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Neuer Nummer 1 oder nix: Löw mit zeitigem WM-Signal

Eppan. Der Bundestrainer sorgt für die Nachricht des Wochenendes: Torwart Neuer wird als Nummer eins zur WM reisen - oder gar nicht. Der Zeitpunkt der Verkündung überrascht. Champions-League-Sieger Kroos exportiert zusätzlichen WM-Optimismus ins Trainingscamp.

Neuer Nummer 1 oder nix: Löw mit zeitigem WM-Signal

Sollte Torwart Manuel Neuer mit nach Russland fahren, dann laut Joachim Löw als Nummer Eins. Foto: Christian Charisius

Den entspannten Sonntag mit Yoga, Mountainbike und Hotelpool konnte Manuel Neuer in der Südtiroler Bergwelt einfach nur genießen. Besser hätte die Startphase im WM-Vorbereitungslager für den Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft nicht laufen können.

Der Ausnahmetorhüter Neuer stellte sich nach acht Monaten Verletzung auf dem Trainingsplatz nicht nur in erstaunlicher Verfassung vor. Auch eine MRT-Kontrolluntersuchung in Bozen zeigte keine Auffälligkeiten am dreimal gebrochenen linken Mittelfuß. Und sein Chef Joachim Löw überraschte in Eppan mit einer Grundsatzentscheidung für die WM: Weltmeister Neuer wird in Russland als Nummer 1 auflaufen - oder gar nicht.

Der Zeitpunkt von Löws Ansage dürfte auch Neuers Stellvertreter Marc-André ter Stegen verblüfft haben. Der Profi vom FC Barcelona war erst einen Tag vor dem klaren Votum des Bundestrainers pro Neuer nach Eppan gekommen. „Ich hätte volles Vertrauen“, versicherte der Bundestrainer ter Stegen in der ARD für den Fall, dass bei seiner Nummer 1 im Ringen um das Wettkampf-Comeback doch noch etwas passieren könnte. Doch WM-Neuling ter Stegen wisse auch, „wenn Manuel gesund ist, hat er einen kleinen Vorteil“. Manager Oliver Bierhoff drückte es im ZDF-Interview am Wochenende noch klarer aus: Der 26-jährige ter Stegen „wusste von Anfang an Bescheid, in welcher Position er ist“.

Für Löw läuft die bisherige Vorbereitung auf das WM-Abenteuer in Russland so, „wie ich mir das vorstelle“. Der Südbadener ruht vor seinem sechsten großen Turnier als Bundestrainer in sich. Alle Spieler bis auf Jérôme Boateng sind inzwischen körperlich „auf einem Level“, wie Löws Assistent Marcus Sorg zufrieden berichtete.

Dazu exportierte Toni Kroos mit seinem vierten Champions-League-Sieg ein weiteres Stück Optimismus ins Südtiroler DFB-Teamhotel. Der Real-Madrid-Star übermittelte nach dem Endspielsieg gegen den FC Liverpool seinen Daumen drückenden DFB-Kollegen am TV-Schirm: „Wir wollen unseren Titel in Russland verteidigen.“

Kroos wird im Laufe der Woche „mit einer breiten Brust“ nach Eppan nachkommen, wie Bierhoff bemerkte: „Dann wird er sicherlich aufgefordert, dass der nächste Titel her soll“, sagte der Manager mit einem Lächeln. Die Spieler von Routinier Sami Khedira von Juventus Turin bis zum Leipziger WM-Neuling Timo Werner versprühen im Trainingscamp drei Wochen vor dem WM-Ernstfall am 17. Juni gegen Mexiko ohnehin Vorfreude. „Es ist ein erfrischender Konkurrenzkampf, der die ältere Spieler pusht“, sagte Weltmeister Khedira.

Die Sportliche Leitung spendierte den 26 Profis in Eppan einen heiter-sportlichen Sonntag. In kleineren Gruppen vergnügten sich der tatendurstige Thomas Müller und die Kollegen beim Yoga, auf dem Fahrrad, bei einem Spaziergang oder einem Cappuccino. „Phasenweise muss die Konzentration hoch sein. Aber die Spieler müssen auch die Möglichkeit bekommen, ab und zu ihre Seele baumeln zu lassen“, sagte Löw.

Ohne Anstrengungen lief der Tag trotzdem für einige Profis nicht. Der nach einer Muskelverletzung noch um seine WM-Fitness ringende Boateng setzte sein Aufbauprogramm fort. Ende der Woche könne der 29-jährige Münchner „vielleicht teilweise“ mit Ball und Mannschaft trainieren, kündigte Löw an. Erst übernächste Woche soll Boateng „voll umfänglich dabei sein“. Das bedeutet: Das WM-Testspiel am 2. Juni in Klagenfurt gegen Österreich wird Boateng verpassen. Und auch die Generalprobe am 8. Juni in Leverkusen gegen Saudi-Arabien dürfte noch zu früh kommen.

Obwohl an der Einfahrtsstraße zur Sportzone Rungg am Sonntag ein Schild angebracht war („Heute kein Training“), gab es Betrieb im Fitnesszelt. Dort wurde an den Hightech-Geräten bei lauter Musik geschwitzt. Torwartcoach Andreas Köpke bat zu einer Übungseinheit auf dem Platz. Die wichtigste Nachricht des Wochenendes hatte Löw schon zuvor geliefert: Der 32-jährige Neuer wird in Russland im Tor stehen, wenn der Münchner bis zur endgültigen Nominierungsfrist am 4. Juni topfit wird. Neuer müsse aber auch selbst das Gefühl haben, in der Verfassung zu sein, „dass alle Abläufe stimmen“, sagte Löw.

Seit einer Fuß-Operation im September 2017 hat der Kapitän keinen Wettkampf mehr bestritten. Am Montag im ersten Übungsspiel in Eppan gegen die deutsche U20-Auswahl soll der mehrmalige Welttorhüter erste Spielpraxis sammeln. Das Länderspiel gegen Österreich wird dann zur entscheidenden Praxis-Prüfung. „Und wenn er dann dabei sein wird, wird er sicherlich spielen“, sagte Löw zur Rollenverteilung im Tor.

Noch muss Neuer einige Bedingungen erfüllen. „Ein Torwart ist ja ein bisschen sensibel“, bemerkte Löw. Die Abläufe bei Flanken, in der Reaktion, in der Beweglichkeit - „auch das muss auf sehr gutem Niveau sein“, erläuterte Löw. Wenn es mit Neuer nicht klappen sollte, habe er in ter Stegen und den beiden anderen nominierten Torhütern „gute Alternativen“. Anscheinend aber hat Löw keine grundsätzlichen Bedenken mehr an der Turniertauglichkeit seiner Nummer 1.

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