Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Nervöse Stimmung an den Börsen

Frankfurt/New York (dpa) Die europäischen Aktienmärkte haben auch am Mittwoch keinen Halt gefunden. Nachdem die Zinssenkung der US-Notenbank zum Handelsstart zunächst eine kleine Verschnaufpause gebracht hatte, rutschten die Börsen in Europa wieder ab.

Nervöse Stimmung an den Börsen

Aktienmärkte im Minus

Die europäischen Aktienmärkte haben auch am Mittwoch keinen Halt gefunden. Nachdem die Zinssenkung der US-Notenbank zum Handelsstart zunächst eine kleine Verschnaufpause gebracht hatte, rutschten die Börsen in Europa wieder ab.

Der deutsche Leitindex gab seine frühen Tagesgewinne ab und stand zum Schluss des elektronischen Handels in Frankfurt mit 4,88 Prozent im Minus. Am Nachmittag war der DAX zwischenzeitlich auf seinen tiefsten Stand seit Dezember 2006 eingebrochen. Auch die US-Börsen standen beim Handelsschluss in Deutschland deutlich im Minus.

Die Anleger seien nervös und es überwiege weiter die Sorge, dass die überraschende Leitzinssenkung der US-Notenbank vom Vortag ihre Wirkung verfehlen könnte, sagten Börsianer. «Wir sehen weiterhin einen nervösen Handel», sagte ein Börsianer in Frankfurt. Händler verwiesen auch auf Gerüchte um weitere Milliardenabschreibungen bei Großbanken wie Société Générale, ABN Amro oder Deutsche Bank als neuerlichen Belastungsfaktor. Bei letzterer belasteten zudem Gerüchte um eine mögliche Gewinnwarnung. Zudem ließen die Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, Hoffnungen einiger Marktteilnehmer auf eine Zinssenkung platzen.

«Es ist die Pflicht der Zentralbank, Inflationserwartungen zu verankern, um weitere Unbeständigkeit in bereits sehr unbeständigen Märkten zu vermeiden», sagte Trichet in Brüssel. Die EZB hatte bereits in der Vergangenheit Leitzinssenkungen mit Blick auf die hohe Teuerungsrate in der Eurozone zurückgewiesen. Dennoch war spekuliert worden, dass die EZB der US-Notenbank folgen könnte.

Die Federal Reserve hatte am Dienstag ihren Leitzins um 0,75 Punkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Diese Zinssenkung habe Schlimmeres verhindert, sagte Stratege Robert Halver von der Bank Vontobel. «Aber wir sind noch nicht durch.» Die US-Notenbank habe lediglich wichtige Maßnahmen für den «Heilungsprozess» eingeleitet.

Marktstratege Mirko Pillep von der Helaba sagte, die außerplanmäßige Leitzinssenkung der US-Notenbank werde die Probleme kurzfristig nicht lösen. Sie sei eher Anzeichen der verzweifelten Lage, zumal am Markt mit einem weiteren Zinsschritt auf der regulären Sitzung gerechnet werde. Das hätten jetzt auch die Anleger realisiert. «Es wird eine Gegenbewegung geben, aber eines ist klar: Die Schönwetterbörse ist vorbei», sagte Pillep.

Die Bundesregierung will nicht mit zusätzlichen Konjunktur- Maßnahmen auf die aktuelle Börsenkrise reagieren. Darüber habe im Kabinett Einigkeit bestanden, sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Berlin nach der Verabschiedung des Jahreswirtschaftsberichts 2008. Die Konjunktur schwäche sich nach einem Wachstum in 2007 von 2,5 Prozent zwar im laufenden Jahr ab, bleibe aber mit 1,7 Prozent stabil.

Nach Ansicht des Mannheimer Wirtschaftsforschers Michael Schröder ist der Ausverkauf an den Börsen Ausdruck einer «deutlichen Korrektur der Wachstumserwartungen». «Die Informationen waren zum allergrößten Teil schon Anfang oder Mitte Dezember bekannt. Damals sind die Börsen seltsamerweise nach oben gegangen, jetzt mehren sich aber die Konjunktursorgen», sagte der Wirtschaftswissenschaftler des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Vor einer Rezession muss sich Deutschland nach Ansicht des Berliner Finanzmarktexperten Joachim Gassen aber nicht fürchten. «Wenn ein großer Markt wie die USA ins Strudeln kommt, bekommen zwar auch wir einen ordentlichen Schnupfen, aber grundsätzlich ist Deutschland gut aufgestellt», sagte der Experte für fundamentale Aktienanalyse an der Berliner Humboldt-Universität der dpa. Die eher konservative Kreditvergabepraxis deutscher Banken, die ebenso konservative Anlagestrategie der Investoren und die vergleichsweise hohe Sparquote schütze das deutsche Wirtschaftssystem tendenziell vor wirtschaftlicher Überhitzung und «vor der Bildung von Kapitalmarkt- und Immobilienblasen».

Die Stimmungslage unter den Führungskräften der Industrie in den USA und in Europa ist deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Das wurde zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Wintersportort Davos deutlich. Dieser negative Trend werde erstmals seit 2003 festgestellt, heißt es in einer PriceWaterhouseCoopers- Studie. Die wachsende Skepsis spiegelt auch eine Umfrage der Beratungsgesellschaft unter 1150 Managern in 50 Staaten im letzten Quartal des vergangenen Jahres wider.

Der europäische Leitindex EuroSTOXX 50 verbuchte ein Minus von 4,7 Prozent. Der auch Schweizer und britische Werte umfassende STOXX 50 verlor 3,4 Prozent. In Asien hatten sich die Börsen dagegen am Mittwoch von den massiven Kursverlusten der vergangenen Tage erholt.

THEMEN

Anzeige
Anzeige