauer angelockt und das Fernsehen für die Bundesliga begeistert werden. «Alle müssen über den Tellerrand hinausschauen», sagte Neid, und warnte die Clubs davor, nur ihr eigenes Süppchen zu kochen. «Es ist kein Egoismus angebracht, sondern alle müssen an das Team Deutschland denken. Die Nationalelf ist unser Aushängeschild.»

Eine Verkleinerung der Liga von zwölf auf acht Vereine hätte eine Reduzierung von 22 auf 14 Spieltage zur Folge. Denkbar wäre, Meister und Absteiger in Playoff-Runden zu ermitteln. Schon lange wird eine Professionalisierung der Liga gefordert. Während bei Topspielen mehrere Tausend Fans kommen, sind Zuschauerzahlen von weniger als 200 bei weniger interessanten Partien keine Seltenheit.

Ein Alarmzeichen waren viele Verletzungen und Krankheiten bei einem halben Dutzend Weltmeisterinnen. Nur eine Woche nach dem Titelgewinn in China mussten sie in der Bundesliga wieder ran. Das bezahlten Spielerinnen wie Renate Lingor, Kerstin Stegemann (Knie- Operation), Simone Laudehr (Knie/Schulter), Kerstin Garefrekes (Syndesmoseriss) oder Torhüterin Nadine Angerer (Lungenentzündung) mit langen Ausfallzeiten. «Eine Pause wäre fällig gewesen», klagte Lingor, die sich direkt nach der WM einen Muskelbündelriss zuzog. Schröder räumt die Problematik ein und fordert einen Runden Tisch, um die Zusammenarbeit von DFB und Clubs zu verbessern. «Man muss methodisch und wissenschaftlich an die Sache rangehen. Wir brauchen eine abgestimmte Logistik, ein Gesamtpaket, in dem alles passt.»

Eine Verkleinerung der Liga brächte Neid mehr Spielraum für Lehrgänge der Nationalmannschaften. «Wir haben bis 2011 jedes Jahr ein großes Turnier, jetzt Olympia, 2009 die EM und 2010 wahrscheinlich ein WM-Testturnier», zählte Neid auf, die ihre Überlegungen «nur als Ideen und Verbesserungsvorschläge» sieht. Sie sei realistisch. «Ich glaube, dass in den Vereinen die Bereitschaft fehlt, das umzusetzen. Es wird sicher Widerstand geben», sagte sie.

So erteilte auch Tanja Schulte, Trainerin von Aufsteiger SG Wattenscheid 09 der Idee eine Absage: «Frau Neid sollte sich mal mit den Sponsoren unterhalten. Bei uns liegen mehr als drei Monate zwischen unserem letzten Heimspiel im November und dem ersten in diesem Jahr. Wir brauchen auch Kontinuität für Sponsoren und Zuschauer. 14 Spieltage sind zu wenig. Wichtiger wäre, dass alle Vereine einen so großen und ausgeglichenen Kader haben, dass sie auch mal auf eine Auswahlspielerin verzichten können.»

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